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Soziales

60 Jahre Hilfe für Kinder

Unicef-Gruppe sieht Not auch in reichen Familien. Heuer wird der Regensburger Standort mit Arbeitsgruppe 60 Jahre alt.
Von Laura Lindner

  • Die Regensburger Arbeitsgruppenleiterin Alexandra Meindl-Müller Foto: Laura Lindner
  • Die Unicef-Arbeitsgruppe Regensburg bei ihrem Danketreffen zu ihrem 60. Bestehen. Foto: Laura Lindner

Regensburg.Seit 1946 gibt es Unicef, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, das sich für die Rechte von Kindern einsetzt. In diesem Jahr wird der Regensburger Standort mit seiner Arbeitsgruppe 60 Jahre alt. Dieses Jubiläum feierten die Mitglieder der AG gemeinsam mit ihrer Gruppenleiterin Alexandra Meindl-Müller am gestrigen Donnerstag im Rahmen eines Danketreffens im Gemeindezentrum Sallern.

Die Arbeitsgruppe ist damit die älteste ihrer Art in ganz Bayern und eine der ältesten in Deutschland, erklärte Meindl-Müller den Gästen. „In der Zeit nach ihrer Gründung im Jahr 1958 entstanden aus der Regensburger Arbeitsgruppe außerdem drei Töchter in Passau, Landshut und Ingolstadt“, ergänzte Birgit Knorr.

Erfolgreiche Arbeit von Unicef

Die Gründerin Irene Karlbauer stand 17 Jahre an der Spitze der Arbeitsgruppe. Und auch ihre Nachfolgerinnen wie zum Beispiel Elfi Esser oder Brigitte Wilhelm haben sich dafür eingesetzt, dass die Regensburger Unicef-Arbeitsgruppe über Bayern hinaus bekannt wird. Bei der Jubiläumsfeier nahmen sich Meindl-Müller und Knorr die Zeit, ihren Mitgliedern einen Rückblick auf die letzten 15 Jahre der Arbeit ihrer AG zu geben. „Bei Unicef braucht man einen langen Atem“, sagte die Leiterin. Man sei stets bemüht, alle Vorgänge transparent zu halten. Schnelle und kostenintensive Lösungen seien nicht immer die besten, so Meindl-Müller, die darüber hinaus Komitee-Mitglied bei Unicef Deutschland ist.

„Die Themen haben sich stark verändert – die Not der Kinder jedoch ist gleich groß geblieben.“

Alexandra Meindl-Müller

Aufgrund der Erfolge von Unicef bei der Arbeit in Flüchtlingsunterkünften wurde die Organisation während der Flüchtlingskrise von der Bundesregierung konsultiert, um dieser Arbeitswege im Umgang mit den Flüchtlingskindern aufzuzeigen. Meindl-Müller erklärte in diesem Zusammenhang die Bedeutung einer frühen Förderung: „Die Sprache ist für diese Kinder enorm wichtig.“ Dadurch könnten die Kleinen einen anderen Stellenwert in ihrer eigenen Familie erreichen, da diese häufig auf die Übersetzungsarbeit ihrer Kinder angewiesen sind.

Außerdem könne man Kinder bei der Integrationsarbeit eher erreichen als Erwachsene. „Sie denken noch nicht in Schubladen und sind aufgeschlossen“, sagte Meindl-Müller. Auch die Aktion „Kinder sind unverkäuflich“ wurde von der Leiterin bei dem Danketreffen noch mal aufgegriffen: „Mit der Grenzöffnung zur Tschechischen Republik im Jahr 2007 wurde uns der Kinderhandel direkt vor die Haustüre gesetzt“, so Meindl-Müller. Das Kinderhilfswerk forderte im Rahmen dieser Kampagne mehr Schutz für die Opfer von Menschenhandel. Hauptsächlich Mädchen und Frauen würden immer noch als Prostituierte verkauft, Kinder zum Betteln oder zur Arbeit gezwungen.

Verwahrlosung durch Wohlstand

Um auch weiterhin den Einsatz für Kinderrechte gewährleisten zu können, ist es für Unicef besonders wichtig, Nachwuchs zu gewinnen. „Dafür gibt es in Regensburg eine eigene Hochschulgruppe“, erklärte Meindl-Müller. Denn an neuen Aufgaben mangele es Unicef zu keiner Zeit. „Die Themen unserer Arbeit haben sich zwar stark geändert, aber die Not der Kinder ist weltweit noch genauso groß“, so die Arbeitsgruppenleiterin. Dabei dürfe man auch die deutschen Kinder nicht vergessen: „Wir sprechen mittlerweile von einer sogenannten Wohlstandsverwahrlosung.“ Damit ist eine soziale Art der Verwahrlosung gemeint. Es geht um Kinder, die materiell gut versorgt sind, denen es jedoch zu Hause an emotionaler Zuwendung fehlt. Eine mögliche Folge ist, dass sich die Persönlichkeitsentwicklung der Betroffenen verzögert. Dies zeigt sich in erhöhter Aggressivität, vermindertem Mitgefühl und Bindungsunfähigkeit.

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