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Konferenz

Arme Rentner in einer reichen Stadt

In Regensburg tauschten sich Experten aus. Vielen Senioren reicht ihre Rente nicht mehr zum Leben – auch in der Donaustadt.
Von Curd Wunderlich

Altersarmut ist auch ein Thema in Regensburg. Rund ein Viertel der Tafel-Kunden sind deutschlandweit Rentner. Foto: XYZ Foto: Stefan Schaubitzer/dpa
Altersarmut ist auch ein Thema in Regensburg. Rund ein Viertel der Tafel-Kunden sind deutschlandweit Rentner. Foto: XYZ Foto: Stefan Schaubitzer/dpa

Regensburg.Endstation Armenküche – und das im reichen Regensburg? Laut Christian Eisenried, Bezirksgeschäftsführer des Sozialverbands VdK in der Oberpfalz, ist das für immer mehr Senioren auch in der und um die Donaustadt Realität. 2030 soll nach aktuellen Prognosen jeder vierte Rentner von Altersarmut bedroht sein, bei Frauen in der Oberpfalz ist dieser Wert heute schon fast erreicht. Bei einer Armutskonferenz im Kolpingshaus in Regensburg beschäftigten sich hiesige Experten mit dem Thema Altersarmut und versuchten Lösungen aufzuzeigen.

Den Schwerpunkt des verfügbaren Einkommens bei Rentnern bildet die gesetzliche Altersrente. Diese liegt mit 1037 Euro bei Männern und 594 Euro bei Frauen in der Oberpfalz im Durchschnitt schon heute unter der Grenze, ab der die Armutsgefährdung greift. Als armutsgefährdet gilt in Bayern, wer im Single-Haushalt unter 1039 Euro pro Monat zur Verfügung hat.

12,7 Millionen für Grundsicherung

Wer als Rentner nach Abzug der Kosten für Wohnung, Kranken- und Pflegeversicherung unter 416 Euro im Monat zur Verfügung hat, hat Anspruch auf Grundsicherung. 2016 nahmen diesen in der Stadt 1261 Personen im Rentenalter wahr. Insgesamt bezogen in Regensburg zum Stichtag 31. März dieses Jahres 2039 Menschen Leistungen der Grundsicherung, führte Sozialamtsleiter Wilhelm Weinmann bei der Armutskonferenz aus. Seit 2007 ist die Zahl der Bezieher um fast 40 Prozent gestiegen. Heuer sind im Haushalt der Stadt 12,7 Millionen Euro eingeplant, um den Bedarf an Grundsicherungsleistungen abzudecken. Das sind 1,2 Millionen Euro mehr als im Vorjahr.

Laut Weinmann beziehen in Bayern rund drei Prozent der Menschen im Rentenalter Grundsicherung. In Regensburg fällt dieser Wert seinen Angaben zufolge mit rund 1,4 Prozent deutlich niedriger aus.

Lesen Sie auch: Ein Interview zum Thema Altersarmut mit Christian Eisenried vom VdK Oberpfalz

Bei der Armutskonferenz ärgerten sich Mitorganisatorin Karin Prätori und Zuhörer, dass vonseiten der Stadt ein 2011 gemachtes Versprechen nicht eingehalten wurde: Damals erschien der „Bericht zur sozialen Lage“ in Regensburg. Prätori lobte die Zusammenstellung als „sinnvolle Bestandsaufnahme, um Konzepte gegen die Armut zu entwickeln“. Damals hieß es aus dem Rathaus, dass nach drei Jahren ein aktualisierter Sozialbericht herausgeben werden solle. Passiert ist das bis heute – sieben Jahre später – aber nicht.

Auf Nachfrage der Mittelbayerischen teilt Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt, mit, dass der Bericht „aus personellen Gründen“ nicht wie geplant hätte fortgeschrieben werden können. „Seit Herbst 2017 ist die Stelle in der Abteilung Statistik/Stadtentwicklung besetzt“, macht sie aber Hoffnung. Noch dieses Jahr werde ein Monitoring durchgeführt, „um aussagekräftige Indikatoren festzulegen, damit Veränderungen dargestellt und Handlungsansätze formuliert werden können“. Der neue Sozialbericht soll dann voraussichtlich 2019 veröffentlicht werden.

Lesen Sie auch: Mehr Teilhabe, weniger Ausgrenzung: Die Stadt Regensburg will die Ursachen und Folgen von Armut abfedern.

Welche Angebote, insbesondere kostenlose, es für Senioren in Regensburg gibt, und warum diese oft trotzdem nicht von armen Rentnern in Anspruch genommen werden, erläuterte bei der Konferenz Petra Frauenstein. Sie ist stellvertretende Leiterin des Seniorenamts. Armut im Alter bedeute in der Regel weniger soziale Teilhabe, betonte sie. Das Seniorenamt versucht zwar mit Betreuungsamt und Seniorenarbeit entgegenzuwirken, doch Frauenstein sieht ein großes Problem: Viele Rentner wissen gar nicht, dass es ihr Amt gibt, oder was es überhaupt tut.

Solange wie möglich zu Hause

Das Leitziel des seniorenpolitischen Gesamtkonzepts der Stadt sei klar, so Frauenstein: Alle Menschen sollen so lange wie möglich selbstbestimmt zu Hause leben können. Zwei lokale Initiativen, die dieses Ziel mit viel ehrenamtlichem Engagement unterstützen, stellten sich bei der Armutskonferenz vor. Georg Forster stellte die Regensburger Tafel vor. Jede Woche unterstütze sie 3500 Kunden. Rund ein Viertel davon seien Rentner. Die Tafel gebe nicht nur Essen aus, „wir reden auch mit unseren Kunden“, betonte Forster.

Die Armutskonferenz

  • Ziel:

    Karin Prätori, Sprecherin des Armutsforums Regensburg, erklärte das Ziel der Armutskonferenz: Das Thema solle in den Mittelpunkt gestellt werden um so Lösungen zu finden, die Armut im reichen Regensburg zu verringern.

  • Nöte:

    Die Konferenz sei eine gute Möglichkeit, sich zu vernetzen und bestimmte Facetten der Armut im Detail zu beleuchten. Am Montagabend war dies neben dem Thema Altersarmut auch das Thema Wohnungsnot. Dazu folgt ein gesonderter Bericht. Prätori forderte die Anwesenden auf, am Thema dranzubleiben.

Für die Futterstelle Regensburg, die in Not geratenen Tierhaltern hilft, sprach Else Zaharanski-Kirmeier. „Wir kümmern uns um Mensch und Tier“, erklärte sie. So würden nicht nur Tiere zum Tierarzt, sondern auch ihre Halter bei Bedarf ins Krankenhaus begleitet. Bei mehr als der Hälfte der Klienten handele es sich um alte Menschen.

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