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Kultur

Auf dem Weg zum Jodeldiplom

Stilecht im Wirtshaus: Bei einem Volkshochschulkurs erlernen Männer und Frauen in Regensburg eine alte Alpentradition.
Von Daniel Steffen

Auch Mimik und Gestik setzt Brigitte Schneider dazu ein, um den Kursteilnehmern in der Arberhütte das Jodeln beizubringen. Fotos: Steffen
Auch Mimik und Gestik setzt Brigitte Schneider dazu ein, um den Kursteilnehmern in der Arberhütte das Jodeln beizubringen. Fotos: Steffen

Regensburg.Freude, Emotionen, positives Lebensgefühl: Mit diesen Attributen verbinden Brigitte Schneider und Anita Schön das Jodeln. Wie sie sagen, ist Jodeln die „schönste Art sich stimmlich zu begegnen“ – und genau das wollen sie ihren Kursteilnehmern in der Gaststätte Arberhütte zeigen. Die gemütliche Lokalität zogen sie den Räumen der Volkshochschule vor, schließlich sei Jodeln im Wirtshaus daheim.

„Man darf das Jodeln aber nicht mit dem Volkstümlichen aus dem Musikantenstadl verwechseln“, klären sie die Teilnehmer des VHS-Jodelkurses gleich zu Kursbeginn auf. Zehn Frauen und Männer haben sich in der Arber- hütte eingefunden, um sich im Laufe der nächsten Monate ein „Jodeldiplom“ zu erarbeiten. Das Warten hat für sie ein Ende: In Berlin, in Österreich – überall haben sie von Jodelkursen gehört, hier in Regensburg sei aber noch keiner angeboten worden, sagen sie.

Genau aus diesem Grund hat sich Brigitte Schneider dazu durchgerungen, einen Kurs in der Domstadt zu geben. Vor sieben Jahren hat sie das Handwerk erlernt. „Ich war damals in der Steiermark bei einem Kurs. Das Jodeln hat mich so begeistert, dass ich davon nicht mehr losgekommen bin.“ Und sie weiß: „Jodeln allein geht nicht.“ In Anita Schön hat sie eine Freundin gefunden, mit der sie sich seit drei Jahren regelmäßig zum Jodeln trifft. Jetzt weisen beide gemeinsam die Teilnehmer in die hohe Kunst ein. „Jodeln ist viel freier als Singen“ sagt Anita Schön. „Man sucht sich seinen Ton selbst.“

Sehen Sie im Video, wie sich die Kursteilnehmer gemacht haben:

Regensburger lernen Jodeln

„Ich finde Jodeln spannend“

In der Runde geht es entspannt zu. Einige schauen noch kritisch drein. „Ich bin skeptisch, ob ich das auch so hinbekomme“, sagt Richard, einer der Teilnehmer. Zwei Stühle weiter sitzt Dorothee, die im Kirchenchor singt. „Ich finde Jodeln unheimlich spannend“, sagt sie. Und für die Engländerin Marissa ist Jodeln „etwas ganz anders, als man sonst so kennt.“ Christine, eine weitere Kursteilnehmerin, bringt die musikalische Früherziehung ins Spiel: „Ich würde gerne einen Kinderjodler machen“, eröffnet sie der Runde im Stuhlkreis.

„Der Ursprung liegt im Lockruf des Hirten für seine Tiere.“

Kursleiterin Brigitte Schneider

Dann geht es in die Praxis: Mal klingen die Töne höher, mal niedriger. Mal jodeln die Frauen und Männer miteinander, mal gegeneinander und mal hintereinander. Jeder Jodler, so scheint es, entwickelt seine eigene Dynamik. Anders als beim Singen bleiben die Münder offen. Dass das „durchaus komisch aussieht“, daraus machen Brigitte Schneider und Anita Schön keinen Hehl. Einen Vorteil bieten die Jodler allerdings darin, dass keine Texte einstudiert werden müssen und auch keine musikalischen Vorkenntnisse erforderlich sind. Wie Brigitte Schneider erläutert, handelt es sich beim Jodelschlag um den „Wechsel von der Bruststimme in die Kopfstimme“. Beide Stimmen werden an dem Abend fleißig trainiert. Das Rezept ist simpel: „Üben, üben, üben“, sagt Brigitte Schneider.

Beim Jodeln entsteht ist ein musikalischer Dialog, der Menschen zusammenführt und verbindet, sagen die Kursleiterinnen. Foto: Schneider/Schön
Beim Jodeln entsteht ist ein musikalischer Dialog, der Menschen zusammenführt und verbindet, sagen die Kursleiterinnen. Foto: Schneider/Schön

Über die Geschichte des Jodelns ist sie gut informiert: „Der Ursprung liegt im Lockruf des Hirten für seine Tiere“, sagt sie. Ebenso diente der Jodler dem gemütlichen Beisammensein – ob nun auf der Alm oder im Wirtshaus. Über Berufsgruppen hinweg hätten sich die Senner, Feldarbeiter oder auch Holzknechte miteinander verständigt und amüsiert.

„Jeder Jodler hat seinen eigenen Namen. Manchmal nennt man ihn einfach nur so, wie er beginnt oder nach der Person, der ihn singt“, erläutert Brigitte Schneider. „Dem Sepp und dem Hans sein Jodler zum Beispiel.“ Überliefert wurden die Jodler lange Zeit nur mündlich. Erst später sei man dazu übergangen, sie in Notenform zu bringen. Viele von ihnen stammen aus dem Alpenraum.

Wenn der „Herzbrecher“ erklingt

Mit einigen Jodlern machen die Kursteilnehmer Bekanntschaft: Vom „Laufnitzer“ aus der Steiermark bis zum melancholischen „Herzbrecher“ üben sie die ersten Jodelstücke ein. Die Zwei- und Dreistimmigkeit der Jodler fordert ihnen nicht nur Konzentration ab, sondern tut auch dem Miteinander gut. Viele sind begeistert dabei: „Es macht mir einen Riesenspaß“, sagt Marissa. Ein Freund habe ihr von dem Kurs erzählt, worauf sie nicht zögerte, sich dort ebenso anzumelden, zumal ihr die bayerische Volksmusik „sehr taugt“. Nun freut sie sich auf das weitere Kursprogramnm.

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Ein Lockruf für Tiere

  • Distanzüberbrückung:

    In wahrscheinlich allen gebirgigen und unwegsamen Regionen der Welt gibt es verschiedene Techniken, um mit Rufen weite Distanzen akustisch zu überbrücken.

  • Almschrei und Juchzer:

    Die Ursprünge des Jodelns gehen auf uralte Zeiten zurück: Jodelnd verständigten sich Hirten und Sammler, Waldarbeiter und Köhler. Nicht nur in den Alpen wurde von Alm zu Alm mit Almschrei (Almschroa) oder Juchzer kommuniziert oder auch das Vieh mit einem Jodler (Viehruf) angelockt. (Quelle: Wikipedia.de) (mds)

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