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Wirtschaft

Bald goldene Zeiten am Schwanenplatz

Am 2. Mai soll an der Kalmünzergasse wieder aufgegraben werden. Diesmal aber freuen sich alle. Es ist die finale Baustelle.
Von Helmut Wanner

Der Goldene Ochse am Schwanenplatz bleibt in Familienhand: Filip Brekalov und seine Frau Luca übergaben an ihren Sohn Jakov (33). Foto: Wanner

Regensburg.Fünf Jahre hatten Kaufleute und Wirte rund um den Schwanenplatz Baustellen vor der Türe. Erst standen Baucontainer vom gewaltigen Neubau, der auf dem Gelände des Hotel-Karmeliten hochgezogen wurde, dann wurde die Straße für das Museum für Bayerische Geschichte aufgerissen. Fünf Mal hat man bei den einstigen Parkplätzen gegenüber dem Karmelitenkloster den Boden aufgerissen und wieder zugefüllt.

In vier Wochen, am 23. April, wird wieder eine Baustelle eingerichtet, die bis in den Dezember dauert. Aber Brigitte Niebler (Orthopädie), Oliver Schutkowski (d’Quetschn), Emmy Krienitz (Bären&Puppen) und Jakov Brekalo (Goldener Ochse) steigen nicht auf die Barrikaden: „Das ist die beste Baustelle, denn das ist die letzte.“

Die Puppendoktroin Emmy Krienitz hält dieses Jahr auch noch durch. Foto: Wanner

Das Terrain zwischen Karmelitenkirche und Kolpinghaus ist Erwartungsland. Man erwartet nach Jahren der Dürre vergleichsweise „goldene Zeiten“ am Touristenpfad zwischen Museum, Kreuzfahrtschiffen und der Altstadt. Stichworte sind: neuer Ausstieg für Reisebusse, Touristik-Info, Brunnenanlage und temporäres Grün. Hoffnung keimt auf. Dabei hat Oliver Schutkowski in den 12 Jahren, in denen er da ist, gefühlt fünf Mal öffentlich angedroht, seine Quetschn zu schließen. Er denkt nicht mehr dran. Schutkowski: „Ich freue mich auf einen erweiterten Freisitz.“ „Wir müssen durchhalten“, sagt die Puppen-Doktorin Emmy Krienitz aus der Kalmünzergasse. Rund um den Platz wurde es als Hoffnungszeichen gewertet, dass der Übergang im Goldenen Ochsen im März so harmonisch war.

Mit Stammkunden überlebt

Filip Brekalo (65) hat an seinen Sohn Jakov übergeben. Eine schöne Geschichte von Familientradition, Integration und Inkulturation. Muttis – das ist Lucia Brekalos – bayerischer Schweinebraten gilt bei den Stammkunden als legendär. Über 25 Jahre hat der Kroate und Fan von Hajduk Split den Goldenen Ochsen aufgebaut, man kann schon sagen, gemästet, bis er einen Stammkunden-Anteil von über 80 Prozent hatte.

Der erste Stammtisch überhaupt war ein Stammtisch aus dem inneren Osten – die Volleyballgruppe der Lehrer aus dem Albrecht-Altdorfer-Gymnasium um Herbert Sinz und Berthold Wahl, heute Leiter des Domspatzen-Gymnasiums, trifft sich seit August 1992 ununterbrochen im Ochsen. Politiker sämtlicher Couleur suchen nach Fraktions- oder Plenarsitzung im nur einen Steinwurf entfernten Regensburger Rathaus, hier diskrete Geselligkeit. Eine Bank für den Katholiken aus Dalmatien sind die Leute aus dem kirchlichen Bereich. Besonders der neue Wirt hat beste Erinnerungen an den unvergessenen Mesner von Niedermünster, Leonhard Ehrensberger, der heute vor fünf Jahren 50-jährig gestorben ist. „Er hat mir jedes Mal 5 Mark geschenkt.“

Jakov Brekalo war sieben Jahre alt, als er mit seinen Eltern aus München an den Schwanenplatz kam. Die Wirtschaft war ein dreiviertel Jahr lang geschlossen gewesen. Mit den Brekalos entwickelte das Gasthaus erst sein Potenzial. Mit 18 Jahren war Filip Brekalo aus einem kleinen dalmatinischen Dorf bei Split in den Zug nach München gestiegen. „Meine erste Stelle war bei einem Verwandten im Makarska-Grill an der Theke.“ Seine Frau Lucia war zwar nur ein paar Dörfer weiter aufgewachsen, gesehen haben sie sich aber erst in Straubing. Sie arbeitete bei einem Verwandten in der Küche. Von da an gingen die Eheleute gastronomisch gemeinsame Wege. Stationen ihrer Selbstständigkeit waren die Münchner Gaststätten Wallensteinkeller und Theresienhof sowie der Dalmatia-Grill in Altötting, ehe sie im Goldenen Ochsen auf Dauer ihr Glück fanden.

Der Ochs und die Augenweide

Von den drei Kindern hat nun der älteste Sohn im Goldenen Ochsen übernommen. Dafür gab der 33-Jährige seine Stellung als Physiotherapeut bei Kindler Reha-Fit in der Amberger Straße auf. Der in München Geborene kennt das Gewerbe. „Ich bin ja in der Küche meiner Mutter großgeworden.“ „Die Chefin“, wie er sie nennt, gibt ihren Machtbereich auch die nächste Zeit nicht auf. Auch Filip Brekalo will sich „die nächsten zwei, drei Jahre“ im Hintergrund bereithalten.

Die Wirtsleute haben keine Bedenken, dass der Ochse auch die letzte Baustelle überleben wird. Das Durchhaltevermögen bringt der neue Wirt mit. Er trainiert sechs Mal die Woche morgens im Fitnessstudio. Auf die künftige Wirtin dürfen wir auch schon gespannt sein. Es ist das Model Sandra Drljaca, das vorerst auf Instagram unter „bysandra_d“ zu bestaunen ist.

Eine stille Heldin

  • Promi:

    Emmy Krienitz ist die stille Heldin vom Schwanenplatz. Die Designerin einer eigenen, bundesweit bekannten Teddy-Marke hat sich vor acht Jahren in der Kalmünzergasse 5 niedergelassen.

  • Pech:

    Fünf Jahre hatte sie nur Chaos vor den Schaufenstern. Sie will durchhalten.

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