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Demonstration

AfD: Polizei rüstet sich für Protest

Björn Höcke wird heute nicht nur auf Gleichgesinnte treffen. Die Polizei rechnet mit mehreren hundert Gegendemonstranten.
Von Heike Haala und Curd Wunderlich

Das Aurelium ist am Samstag nicht nur Schauplatz einer AfD-Veranstaltung. Es wird auch mehrerer Protestaktionen geben. Foto: Kreissl
Das Aurelium ist am Samstag nicht nur Schauplatz einer AfD-Veranstaltung. Es wird auch mehrerer Protestaktionen geben. Foto: Kreissl

Regensburg.Die AfD-Veranstaltung am heutigen Samstag im Lappersdorfer Aurelium wirft immer größere Schatten voraus. Unter anderem soll dort Björn Höcke sprechen, der umstrittene Frontmann des stramm rechts ausgerichteten „Flügels“ der Partei. Dieser „Flügel“ will im Aurelium seine Kandidaten für die Landtagswahl vorstellen. Zum Protest dagegen rief unter anderem der Lappersdorfer Pfarrer Alexander Huber auf. Die Antwort folgte auf dem Fuß. In seinem Mail-Postfach gingen mehrere Hassmails ein.

Der Lappersdorfer Pfarrer hatte am Dienstag auf Facebook zu einem Gebet „für eine friedliche und solidarische Gesellschaft ohne Ausgrenzung“ aufgerufen. Der dazu um 18 Uhr in der Pfarrkirche angesetzte Gottesdienst wird nun ein ökumenischer: Der evangelische Pfarrer Stefan Drechsler meldete sich kurzfristig bei Huber nach dessen Facebook-Post und man einigte sich schnell auf das gemeinsame Gebet. Das berichtet Huber im Gespräch mit der Mittelbayerischen.

Pfarrer argumentiert mit

Er ist der Überzeugung, der Kirche und ihren Vertretern müssten auch politische Äußerungen erlaubt sein. „Wenn es darum geht, einen positiven Beitrag dafür zu leisten, dass unsere solidarische Gesellschaft auch freundlich gegenüber Ausländern bleibt, muss die Kirche das machen.“ Das sei eine direkte Folgerung des Evangeliums, schließlich gelte: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“

„Höcke ist die Schande für uns; für den muss man sich im Ausland schämen.“

Pfarrer Alexander Huber

Dennoch betont Huber, dass sich weder sein Facebook-Post noch das geplante Gebet gegen die AfD generell richten sollen: „Das steht mir gar nicht zu und ist auch nicht meine Absicht.“ Ihm sei bewusst, dass sich „auch Christen im gemäßigten Flügel der AfD engagieren“, und: „Die Partei hat auch christliche Positionen, wie den Lebensschutz.“ Deswegen sei sein Facebook-Beitrag „vielleicht missverständlich“ gewesen, rudert er ein stückweit zurück: Nicht die Partei sei „die eigentliche Schande für Deutschland“, wie er zunächst geschrieben hatte, sondern: „Höcke ist die Schande für uns; für den muss man sich im Ausland schämen.“

Björn Höcke ist als Redner bei der Veranstaltung angekündigt. Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Björn Höcke ist als Redner bei der Veranstaltung angekündigt. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Insgesamt seien die Reaktionen auf seinen Vorstoß sehr positiv gewesen, sagt Huber. Doch in drei Mails habe er starke Gegenrede erhalten. „Die sind nicht direkt bedrohlich, Angst habe ich keine“, so der Pfarrer. Ihm werde darin vorgeworfen, intolerant gegenüber politisch Andersdenkenden zu sein. Diese Reaktionen müsse er aushalten, wenn er sich als Pfarrer politisch äußere.

Er ist nicht der einzige, der sich heute zu einer kritischen Aktion im Zusammenhang mit der AFD-Veranstaltung veranlasst sieht: Die Lappersdorfer SPD hat eine Protestkundgebung organisiert: Am Parkplatz vor dem Südeingang des Aureliums ist von 18 bis 21 Uhr ein buntes Programm geplant.

Mehrere Gegenaktionen geplant

Andere Protestaktionen aber beginnen schon viel früher. Ab 16 Uhr hat der Verein „Keine Bedienung für Nazis“ zu einer Demonstration vom Hauptbahnhof bis nach Stadtamhof aufgerufen. Der Marsch bewegt sich über die Maximilianstraße, die Drei-Kronen-Gasse, den Dachauplatz, die Adolph-Kolping-Straße, den St.-Georgen-Platz, die Eiserne Brücke, die Proskestraße, den Grieser Steg und die Andreasstraße nach Stadtamhof zur Straße Am Protzenweiher. Dort vereinigt sich dieser Protestmarsch mit einem weiteren Demonstrationszug, den der Stadtverband von Bündnis 90/Die Grünen angemeldet hat. Der Protest steht unter dem Motto „Keine Auftrittsmöglichkeit für die AfD“.

Bürgermeister Hauner unter Druck

Am Freitag erinnerten die Gürnen noch einmal an die Aktion. „Regensburg hat in der Vergangenheit öfter gezeigt, dass solche menschenfeindlichen Einstellungen hier nicht willkommen sind“, sagt Vorsitzende Maria Simon. Weiter geht der Protestzug um 17 Uhr und führt über die Gräßlstraße, die Protzenweiherbrücke, die Drehergasse, die Schwandorfer Straße, die Lappersdorfer Straße und die Regensburger Straße zur Straße Am Anger in Lappersdorf. Der Zug endet voraussichtlich gegen 18.30 Uhr am Aurelium. In Lappersdorf stoßen die Teilnehmer zu der Lappersdorfer SPD.

Auch die Polizei hat die Veranstaltungen seit Tagen auf dem Schirm, wie Albert Brück, Pressesprecher am Polizeipräsidium Oberpfalz, im Gespräch mit der Mittelbayerischen sagte. Die Einsatzkräfte werden dabei von der Bereitschaftspolizei unterstützt. Sie haben mehrere Aufgaben: So sollen sie die Verkehrsbehinderungen während der Demonstrationen so gering wie möglich halten. Demonstrationen wie die am Samstag kämen immer wieder vor, sagt Brück. Allerdings sei der Weg, der diesmal zurückgelegt werden soll, ein besonders langer. Weiterhin müssen die Einsatzkräfte der Polizei dafür sorgen, dass die Veranstaltungen stattfinden können. Deswegen gehe es in Lappersdorf dann auch darum, Straftaten zu verhindern – etwa, weil rivalisierende Gruppen aufeinandertreffen.

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Die Protestaktionen

  • Keine Bedienung für Nazis:

    Um 16 Uhr beginnt eine Demonstration. Sie geht vom Hauptbahnhof bis nach Stadtamhof.

  • Stadtverband der Grünen:

    Unter dem Motto „Keine Auftrittsmöglichkeit für die AfD“ hat der Stadtverband zum Protest aufgerufen. Diese Demonstration vereinigt sich mit der vom Hauptbahnhof kommenden. Um 17 Uhr geht es nach Lappersdorf.

  • Kirche:

    Um 18 Uhr lädt Alexander Huber (Foto: Dummer) zu einem ökumenischen Gottesdienst in die Pfarrkirche Lappersdorf.

  • SPD Lappersdorf:

    Von 18 bis 21 Uhr gibt es auf dem Parkplatz vor dem Aurelium Programm.

Eindrücke von Gegendemo und AfD-Veranstaltung

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