MyMz
Anzeige

Erzählungen

Wie Don Carlos die Decke wackeln ließen

Alfons Holmer und Ludwig Islinger erinnerten an die Schierlinger Tanzband – und wie sie Musiker dort wurden.
von Fritz Wallner

Ludwig Islinger und Alfons Holmer (von links) erzählten in der Marktbücherei insbesondere über ihre Zeit als Mitglied der Tanzkapelle „Don Carlos“ Foto: Fritz Wallner
Ludwig Islinger und Alfons Holmer (von links) erzählten in der Marktbücherei insbesondere über ihre Zeit als Mitglied der Tanzkapelle „Don Carlos“ Foto: Fritz Wallner

Schierling.Als Ende der 1950er-Jahre die Tanzkapelle „Don Carlos“ aus der Taufe gehoben wurde, waren Improvisations- und Organisationstalent, Engagement und Pfiffigkeit gleichermaßen gefragt. Davon erzählten deren Mitbegründer Alfons Holmer und Ludwig Islinger beim Erzähl-Café des Christlichen Bildungswerkes im Rahmen der Veranstaltungsreihe „10 vor 10“in der Marktbücherei.

Beiden war als Kind aufgrund ihrer guten Stimme geraten worden, zu den Domspatzen zu wechseln. Doch bei beiden Familien fehlte dafür das nötige Geld. Ludwig Islinger erzählte, dass er daheim, im Kirchenchor, beim Liederkranz, in Tanzkapellen und in verschiedenen Gesangsgruppen gesungen habe. Schließlich sei er als Trommler zum TV-Spielmannszug gekommen, und von da über seinen damaligen Nachbarn Sepp Watzke zur Kapelle Joe Watzke – dem „semmelblonden Teenager-König“, wie er auf ein Plakat schrieb. Weil Islinger außer Trommeln sonst kein Instrument lernen konnte, die Kapelle aber nicht auf seine Stimme verzichten wollte, hängte ihm Watzke eine Gitarre um, und Islinger tat so, als würde er spielen.

Alfons Holmer stieß zur Kapelle Watzke, weil ein Quetschenspieler gebraucht wurde. Verschiedene Umstände führten dazu, dass die beiden 1958 bei Watzke ausstiegen, die neue Tanzkapelle „Don Carlos“ gründeten und dann zusammen mit Rudi Hendlmeier, Sepp Danzer, Siegfried Pedolzky, Günther Punk und später auch mit Alfons Weigert Musik machten. Es wurden Instrumente gekauft, fast jeden Tag geprobt, und schon nach fünf Wochen – am Ostermontag 1958 – gab es den ersten Auftritt in Langquaid. „D’Leit waren ganz begeistert!“, erinnerte sich Ludwig Islinger. Von da an ging‘s nur noch aufwärts. Ihre Bühne waren die großen Säle der Umgebung – von Langquaid, Bayerbach bis Alteglofsheim. Und in Schierling im alten Aumeier-Saal über der Gaststube zündeten sie auch mit „Hully-Gully“ (Halligalli) ein Feuerwerk, dass der Wirt Angst hatte, die Decke könnte das nicht aushalten – so enthusiastisch tanzten die Leute.

Dass die Musiker damals „Bazi“ gewesen seien, stellte sich beim Erzähl-Café als Gerücht heraus. Denn fast alle haben bei den Auftritten ihre Frauen kennen gelernt und sind bei diesen geblieben. Freilich, Chancen hätten sie bei den Mädchen schon gehabt, erinnerten sie sich schmunzelnd.

Damals habe man nach Noten gelernt, doch jeweils auswendig gespielt. „Ohne Notenblatt können die Gefühle besser sprechen“, war Holmer sicher. Gespielt haben sie alles, von moderner Tanzmusik bis zu den Werken der Oberkrainer. Sie hatten sich im Lauf der Zeit so einen guten Namen gemacht, dass sie in Straubing im „Leser-Keller“ und im „Mariandl“ beim „Wiener Walzer-Abend“ regelmäßig spielten. Die Gage lag bei etwa zehn Mark in der Stunde.

Höhere Gage

  • Verlockung:

    Das Angebot, als Berufsmusiker bis zu 2000 Mark im Monat zu verdienen, lehnten die Schierlinger ab.

  • Der Maschinenbauer:

    Der Tüftler Alfons Holmer hatte bereits völlig andere Pläne im Kopf, die ihn schließlich zu einem Weltmarktführer machten.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht