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Autobahn

A3-Ausbau: Die Suche nach Bomben beginnt

Vor der Verbreiterung wird der Boden zwischen Regensburg-Ost und Rosenhof sondiert. Es kann zu Verkehrsbehinderungen kommen.
von Wolfgang Ziegler

•Kampfmittelräumer im Einsatz: Am Damm und an den Rändern der Autobahn A3 sondieren sie derzeit zwischen den Anschlussstellen Regensburg-Ost und Rosenhof sogenannte Kampfmittelverdachtsflächen. Fotos: Ziegler/NARA - National Archives, Washington D.C./Schollenberger
•Kampfmittelräumer im Einsatz: Am Damm und an den Rändern der Autobahn A3 sondieren sie derzeit zwischen den Anschlussstellen Regensburg-Ost und Rosenhof sogenannte Kampfmittelverdachtsflächen. Fotos: Ziegler/NARA - National Archives, Washington D.C./Schollenberger

Regensburg.Erste Behinderungen, erste Staugefahren – die Verbreiterung der Autobahn A3 hat am Dienstag, 13. Februar, zwischen den Anschlussstellen Regensburg-Ost und Rosenhof mit einer Untersuchung der Seitenstreifen auf Fliegerbomben und Kriegsmunition begonnen. In diesem Bereich wurden nach Auskunft der Autobahndirektion Südbayern anhand alten Kartenmaterials und Luftbildern mehrere kleine Felder markiert auf denen nach den gefährlichen Materialien gesucht werden soll. Bei der Inspektion werden spezielle Geräte eingesetzt, die Störungen im natürlichen elektromagnetischen Feld der Erde messen, die durch metallische Körper im Erdreich verursacht werden. Die präventiven Sondierungen begannen bei Neutraubling und werden in Richtung Rosenhof vorangetrieben.

Wichtige Antworten zum Megaprojekt A3 finden Sie hier!

Für die Arbeiten, die in beiden Fahrtrichtungen durchgeführt werden, rechnet die Autobahndirektion Südbayern mit einer Dauer von drei Tagen. In diesem Zeitraum wird es auch zu Verkehrsbeeinträchtigungen kommen, da die Fahrbahnen bei Bedarf jeweils zwischen 10 und 14 Uhr auf eine Spur je Richtungsfahrbahn verengt werden.

Mit Messgeräten wie dem „Array“, das mit mehreren Sonden versehen ist, spüren Kampfmittelexperten Fliegerbomben und Kriegsmunition im Erdreich auf.
Mit Messgeräten wie dem „Array“, das mit mehreren Sonden versehen ist, spüren Kampfmittelexperten Fliegerbomben und Kriegsmunition im Erdreich auf.

Obwohl innerhalb dieses Zeitkorridors normalerweise das Verkehrsaufkommen tagsüber am geringsten sei, habe man die Autobahnmeisterei angehalten, die Verkehrslage genau zu beobachten und die Baustelle im Fall einer Staubildung sofort aufzuheben, hieß es.

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Für die Untersuchungen gibt es keinen konkreten Anlass, sie finden vielmehr als präventive Maßnahme statt, bei der etwaige Kampfmittel nicht geräumt und auch nicht in die Erde eingedrungen wird. Die Arbeiten, die im Projektverlauf an anderen Stellen wiederholt werden, dienen eher der Sicherheit und einem reibungslosen Ablauf der späteren Bauarbeiten.

Alte Luftbilder ausgewertet

Der Bomb Plot vom 16. Februar 1945 auf dem historischen Luftbild entstammt amerikanischen Quellen. Darauf wurden die Treffergebiete der Bomberstreitkräfte dargestellt.
Der Bomb Plot vom 16. Februar 1945 auf dem historischen Luftbild entstammt amerikanischen Quellen. Darauf wurden die Treffergebiete der Bomberstreitkräfte dargestellt.

Schließlich wird in und um Regensburg bei Tiefbauarbeiten fast immer etwas gefunden – seien es Hinterlassenschaften der Römer oder der Alliierten. Bei den aktuellen Sondierungen sucht man eher nach Letzterem, da während des Zweiten Weltkriegs gerade die umliegenden Kommunen wie Neutraubling und die Bahnlinie in Richtung Passau Ziele mehrerer großflächiger Luftangriffe waren. Deshalb gelten diese Gebiete als sogenannte Kampfmittelverdachtsflächen und müssen vor dem Beginn von Tiefbauarbeiten sorgfältig auf nicht detonierte Fliegermunition hin untersucht werden.

Solche 20-Pfund-Splitterbomben wurden von den US-Bombern bei den Luftangriffen auf Regensburg und die nähere Umgebung in großem Umfang verwendet.
Solche 20-Pfund-Splitterbomben wurden von den US-Bombern bei den Luftangriffen auf Regensburg und die nähere Umgebung in großem Umfang verwendet.

Ausgewählt wurden die Sondierungsbereiche von Kampfmittelexperten anhand von Luftbildern und Protokollen des Kriegsgeschehens. Auf dieser Grundlage schätzt man die Wahrscheinlichkeit von Funden am Autobahndamm und den Autobahnrändern zwischen den Anschlussstellen Regensburg-Ost und Rosenhof als besonders hoch ein. Dort setzt man nun ein sogenanntes geomagnetisches Verfahren ein, um Fliegerbomben aufzuspüren. Wie Peter Waffler, Leitender Feuerwerker der EMC Kampfmittelbeseitigungs GmbH im oberbayerischen Langenpreising, gegenüber unserem Medienhaus erklärte, werde bei einer solchen Untersuchung nach Störungen im Erdmagnetismus gesucht, die durch Eisenteile im Boden hervorgerufen würden.

