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Finanzen

13 Millionen Euro Zuschuss fürs Theater

Die Stadt Regensburg steckt so viel Geld in das Haus wie in keinen anderen ihrer Betriebe. Dabei wirtschaftet es ordentlich.
Von Julia Ried

„The Producers“ war in der Spielzeit 2016/2017 die am besten besuchte Produktion des Theaters Regensburg. Foto: Jochen Quast
„The Producers“ war in der Spielzeit 2016/2017 die am besten besuchte Produktion des Theaters Regensburg. Foto: Jochen Quast

Regensburg.Das Theater ist unter den städtischen Betrieben und Töchtern das Haus, das am stärksten am Tropf der Stadt hängt: der Spitzenreiter vor Verkehrsbetrieben, Badebetrieben, Fußballstadion und Tourismus GmbH. Im jetzt vorliegenden Jahresabschluss für die Spielzeit 2016/2017 stehen knapp 13,1 Millionen Euro als Bilanzverlust, den die Stadt ausgleicht. In den vergangenen sechs Jahren ist er um 2,8 Millionen Euro gewachsen. Dabei wirtschaftet das Theater Regensburg im Vergleich mit anderen Städten in der Größe Regensburgs ordentlich.

3,39 Millionen Euro Umsatzerlös machte das Theater in der Spielzeit. Dazu kommen 5,28 Millionen Euro sonstige Erträge; darunter fällt der Zuschuss des Landes. Demgegenüber stehen 21,74 Millionen Euro Ausgaben.

Das viele Personal kostet

Der größte Posten sind mit 16 Millionen Euro die Personalausgaben. Sie sind um 286 000 Euro gestiegen im Vergleich zum Vorjahr. Die Mehrkosten auf die Kartenpreise zu schlagen, kommt für die Theaterleitung aus kaufmännischer Direktorin Waltraud Parisot und Intendant Jens Neundorff von Enzberg ebenso wenig in Frage wie ein Spar-Programm. „Grundsätzlich ist es immer so: Kultur trägt sich nicht selbst“, sagt Parisot. In den Bilanzen aller kommunalen Theater in Deutschland steht ein Defizit. In Parisots Jahresabschluss heißt es: „Um einer breiten Gesellschaftsschicht den Zugang zum Theater zu ermöglichen, sind der Höhe der Kartenpreise Grenzen gesetzt.“

Die Theater-Doppelspitze: Waltraud Parisot und Jens Neundorff von Enzberg Foto: Julia Ried
Die Theater-Doppelspitze: Waltraud Parisot und Jens Neundorff von Enzberg Foto: Julia Ried

Ohnehin müsste die Preissteigerung enorm ausfallen, um einen Effekt zu zeigen: Ein Besucher bringt dem Stadttheater durchschnittlich 22,18 Euro ein. Das ist ein guter Wert. Den Zahlen des Deutschen Bühnenvereins zufolge lag 2015/2016 in Kommunen zwischen 100 000 und 200 000 Einwohnern der Erlös pro Gast im Schnitt bei 18,97 Euro. Für einen kostendeckenden Betrieb müssten es in Regensburg 124,67 Euro sein. Die Konsequenz: Die Stadt bezuschusst jeden Theaterbesuch im Schnitt mit 102,49 Euro. Diese Subvention ist im Vergleich relativ klein. Von Theatern in Kommunen in der oben genannten Größenordnung werden in der Regel circa 14,60 Prozent der Kosten des laufenden Betriebs durch selbst erwirtschaftete Erlöse abgedeckt – in Regensburg sind es 17,19 Prozent.

Einen Artikel zu den Kosten des städtischen Fußballstadions lesen Sie hier.

Das Publikum ist dem Theater treu. Es hat mit seinen 679 Vorstellungen, Konzerten, Matineen, öffentlichen Proben und Sonderveranstaltungen insgesamt 174 367 Besucher erreicht. Das Publikum trage auch Risiken mit, lobt der Intendant, sei „extrem offen“. „Wir waren extrem mutig mit Ur- und Erstaufführungen.“ Sie sind für ihn die „Leuchttürme“ im „Theater für die breite Masse“, das er anbieten möchte. „Es war auch ein Risiko, ,Producers‘ zu machen“, sagt er. Doch das Publikum liebte das Stück. 25 Vorstellungen von „The Producers“, der Satire auf das Showbusiness nach dem Buch von Mel Brooks, waren bis auf den letzten Platz besetzt. Schlecht ausgelastet dagegen war das große Velodrom bei „Lehman Brothers“ über Aufstieg und Fall der Investmentbank-Dynastie und „Hamlet“. Insgesamt lag die Auslastung bei 82,69 Prozent.

Das Stück „The Producers“ war in der Spielzeit 2016/2017 die am besten besuchte Produktion des Theaters Regensburg. Sehen Sie hier den Trailer:

Das Ziel: Mehr Gastregisseure

Neundorff von Enzberg ist mit Besucherzuspruch und Einnahmen mehr als zufrieden. Sein Plan für die Zukunft: „Ich möchte, dass das Haus so konstant bleibt in der Wahrnehmung.“ Er will es stärker international vernetzen, mit einem anspruchsvollen Programm mehr Gastregisseure anziehen. Die gehen lieber an größere Häuser, die bessere Gagen zahlen.

Defizit-Betriebe

  • Verkehrsbetriebe:

    Die Stadtwerke glichen 2016 für ihre Tochter Regensburger Verkehrsbetriebe, die den Stadtbusverkehr stemmt, ein Defizit von 9,4 Millionen Euro aus.

  • Sportstätten:

    Die Badebetriebe verzeichneten 2016 für Bäder und Donau-Arena einen Verlust von 7,5 Millionen Euro. Das Fußballstadion brachte der Stadt ein Minus von 3,4 Millionen Euro.

Bis 2022 stockt die Stadt ihre Unterstützung jedes Jahr um 2,5 Prozent auf, was für das Theater durchaus eine Herausforderung darstellt. Denn allein die Gehälter im öffentlichen Dienst stiegen im März 2018 um 3,19 Prozent. Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra erläutert: „Das Theater erhält von der Stadt regelmäßig Budgetvorgaben.“ Es halte sich seit Jahren sehr diszipliniert daran. Neundorff von Enzberg allerdings hätte gern noch mehr Geld von der Stadt. „Ich bin wirklich sehr glücklich, vor allem, dass die Finanzierung über die nächsten fünf Jahre gesichert ist. Aber natürlich freut sich jeder Arbeitgeber über mehr Unterstützung.“

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