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Konflikt

„Bannmeile“ am Donauufer sorgt für Ärger

Wegen mehreren Vorfällen patrouilliert am Bayernhafen Regensburg nun ein Sicherheitsdienst. Passanten fühlen sich gegängelt.
Von Norbert Lösch

„Herzlich willkommen“: Das gilt am Donauufer, das zum Bayernhafen gehört, natürlich nicht für zwielichtiges Publikum. Seit März patrouilliert dort ein Sicherheitsdienst. Foto: Lösch
„Herzlich willkommen“: Das gilt am Donauufer, das zum Bayernhafen gehört, natürlich nicht für zwielichtiges Publikum. Seit März patrouilliert dort ein Sicherheitsdienst. Foto: Lösch

Regensburg.Bei Spaziergängen am Donauufer im Stadtosten haben Passanten seit einigen Wochen vermehrt Kontakt zu Mitarbeitern eines privaten Sicherheitsdienstes. Manchmal auch recht unangenehmen Kontakt: Am hellichten Tag sei er „sehr forsch“ auf das Betretungsverbot im Hafengelände angesprochen und Hausfriedensbruch in den Raum gestellt worden, schildert ein Regensburger, der dort regelmäßig mit seinem Hund Gassi geht, eine Begegnung. „Spaziergänger werden förmlich von der Donau verjagt, selbst der Weg vom IT-Speicher zum Villapark ist mittlerweile tabu“, beklagt der MZ-Leser die Einschränkung seiner Bewegungsfreiheit.

Tatsächlich lässt die Verwaltung des Bayernhafens seit März Sicherheitsleute auf dem Hafengelände, zu dem das komplette Donauufer zwischen dem Villapark und dem Osthafen gehört, Patrouille fahren und gehen. Aus gutem Grund, wie Hafen-Sprecherin Karin Moro die MZ wissen ließ: „Aufgrund einer massiven Zunahme von Diebstahl, Sachbeschädigungen und Vandalismus bis hin zu Fällen illegalen Drogenhandels haben wir die entsprechende Kontrolldichte erhöht und setzen dabei auch nachts und am Wochenende einen externen Kontrolldienst ein.“ Zu Details der Auswüchse, die zum restriktiven Umgang mit Joggern, Spaziergängern und Menschen führen, die einfach nur am Ufer sitzen wollen, wollte sich die Sprecherin nicht äußern.

Bayernhafen pocht auf Hausrecht

Schilder weisen auf das Betretungsverbot hin. Foto: Lösch
Schilder weisen auf das Betretungsverbot hin. Foto: Lösch

Moro verwies drauf, dass der Bayernhafen aufgrund der Vorfälle stärker auf sein Hausrecht pochen muss, als das wünschenswert wäre. „Ein Spaziergang im Hafen auf öffentlichen Straßen und Wegen ist weiterhin möglich. Bei den übrigen Bereichen handelt es sich um Betriebsgelände, dessen Betreten nicht erlaubt ist. Darauf wird sowohl mit Hinweisschildern als auch in der Hafenordnung hingewiesen.“

Das Argument, dass das Donauufer entlang der Hafenanlagen ein beliebtes Naherholungsgebiet vor allem für Bürger aus dem Stadtosten ist, lässt der Hausherr nicht gelten.

„Hafenbetriebsflächen dienen nicht der Erholung und ein Betreten ist neben der eigentumsrechtlichen Perspektive auch aus Sicherheitsgründen nicht darstellbar“, stellt Karin Moro auf Nachfrage klar. Auf das Betretungsverbot werde eindeutig hingewiesen, eine Ausnahme mache man nur auf dem Uferweg zwischen IT-Speicher und Villa-Park, der eigentlich auch ein reiner Betriebsweg sei. Dort werde „der Rad- und Fußgängerverkehr von der Hafenaufsicht derzeit nicht beanstandet, nicht geduldet wird das Grillen und Picknicken“.

„Hafenbetriebsflächen dienen nicht der Erholung.“

Hafen-Sprecherin Karin Moro

Natürlich seien Vandalismus und Drogenumschlag nicht hinnehmbar, zeigt Stephan Klanke ein gewisses Verständnis für Reaktionen des Hafenbetreibers. Der „Stammgast“ am Donauufer meint aber, dass solche Probleme anders in den Griff zu bekommen sein müssten als mit der überzogenen Kontrolle völlig harmloser Passanten. Und er kann sich noch gut an einen Ostenviertel-Treff im vergangenen Jahr erinnern, bei dem Vertreter von Stadt und Hafen die Öffnung und Aufwertung von Uferbereichen propagiert hätten. „Dass jetzt das Gegenteil davon passiert, ist traurig“, sagt Klanke.

Als „bürgerunfreundlich“ will sich die Hafenverwaltung aber nicht abstempeln lassen. Sie verweist darauf, dass sie sehr wohl die öffentliche Nutzung des Donauufers toleriert – sofern sie sich in einem verträglichen Rahmen bewegt. Ein Beispiel: Für die Einrichtung eines Jugendspielplatzes der Stadt Regensburg in der Nähe Donaulände/Babostraße stelle der Bayernhafen Flächen zur Verfügung.

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So groß wie 260 Fußballfelder

Das gesamte Gelände des Bayernhafens mit seinen drei Anlagen umfasst 183 Hektar – eine Fläche von mehr als 260 Fußballfeldern. Der Bayernhafen Regensburg ist ein trimodales Güterverkehrszentrum. Hier treffen sich Lkw, Schiff und Zug. 2016 hatte die Bayernhafen-Gruppe in einer Studie die Frage untersucht, wie viele Arbeitsplätze ein Binnenhafen bringe. Im Bayernhafen Regensburg selbst sind laut dieser Untersuchung 1800 Menschen beschäftigt.

Bis in die 90er-Jahre war der Regensburger Hafen noch enger als heute mit der Innenstadt verbunden. Die Gleise führten von Osten nicht nur – wie heute – bis zum AOK-Gebäude, sondern bis zur Eisernen Brücke.

Die Hafenverwaltung ist nicht nur für den Umschlag von mehr als sieben Millionen Tonnen Güter pro Jahr, sondern auch für die Abwicklung der Kreuzfahrtschiffe am Marc-Aurel-Ufer Donaulände zuständig. Die Anlegestellen gehören ebenfalls zum Hafengelände.

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