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Kriminalität

Autoaufbrüche: Serie gestoppt

Zuletzt wurden in Regensburg pro Tag im Schnitt drei Kfz geknackt – bis die Polizei jetzt einen 33-Jährigen fasste. Der Mann brauchte Geld für Drogen.
Von Marianne Sperb, MZ

Ein Auto mit eingeschlagener Seitenscheibe: In Regensburg häuften sich solche Fälle seit Mai. Jetzt schnappten die Ermittler einen 33-Jährigen. Foto: Polizei

REGENSBURG. Eine beispiellose Serie von Pkw-Aufbrüchen sorgte in Regensburg seit Wochen für Schlagzeilen. Jetzt können Autobesitzer aufatmen: Als die Fahnder einen 33-Jährigen fassten, riss die Serie ab.

Von Januar bis April 2013 wurden im Schnitt pro Monat rund 15 Fälle gemeldet, bei denen Kriminelle mit Gewalt Autos aufbrachen und Beute machten. Im Mai schnellte die Zahl nach oben – auf 88 Delikte! „Unter dem Strich bedeutet das: Jeden Tag wurden im Schnitt drei Fahrzeuge aufgebrochen“, verdeutlicht Polizeisprecher Michael Rebele.

Die Zahl der Autoaufbrüche summierte sich in den knapp sechs Monaten seit Jahresbeginn auf rund 170 Fälle. Den angerichteten Sachschaden schätzen die Ermittler auf rund 76.000 Euro, den Wert der erbeuteten Gegenstände auf etwa 87.000 Euro.

Auch vier Euro reichten als Motiv

Den Ermittlern gelang am 9. Juni ein Erfolg: Die Polizei nahm einen 33-jährigen Mann fest, danach endete die Aufbruchsserie abrupt. In den knapp drei Wochen, seit der Verdächtige in Untersuchungshaft sitzt, ist die Zahl der Fälle wieder auf „Normalniveau“ gesunken, so Rebele am Mittwoch. Der Festgenommene, so mutmaßen die Ermittler, könnte für einen Großteil der 88 Aufbrüche verantwortlich sein, die allein im Mai im Stadtgebiet gemeldet wurden.

Der Kriminelle hatte am 9. Juni in der Mittagszeit auf einem Parkplatz am „Hohen-Kreuz-Weg“ das Auto eines 21-Jährigen geknackt und sich ein Handy gegrapscht. Als der 33-Jährige versuchte, das Mobiltelefon zu barer Münze zu machen, schnappte die Falle zu. Die Ermittler hatten über einen Anruf bei dem gestohlenen Telefon eine Frau an die Strippe bekommen. Sie teilte mit, ein Mann habe ihr das Gerät zum Kauf angeboten. Bei der Übergabe in der Plattlinger Straße warteten dann schon die Beamten auf den Dieb.

Der Drogensüchtige stand unter permanentem Druck und brach an manchen Tagen wohl auch drei oder vier Autos auf. Der Modus Operandi war immer der gleiche: Der Mann schlug eine Seitenscheibe ein oder er hebelte eine Tür auf. „In einer Nacht hatten wir sogar mal sechs Fälle“, erinnert Rebele. „Nach so einer Häufung folgte dann meist ein Ruhetag“, beschreibt der Polizeisprecher das Muster.

Der 33-Jährige finanzierte mit seiner Beute seinen Rauschgiftbedarf. Der Mann ist polizeibekannt. Er stahl, wo er konnte, um die Beute zu verscherbeln und Geld für Drogen zu beschaffen. Im April wurde er beim Diebstahl von Parfüm erwischt, in einem Verbrauchermarkt nahm er Schnaps im Wert von 300 Euro mit, ein andermal schnappte er sich eine achtlos abgelegte eine Handtasche in einem Geschäft. Auch Laden-Aufbrüche in Regensburgs Umkreis werden dem Kriminellen zur Last gelegt. Und in einem Fall reichten ihm schon die vier Euro Parkgeld, die er in einer Pkw-Konsole liegen sah, um ihn zum Aufbruch des Autos anzustacheln.

Die Ermittlungen dauern noch

Einige der Regensburger Autoaufbrüche hat der Mann gestanden, andere Fälle wies ihm die Polizei nach. Die Ermittlungen sind längst noch nicht abgeschlossen. Die Kripo arbeitet sich noch durch eine Vielzahl von Details. Ermittler entdeckten eine Reihe möglicher Beutestücke bei Durchsuchungen, unter anderem im Unterschlupf des Mannes, der keinen Wohnsitz gemeldet hat. „Jetzt geht es darum, die Dinge den Eigentümern zuzuordnen, um Beweise zu sammeln“, so Rebele.

Besorgte Fahrzeugbesitzer können sich jetzt beruhigt zurücklehnen, resümiert Rebele. Andererseits zeige die Serie, dass nicht etwa eine organisierte Bande am Werk war, sondern Beschaffungskriminalität vorlag. „Und die werden wir wohl immer wieder haben.“ Rebele appelliert deshalb an Autofahrer, Wertgegenstände im Auto nicht im Sichtfeld zu deponieren. Selbst Kleingeld oder eine leere Taschen könnten Täter, die wie der Drogensüchtige unter großem Druck stehen, dazu animieren, das Auto aufzubrechen.

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