Autos beeinflussen Messungen

Ohne Zünder, Heckleitwerk und Sprengstoffkern ist diese von den US-Streitkräften eingesetzte Splitterbombe auf den ersten Blick nicht als solche zu erkennen.
Ohne Zünder, Heckleitwerk und Sprengstoffkern ist diese von den US-Streitkräften eingesetzte Splitterbombe auf den ersten Blick nicht als solche zu erkennen.

Das geschehe dadurch, dass sich ein Techniker mit einem Messgerät über eine definierte Sondierungsfläche bewege und dabei Geodaten sowie Normabweichungen aufzeichne. Später werde bei einer Computerauswertung eine Art Karte mit Verdachtspunkten erstellt und das Volumen möglicher metallischer Körper im Erdreich ermittelt. Bei ihnen müsse es sich nach Wafflers Worten aber nicht zwangsläufig um Fliegerbomben handeln. Immer wieder würden auch harmlose Metallteile gefunden.

Obwohl während der dreitägigen Vermessungen weder für die Messingenieure noch für die Verkehrsteilnehmer irgendwelche Gefahren bestehen, müssen die äußeren Fahrbahnen in jede Richtung dennoch zeitweise gesperrt werden. Die Autobahndirektion Südbayern erklärt dies damit, dass die metallischen Karosserien der vorbeifahrenden Lkw und Pkw die Messgeräte beeinflussen und zu ungenauen Ergebnissen führen könnten. Dennoch sei man bemüht, die Einschränkungen so gering wie möglich zu halten.

Fragen und Antworten

  • Warum finden Kampfmitteluntersuchungen statt?

    Regensburg und die umliegenden Gemeinden waren im 2. Weltkrieg Ziel mehrerer großflächiger Luftangriffe. Entlang der Ausbaustrecke der A 3 wurden insbesondere Neutraubling sowie die Bahnunterführung Burgweinting getroffen. Die fraglichen Gebiete gelten als so genannte Kampfmittelverdachtsflächen und müssen vor dem Beginn der Tiefbauarbeiten von Experten sorgfältig auf nicht detonierte Fliegermunition hin untersucht werden.

  • Was genau wird untersucht?

    Einige Bereiche wurden von Kampfmittelexperten anhand von Luftbildern und Protokollen des Kriegsgeschehens wegen einer besonders hohen Wahrscheinlichkeit von Funden ausgewählt. Untersucht werden Bereiche des Autobahndamms und der Straßenränder zwischen der AS Regensburg-Ost und der AS Rosenhof in beiden Fahrtrichtungen. Mit der Untersuchung werden die vorhandenen Daten verfeinert. Sie dient der Vorsorge: Je genauer die Daten sind, desto schneller und sicherer ist später die Detailerkundung und gegebenenfalls eine Räumung möglich.

  • Wie wird untersucht?

    Es kommt ein sogenanntes geomagnetisches Verfahren zur Anwendung. Mit speziellen Sonden lassen sich Störungen im natürlichen elektromagnetischen Feld der Erde messen, die durch metallische Körper im Erdreich verursacht werden. Dabei muss es sich nicht unbedingt um Fliegermunition handeln, jeder Metallkörper im Boden erzeugt eine Störung. Aus den Aufzeichnungen der Messungen entsteht eine Art Karte, anhand derer später gezielt sondiert werden kann. Das Messgerät ist relativ kompakt und kann von einem Messingenieur getragen und gleichzeitig bedient werden. Der Ingenieur läuft zu Fuß den Messbereich ab.

  • Wie sicher ist die Untersuchung?

    Während der Untersuchung findet kein Eingriff in den Boden statt. Es besteht keine Gefahr für die Messingenieure oder die Umgebung. Für alle Verkehrsteilnehmer gilt der allgemeine Hinweis: Bitte fahren Sie in Baustellen besonders aufmerksam und vorsichtig und beachten Sie die Geschwindigkeitsbeschränkung.

  • Warum muss die Fahrbahn für die Untersuchung verengt werden?

    Die metallischen Karosserien von vorbeifahrenden LKW und PKW können die Messungen beeinflussen. Um einen möglichst großen Abstand einzuhalten, wird der Verkehr im Bereich der Messungen einspurig auf der Innenfahrbahn geführt.

  • Wie lange wird untersucht?

    Die Arbeiten dauern voraussichtlich drei Tage. Die Dauer ist jedoch witterungsabhängig. Mit Rücksicht auf den Berufsverkehr wird entlang der A 3 ausschließlich zwischen 10 Uhr und 14 Uhr untersucht. Nach Erfahrung der Autobahnmeisterei ist das Verkehrsaufkommen zu dieser Zeit auf der A 3 am niedrigsten. Die Autobahnmeisterei beobachtet die Verkehrslage genau und wird die Baustelle bei Bedarf auflösen.

Mehr Informationen zum A3-Ausbau finden Sie in unserem MZ-Spezial!

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