mz_logo

Regensburg
Freitag, 20. April 2018 26° 1

Autobahn

A3 wird auf explosives Erbe untersucht

Zwischen Regensburg Ost und Burgweinting wird in die Tiefe gebohrt. So sollen vor dem Ausbau Blindgänger gefunden werden.
Von Kathrin Robinson

Wie hier auf der A3 bei Oberhausen wird nun auch bei Regensburg nach gefährlichen Hinterlassenschaften aus dem Zweiten Weltkrieg gesucht. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Regensburg.Wer heute auf der A3 zwischen Regensburg und Rosenhof unterwegs ist, der macht sich kaum Gedanken darüber, dass unter der Autobahn – tief im Erdreich – an manchen Stellen ein explosives Erbe schlummern könnte. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bereich intensiv bombardiert. Experten vermuten daher Blindgänger und Munitionsreste unter der Autobahn. Das Risiko, beim anstehenden Ausbau der A3 im kommenden Jahr auf gefährliche Hinterlassenschaften alliierter Bomber zu treffen, ist also hoch. Um die Sicherheit der Bauarbeiten zu gewährleisten, wird deshalb schon jetzt nach liegengebliebenen Weltkriegsbomben gesucht.

Aktuell laufen Erkundungsbohrungen zur Kampfmittelsondierung zwischen den Anschlussstellen Regensburg Ost und Burgweinting, denn die Bahnbrücke Burgweinting soll als erste von insgesamt 16 Brücken abgerissen und neu errichtet werden. Für den Neubau sind in den Bereichen vor und nach der Bahnbrücke Spundwände nötig, die bis zu 18 Meter in die Tiefe gerammt werden. Was sich dort im Untergrund befindet, wird nun vorab von einer Spezialfirma untersucht.

Sonden, die in die Tiefe gelassen werden, liefern Aufschluss über metallische Gegenstände im Erdreich. Foto: Schollenberger Kampfmittelbergung

Wie das funktioniert, erklärt Katharina Häusler, Bauoberrätin und Projektverantwortliche bei der Autobahndirektion Südbayern in Regensburg: „Ein Bagger mit Bohrschnecke bohrt im Mittelstreifen der Autobahn in das Erdreich. Dann wird eine Sondage-Sonde nach unten gelassen, die Metall erkennen kann.“ Die Sonde liefert Aufzeichnungen – vergleichbar mit Röntgenbildern in der Medizin. Kampfmittelexperten werten diese aus, unter anderem indem sie unter Bezugnahme auf Überlieferungen über Bombenabwürfe aus der Historie die Größe und Beschaffenheit erfasster Gegenstände beurteilen.

Arbeiten dauern bis Freitag

Bis einschließlich Freitag dauert die Kampfmittelsondierung in dem Autobahnabschnitt. Während der Arbeiten ist in jeder Fahrtrichtung ein Fahrstreifen nicht befahrbar. Zudem ist die Geschwindigkeit auf 60 Stundenkilometer begrenzt. Autofahrer müssen aber – zumindest jetzt noch – keine größeren Behinderungen fürchten. „Um den Berufs- und Feiertagsverkehr nicht zu behindern, werden die Arbeiten zur technischen Erkundung des Erdreichs in den Nachtstunden, jeweils zwischen 20 und 6 Uhr, durchgeführt“, sagt Häusler. Wird bei den Erkundungen etwas gefunden, das auf ein Kampfmittel hindeutet, müssen Autofahrer mit größeren Behinderungen rechnen. „Dann folgt der nächste Schritt, die Räumung“, sagt Häusler.

Nicht der ganze circa 16 Kilometer lange Streckenabschnitt der A3, der sechsspurig ausgebaut wird, wird vorab auf möglicherweise vorhandene Bomben überprüft. „Nur die Abschnitte werden erkundet, bei denen es für die Bauarbeiten nötig ist“, erklärt Häusler. Unter anderem hängt dies davon ab, ob man für die Arbeiten weit in die Tiefe gehen muss – wie etwa für den Bau von Brücken – oder von den Gerätschaften, die für die Bauarbeiten erforderlich sind. „Es wird individuell entschieden, ob man vorab Erkundungen braucht, und dann wird der Umfang festgelegt.“

Die Erkundung

  • Bohrungen:

    Mit einem Bagger werden Löcher in das Erdreich des Mittelstreifens der A3 in den Bereichen vor und nach der Bahnbrücke Burgweinting gebohrt. Die Bohrungen dringen in dieselbe Tiefe vor, die auch später bei den Bauarbeiten erreicht werden wird.

  • Sonden:

    Anschließend wird eine Sondagesonde (Foto: Schollenberger Kampfmittelbergung) durch die Löcher im Boden in die Tiefe gelassen. Sie liefert Aufzeichnungen über die Bodenbeschaffenheit und mögliche metallische Gegenstände im Boden.

  • Auswertung:

    Kampfmittelexperten werten die Daten, die die Sonde liefert, aus. Bei Verdacht auf einen Blindgänger oder Munition im Untergrund erfolgt die Räumung.

Sicherheit steht im Vordergrund

Im Vordergrund steht jedoch die Sicherheit der Bauarbeiter. Schon einmal geschah ein Unglück bei Arbeiten auf der A3 mit einem Blindgänger, 2006 in der Nähe von Aschaffenburg. Damals starb ein Arbeiter, der mit einer Fräsmaschine über eine Bombe im Untergrund fuhr. Die Kampfmittelsondierung soll das Risiko solcher Unglücksfälle minimieren. Autofahrer aus Regensburg und dem Umland können sich deshalb darauf einstellen, dass es auch zu späteren Zeitpunkten des A3-Ausbaus begleitende Kampfmittelsondierungen geben wird.

Das Gelände an der Ausfahrt Regensburg Ost an der A3 hatten Kampfmittelexperten bereits im September unter die Lupe genommen. Dabei war es ebenfalls zu einem tragischen Unfall gekommen, für den allerdings keine Munition aus dem Zweiten Weltkrieg ursächlich war. Ein 46-Jähriger wollte zusammen mit seinen Kollegen für eine Spezialfirma eine 15 Meter tiefe Erkundungsbohrung durchführen. Dabei lösten sich Teile des Bohrgestänges, die den 46-Jährigen am Kopf trafen. Er erlitt dabei tödliche Kopfverletzungen.

Weitere Nachrichten und Berichte aus Regensburg lesen Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht