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Regensburg
Mittwoch, 25. April 2018 22° 3

Umweltzone

Beinahe ein Opfer der Diesel-Debatte

Johann Oberhofer ist gehbehindert und durfte mit seinem Opel nicht in die City. Die MZ hakte bei der Stadt nach – und half.
Von Gabi Hueber-Lutz

Die Umweltzone wurde Johann Oberhofer zum Verhängnis. Foto: Wunderlich

Regensburg.Diesel ist in die Schlagzeilen gekommen. Nicht nur wegen des Diesel-Skandals. Diesel ist eine der Ursachen für die Stickstoffbelastung in Städten, und die Städte reagieren. In Regensburg dürfen Fahrzeuge seit Mitte Januar ohne grüne Umweltplakette nicht mehr in die Altstadt einfahren. Das ist Teil eines Luftreinhalteprogramms der Stadt Regensburg. Etliche Ausnahmegenehmigungen gibt es. Zum Beispiel für die Polizei, den Notarzt, die Müllabfuhr oder für Oldtimer mit dem H Kennzeichen. Auch Zweiradfahrer und Schwerbehinderte dürfen weiter ohne die grüne Plakette am Fahrzeug in die Altstadt.

Durchs Raster gefallen

Aber dann gibt es auch Fälle wie die des Rentners Johann Oberhofer, die irgendwie durchs Raster fallen. Er wandte sich an unser Medienhaus, weil sich seine Lebenssituation seit dem Fahrverbot für Autos ohne grüne Umweltplakette ziemlich verschlechtert hat. Oberhofer nennt einen Opel Ascona mit dem stolzen Alter von 34 Jahren sein eigen. Weil er selber ein bisschen was davon versteht, fährt das Auto noch und es hat im letzten Dezember eine frische TÜV-Plakette bekommen. Aber der geforderten Schadstoffklasse, mit der man die grüne Plakette bekommt, entspricht er natürlich nicht. Oberhofer wohnt in der Goldenen-Bären-Straße und damit innerhalb des Gebiets, das nur mehr mit dieser grünen Plakette befahren werden darf. Er hat einen Anwohnerausweis, mit dem er seinen Ascona bisher auf Anwohnerparkplätzen abstellen durfte.

Johann Oberhofer ist gehbehindert. Foto: Hueber-Lutz

Demnächst wird Oberhofer 80 Jahre alt und er ist schlecht zu Fuß. Als Betriebsschlosser hat er früher viel mit Pickel und Schaufel gearbeitet, später mit dem Bagger, erzählt er. Die letzten 15 Jahre hat er seine Frau bis zu deren Tod gepflegt. „Dann hat es mich zusammengedreht“. Selber hat er auch schon zwei Schlaganfälle hinter sich. In seiner Wohnung bewegt er sich mit Krücken und Rollator. Aber ab und zu möchte er raus fahren in die Natur. Und zwar mit dem Auto, weil er mit dem Bus schlechte Erfahrungen gemacht habe.

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Mit dem Rollstuhl zum Auto

Zu seinem Auto kam er bislang mit dem Rollstuhl, denn mit dem Rollator kommt er auf dem Regensburger Kopfsteinpflaster nicht zurecht. Das war auch kein Problem, bis die Umweltplakette eingeführt wurde. Seither darf er seinen alten Ascona, der kein H-Kennzeichen für einen Oldtimer hat, nicht mehr in der Innenstadt parken. Wenn er stattdessen einen Parkplatz am Jacobi-Areal am Unteren Wöhrd ergattert, kann er die Entfernung von seiner Wohnung bis zum Auto mit dem Rollstuhl zurücklegen. Findet er dort keine Lücke für sein Fahrzeug, muss er ausweichen auf den Dultplatz oder zum alten Eisstadion. Dann hat er ein Problem.

„Herr Oberhofer wird eine befristete Ausnahmegenehmigung erhalten.“

Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt Regensburg

Denn sein Rollstuhl hat nur einen kleinen Akku. Zuhause kann er ihn laden und im Auto auch. Aber auf dem Weg dorthin „darf nichts dazwischen kommen“. Auf Nachfrage unseres Medienhauses teilte Juliane von Roenne-Styra für die Stadtverwaltung mit mit, dass laut Schwerbehindertenausweisverordnung im Schwerbehindertenausweis die Merkzeichen „AG“, „H“ oder „BI“ eingetragen sein müssten, damit der Rentner eine Ausnahmegenehmigung bekommt. Sie gehe davon aus, dass das nicht der Fall sei. Damit lag sie richtig. Ja, sagte Johann Oberhofer, diesen Eintrag habe er nicht. Er sei gehbehindert, zu 100 Prozent schwerbehindert und habe eine Begleitperson eingetragen, aber nur ein B im Ausweis stehen.

Hier sehen Sie, wo die Umweltzone gilt:

Große Freude

Trotzdem sehe er angesichts der geschilderten Situation keine Möglichkeit, wie er noch zu seinem Fahrzeug kommen soll. Das Beste sei wohl, er würde ihn verschrotten, sagte er resigniert. Unser Medienhaus wandte sich erneut an die Stadtverwaltung, schilderte die Situation des fast 80-Jährigen und fragte, ob es auch Ausnahmegenehmigungen jenseits der Vorgaben gebe. Kurze Zeit später schickte Juliane von Roenne-Styra eine für den Rentner sehr erfreulichen Nachricht: „Herr Oberhofer wird eine befristete Ausnahmegenehmigung erhalten.“ Johann Oberhofer verschlug es kurzzeitig die Sprache, dann war die Freude riesengroß: „Da bekomme ich aber einen schönen Osterhasen. Danke, danke, danke!“

Saubere Luft

  • Umweltzone:

    Seit dem 15. Januar gibt es in Regensburg diese Zone. Sie umfasst die Altstadt vom Alleengürtel bis zur Donau und erstreckt sich vom Jakobstor bis zum Ostentor.

  • Hintergrund:

    Die Werte von Stickstoffdioxid und Feinstaub sollen sich innerhalb der von der EU vorgeschriebenen Grenzen bewegen. Die Umweltplakette ist eine der Maßnahmen.

  • Strafe:

    Damit will die Stadt für bessere Luft sorgen. Wer ohne die grüne Umweltplakette in diesen Bereich einfährt, der muss mit einem Bußgeld von 80 Euro rechnen. (lhl)

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