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Justiz

20 Kilo Marihuana im Kofferraum

Ein 18-jähriger Regensburger chauffierte Stoff für Dealer. Der Job endete nach einer Verfolgungsjagd mit der Polizei.
Von Marion von Boeselager

Der Angeklagte (rechts) mit seinem Verteidiger Helmut Mörtl. Foto: Boeselager
Der Angeklagte (rechts) mit seinem Verteidiger Helmut Mörtl. Foto: Boeselager

Regensburg.Mehr als 35 Kilo Marihuana und hunderte Ecstasy-Tabletten transportierte ein 18-jähriger Azubi im Auftrag von Dealern in seinem VW zwischen Regensburg und anderen Städten im Bundesgebiet hin und her. Nach einer Verfolgungsjagd mit der Polizei durch den Stadtsüden gab er auf. Der junge Mann aus dem Landkreis Traunstein machte reinen Tisch und sorgte für die Ergreifung seiner Auftraggeber. Jetzt stand er in Regensburg vor dem Jugendschöffengericht.

Drogendepot in Flüchtlingsheim

Drei Mal soll der Angeklagte Drogendealern als Fahrer geholfen haben. Laut Anklage chauffierte der 18-Jährige erstmals im Juli vergangenen Jahres einen der beiden aus Syrien stammenden Rauschgifthändler mit 500 Gramm Marihuana von Reinhausen nach Traunreut. Den Stoff vergrub der Angeklagte, damals Auszubildender zum Kfz-Mechatroniker, auf Anweisung des Dealers am Zielort in einem Waldstück, lieferte dann den Stoff nach Anweisung portionsweise an die Abnehmer aus und kassierte das Geld dafür. Dafür soll er Drogen und Geld als Lohn erhalten haben.

Mitte Oktober sahen die Mengen schon anders aus: Die beiden Männer fuhren von Regensburg nach Berlin Moabit. Dort nahm der Azubi in einer Flüchtlingsunterkunft zehn Kilo Haschisch und 200 Ecstasy-Tabletten entgegen. Wieder ging es nach Traunreut, wo nach bewährtem Muster verfahren wurde.

Am 22. Oktober übernahmen der Azubi und seine beiden Auftraggeber in Ludwigsburg 20 Kilo Marihuana. Die gesamte Ware wurde vom Angeklagten weisungsgemäß in der Flüchtlingsunterkunft in Hainsacker, Lappersdorf, abgeliefert.

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Nachts lud der Dealer vier Kilo davon seinem Helfer erneut in den Kofferraum, ein weiteres Kilo in den Fahrerraum. Der unter Drogen und Alkohol stehende Angeklagte und seine beiden Auftraggeber waren gegen 3 Uhr früh gerade in der Augsburger Straße stadtauswärts unterwegs, als sie einer Polizeistreife auffielen. Die Beamten entschlossen sich zur Kontrolle. Als die Dealer die Streife bemerkten, drängten sie ihren Fahrer, Gas zu geben. Die Polizei nahm die Verfolgung auf. Mit erhöhtem Tempo ging die Jagd kreuz und quer durch das Wohngebiet. Bei einem kurzen Stopp in Pentling suchten die Dealer das Weite.

Drohungen gegen Familie

Ihr Fahrer blieb einen Kilometer weiter stehen. Er stieg aus und ging mit erhobenen Händen der Polizei entgegen. „Ich sah keinen Sinn mehr drin, weiter zu fahren“, sagte er bei seinem Geständnis vor Gericht. Bereits mit 14 Jahren hatte der Azubi wegen schwieriger familiärer Verhältnisse und psychischer Probleme begonnen, Drogen zu nehmen, „damit ich auch mal lachen konnte.“ Auch bei seinem späteren Auftraggeber habe er eingekauft. Dieser habe ihn dann als Fahrer eingesetzt, ihn aber für Zahlungsausfälle der Abnehmer verantwortlich gemacht: Er habe die Schulden durch weitere Fahrten abarbeiten müssen. „Sie haben auch gedroht, meiner Familie und meiner Freundin könnte etwas zustoßen.“

„Sie haben auch gedroht, meiner Familie und meiner Freundin könnte etwas zustoßen.“

Der Angeklagte

Ein Zeuge der Kripo Regensburg hob die Kooperation und Aufklärungshilfe des heute 19-jährigen Angeklagten hervor. Dieser habe weit mehr zugegeben, als ihm nachgewiesen werden konnte. Er nannte die Namen seiner Auftraggeber und identifizierte sie bei der Wahllichtbildvorlage. „Gegen sie wurden die Haftbefehle bereits vollzogen“, sagte der Zeuge. „Die Ermittlungen gegen weitere Mittäter laufen noch.“ Deshalb kam der Angeklagte vor Gericht glimpflich davon: Zwei Jahre und sieben Monate Jugendstrafe lautete das Urteil. Nach acht Monaten in U-Haft wurde der Haftbefehl außer Vollzug gesetzt. Der Angeklagte hat nun die Möglichkeit, eine freiwillige Therapie gegen seine Drogensucht und psychische Erkrankung anzutreten.

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