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Hype

Als es auf dem Mars noch „Leben“ gab

Der Astronom Schiaparelli entdeckte einst auf dem Planeten gerade Kanäle. Experten glaubten: Das haben Marsianer gemacht.

Die Oberfläche des Mars gab im 19. Jahrhundert immer wieder Anlass zu Spekulationen über außerirdisches Leben auf unserem Nachbarplaneten.Foto: NASA
Die Oberfläche des Mars gab im 19. Jahrhundert immer wieder Anlass zu Spekulationen über außerirdisches Leben auf unserem Nachbarplaneten.Foto: NASA

Regensburg.Ungefähr alle zwei Jahre kommen sich die Erde und ihr äußerer Nachbarplanet, der Mars, sehr nahe. Während dieser sogenannten Opposition ist die Beobachtung des Mars besonders günstig. Mit einem guten Amateurteleskop kann man auch von Regensburg aus bei bereits 200-facher Vergrößerung Strukturen auf der Planetenoberfläche erkennen, wie beispielsweise die Polkappen. Diese erscheinen im Teleskop als weiße Flecken.

Der italienische Astronom Giovanni Schiaparelli (1835-1910) hatte wohl außergewöhnlich scharfe Augen, denn er entdeckte mit seinem Fernrohr in den 1870er Jahren besonders viele Details der Marslandschaft. Schiaparelli war einer der führenden Astronomen seiner Zeit. Daher löste seine berühmteste Entdeckung einen wahren Mars-Hype aus: die Marskanäle.

Heftige Kontroverse

Schiaparelli sah nicht nur feine Verbindungen, die man als Flüsse oder natürliche Kanäle zwischen Wassermassen deuten könnte. Er erkannte sogar, dass diese Verbindungen schnurgerade waren, wie mit dem Lineal gezogen. Und wenn man nur lange genug hinsah, dann erkannte man auch, dass die Gebilde zum größten Teil aus zwei völlig parallelen Kanälen bestanden. Der größte Teil des Mars war offenbar mit einem komplexen Kanalsystem überzogen, das unmöglich durch natürliche Prozesse entstanden sein konnte.

Torsten Bendl von der Sternwarte Regensburg erklärt im Video die Herkunft der Sternbilder:

Torsten Bendl von der Sternwarte Regensburg

Während nicht alle Astronomen Schiaparellis Beobachtung nachvollziehen konnten, bestätigten andere die epochale Entdeckung euphorisch. Als der wohlhabende Amerikaner Percival Lowell (1855-1916) davon erfuhr, beschloss er kurzerhand eine Sternwarte zu gründen und die vermeintlich kolossalen Bauwerke der marsianischen Hochkultur zu erforschen. Das Lowell-Observatorium in Arizona existiert noch heute und hat einen festen Platz in der Wissenschaftsgeschichte. Dort wurde beispielsweise im Jahr 1930 der Zwergplanet Pluto entdeckt. Lowell kartierte noch fleißig die Marskanäle (am Ende hatte er über 400 gefunden), als die Mehrheit der Astronomen sie als optische Täuschung entlarvt hatten. Die menschliche Wahrnehmung verbindet gerne lose Punkte zu Linien, vor allem dann, wenn sich die Objekte im Grenzbereich des Wahrnehmbaren befinden. Die bittere Lehre, die die praktischen Astronomen aus dieser peinlichen Episode ziehen mussten, war, dass das Auge offenbar kein sehr zuverlässiges Instrument für die Wissenschaft ist.

Der rote Planet

  • Mars:

    Er ist der Planet im Sonnensystem, der uns nach der Venus am nächsten ist. Er ist außerdem der am besten erforschte Planet, da er bereits von über 25 Raumsonden besucht wurde, von denen etliche auch auf der Oberfläche des Mars landen konnten. Daher wissen wir auch, dass es zwar heute kein flüssiges Wasser mehr gibt, der Mars aber kurz nach seiner Entstehung von Ozeanen überzogen war.

  • In Opposition stehend:

    So wird ein Planet genannt, wenn er von der Erde aus gesehen genau gegenüber zur Sonne steht, also in der Reihenfolge Planet – Erde – Sonne. Zu diesem Zeitpunkt ist der Planet besonders deutlich von der Erde aus sichtbar und erscheint heller als sonst am Nachthimmel.

  • Außerirdisches Leben:

    So werden Lebensformen genannt, die auf anderen Himmelskörpern als der Erde entstanden sind. Während man bis heute kein solches Leben entdecken konnte, gibt es diverse Konzepte, wie Außerirdische aussehen könnten. Der Großteil der Forschung an Exoplaneten ist darauf ausgelegt, Planeten zu finden, die der Erde ähneln.

  • Science-Fiction:

    Sie ist ein im 19. Jahrhundert entstandenes Genre der Popkultur, das die Zukunft behandelt. Häufig werden Themen behandelt, die im Weltall spielen oder sich mit dem möglichen technologischen Fortschritt der Menschheit beschäftigen. Ein besonderer Schwerpunkt auf Science-Fiction, Horror und Thriller wird in Regensburg im jährlich stattfindenden Hard-Line-Festival gelegt.

Ende des 19. Jahrhundert ersetzte die Fotografie die Beobachtung mit dem bloßen Auge in der astronomischen Forschung. Auch die mögliche Existenz von Marsbewohnern war kein Thema mehr. Dafür ging der Hype in die Populärkultur über. Die Jahrhundertwende markiert den Anfang der modernen Science-Fiction-Literatur.

Gefühllose Monster

Insbesondere waren es zwei Schriftsteller, die das Mars-Genre begründeten: Kurd Laßwitz mit „Auf zwei Planeten“ (1897) und H. G. Wells mit „Krieg der Welten“ (1898). Der Physiklehrer Laßwitz dachte sich die Marsianer als feinfühlige und intellektuelle Vertreter einer Kulturnation, die aus reiner Not gezwungen sind, Kontakt mit der Erde aufzunehmen. Der anschließende Konflikt ist aufgrund der Vorurteile auf beiden Seiten unausweichlich. Der englische Schriftsteller Wells dagegen nahm den Gedanken auf, dass der Mars älter als die Erde sei und daher die Evolution dort wesentlich weiter fortgeschritten. Die Marsianer haben sich zu gefühllosen Monstern entwickelt. Sie saugen ihren Opfer das Blut aus und verleiben es sich direkt in ihr eigenes ein. Sie besitzen riesige Kampfmaschinen, mit denen es ihnen ein leichtes ist, die Erde zu erobern. Am Ende aber scheitern die Marswesen an irdischen Bakterien, gegen die sie keine Aberwehrkräfte besitzen. Es es ist vor allem Wells zu verdanken, dass bis heute die Marsianer kein gutes Image haben.

Spätestens seit in den 1960er Jahren die ersten Raumsonden am Mars vorbeiflogen wissen wir, dass der Mars zwar hohe Berge und zerklüftete Schluchten hat, er aber ansonsten staubtrocken ist und definitiv kein Leben beherbergen kann.

Veranstaltungstipp:

Informationen über die Herkunft und das Alltagsleben eines Marsianers erfahren Interessenten am 20. April um 20 Uhr in der Sternwarte Regensburg. Dort wird Michael Hedenus bei freiem Eintritt über „Das Jahrhundert der Marsianer – Eine Kulturgeschichte des Mars im 19. Jh.“ referieren Bei klarem Himmel ist es anschließend möglich, den Sternenhimmel mit den Geräten der Sternwarte auf der Plattform zu beobachten.

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