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Unglück

Arbeiter nach Sturz gestorben

Der 42-jährige Mann, der im Neubaugebiet am Brandlberg schwere Verletzungen erlitt, ist tot. Seine Rettung wirft Fragen auf.
Von Wolfgang Ziegler

  • Die Regensburger Berufsfeuerwehr musste ihre Fahrzeuge in der Zufahrt zum Neubaugebiet Brandlberg abstellen, weil es kein Durchkommen gab. Die Stadt spricht davon, dass es für die Retter keine Probleme gegeben habe, den Einsatzort zu erreichen. Foto: Klaus Scheitzach
  • Im Baugebiet am Brandlberg sind die Arbeiten in vollem Gang. Foto: Lex

Regensburg.Das Neubaugebiet am Brandlberg hat seinen ersten Toten. Der 42-jährige Arbeiter aus der Slowakei, der am 14. März in einem Gebäude in der Glashüttenstraße zehn Meter in die Tiefe gestürzt war, ist in der Nacht zum Montag seinen schweren Verletzungen erlegen. Wie bereits berichtet, war der Mann gerade damit beschäftigt, ein Fenster zu setzen, als er abrutschte und in einen Schacht fiel.

Er war damals zwar schnellstmöglich in ein Krankenhaus gebracht worden, über seine Rettung gibt es dennoch völlig konträre Aussagen. Während die zuständige Polizeiinspektion Regensburg-Nord auf nochmalige Nachfrage unseres Medienhauses erneut verkehrsbedingte Behinderungen von Notarzt, Sanka und Feuerwehr ausschloss und von keinerlei Anfahrtsproblemen wusste, sprach Klaus Scheitzach von einem „völligen Chaos“, das sich den ganzen Vormittag über nicht aufgelöst habe. Es sei zugegangen „wie in einem Taubenschlag“, sagte der Anwohner und Augenzeuge der Verkehrssituation der Mittelbayerischen.

Notarzt kam nicht durch

„Meine Frau ist an diesem Tag um 7.30 Uhr zum Bäcker gefahren. Es vergingen 90 Minuten, bis sie wieder zu Hause war.“ Immer mehr Lastwagen und Sattelschlepper seien angekommen, durch das ,Nadelöhr Glashüttenstraße‘ in das Neubaugebiet eingefahren und dort steckengeblieben, da sich früher eingetroffene Lkw an der Insel zwischen Haidhofweg und der Straße Am Brandlberg stauten und nicht hätten weiterfahren können, erinnert sich Scheitzach. Die schweren Lieferfahrzeuge seien auf den Straßen zeitweise einfach nebeneinander abgestellt worden – „es ging gar nichts mehr“.

Nach den Worten des früheren Pflegedienstleiters sei am späteren Vormittag schließlich eine Polizeistreife gekommen, die die Behinderungen vorübergehend beseitigt habe. Um 11.45 Uhr habe sich die Situation dann allerdings verschärft, als ein Notarzt und ein Sanka, die zu einer krebskranken Frau in der Bodenwöhrstraße gerufen worden seien, ebenfalls nicht mehr durchgekommen seien.

Nur wenige Minuten danach habe sich der Unfall des slowakischen Arbeiters ereignet, zu dem die Rettungskräfte zunächst ebenfalls nicht hätten vordringen können. „Zu diesem Zeitpunkt war die Zufahrt zu dem Neubaugebiet vollständig blockiert, die Regensburger Berufsfeuerwehr musste ihre Einsatzfahrzeuge in der Glashüttenstraße abstellen und zu Fuß zum Einsatzort laufen“, erzählt Scheitzach. Er hatte das Geschehen den ganzen Vormittag über von einem Fenster seines Hauses aus beobachtet und mit seiner Fotokamera dokumentiert. Erst nachdem die Retter schließlich einen Sattelschlepper hätten umparken lassen, hätten sie bis zur Unfallstelle vorfahren können.

Der ehemalige Krankenpfleger und seine Frau, die als Krankenschwester arbeitet, und die beide wissen, wie eine Rettungskette funktioniert, wollen ihre Beobachtungen und ihre Äußerungen nicht als Kritik an den Rettungskräften verstanden wissen. „Das sind doch die ärmsten Hunde in dieser Situation“, so Scheitzach. Sie fragen vielmehr, was aus dem Verkehrskonzept für eventuelle Rettungseinsätze im Neubaugebiet Brandlberg geworden sei, das von der Stadt Regensburg und dem Immobilienzentrum bei einer Informationsveranstaltung für die Anwohner im BSC-Sportheim vorgestellt worden sei.

Rettungskonzept missachtet?

Demnach sollte eine Zufahrt der Retter über den Radweg an der Pilsen-Allee und weiter über einen Stichweg beim Rewe-Verbrauchermarkt erfolgen. Am 14. März hätten Notarzt, Rettungswagen und Feuerwehr-Fahrzeuge aber dessen ungeachtet die verstopfte Zufahrt über die Glashüttenstraße gewählt. Warum?

Mit dieser Frage konfrontierte unser Medienhaus auch die Stadt Regensburg. Wir wollten wissen, warum die Berufsfeuerwehr dieses Rettungskonzept bei ihrem Einsatz außer Acht gelassen hatte und wie aus ihrer Sicht am Unfalltag die Verkehrssituation am Brandlberg war. Von der städtischen Pressestelle bekamen wir allerdings nur den Hinweis, dass es für die Feuerwehr „keine Probleme gegeben“ habe, den Einsatzort zu erreichen, und es zu „keinen kritischen Verzögerungen gekommen“ sei. Zum Amt für Brand- und Katastrophenschutz bzw. zur Berufsfeuerwehr wurde uns kein direkter Kontakt ermöglicht. Amtsleiter Johannes Buchhauser sei „heute nicht im Dienst“, hieß es.

In einer Sitzung des Stadtrates am 15. März hatte Bürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer erklärt, bei dem Unfall seien Rettungskräfte nur auf Umwegen durchgekommen. Sie hatte von „untragbaren Zuständen“ gesprochen.

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