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Donnerstag, 21. Juni 2018 29° 8

Natur

Bienenvolk zu Gast im Café

Tausende Insekten ließen sich im Garten des Museumscafés nieder. Ein Imker fing sie ein. Woher sie kamen, ist unklar.
Von Kathrin Robinson und Simone Grebler

  • Imker Rudolf Fischer holte die Bienen vorsichtig von dem Gemäuer. Foto: Museumscafé
  • Beeindruckende Szenen im Garten des Museumscafés. Foto: Museumscafé
  • Am Montagmorgen waren die Bienen sicher im Bienenstock und konnten abtransportiert werden. Foto: Museumscafé
  • Imker Rudolf Fischer holte die Bienen vorsichtig von dem Gemäuer. Foto: Museumscafé

Regensburg.Es duftet nach Rosen. Der Blick schweift über Säulen und Spitzbögen. Der Lärm der Innenstadt scheint hier ganz weit weg zu sein. Der Garten des Museumscafés in Regensburg ist ein sehr idyllisches Plätzchen, keine Frage. Das dachten sich offenbar auch Tausende Bienen, die sich am Sonntagabend auf der Suche nach einem neuen Heim auf dem Brunnen in dem lauschigen Innenhof zwischen Historischem Museum und Minoritenkirche niederließen.

Beeindruckende Szenen im Museumscafé-Garten. Foto: Museumscafé
Beeindruckende Szenen im Museumscafé-Garten. Foto: Museumscafé

Mit seinem lauten Summen bot der Bienenschwarm ein faszinierendes Naturschauspiel, das allerdings nur noch die Belegschaft des Cafés mitbekam. Gäste waren laut Alexandra Stein, der Pächterin des Cafés, nicht mehr im Garten, als es sich die schwarze Insektenwolke gegen 17 Uhr auf dem Brunnen bequem machte. Auch sie selbst weilte zu dem Zeitpunkt schon im Urlaub. Zwei Mitarbeiterinnen hätten die Feuerwehr informiert, erzählt sie am Tag danach. „Dort meinte man, wir sollten den Schwarm erstmal sitzen lassen und schauen, ob er am nächsten Tag noch da ist. Aber in einem öffentlichen Café ist das natürlich schwierig.“

Bienen folgen der Königin

Imker Rudolf Fischer holte die Bienen vorsichtig von dem Gemäuer. Foto: Museumscafé
Imker Rudolf Fischer holte die Bienen vorsichtig von dem Gemäuer. Foto: Museumscafé

Stein gab daher einem befreundeten Imker Bescheid. Rudolf Fischer kam noch am Abend aus Ziegetsdorf und machte sich daran, das offenbar herrenlose Bienenvolk wieder einzufangen. Dazu schüttelte er die Bienen vorsichtig vom Brunnen in einen Fangkasten und setzte sie in einen mitgebrachten Bienenstock. „Wichtig dabei ist, dass man die Königin erwischt“, erklärt er. „Denn hat man die Königin, dann folgen die anderen Bienen nach.“ 15 000 bis 20 000 Bienen dürfte der Schwarm im Garten des Museumscafés gehabt haben, schätzt der Imker.

Bienenschwärme treten zu dieser Jahreszeit häufiger auf. „Das ist eine völlig normale Art der Vermehrung der Bienenvölker“, betont Fischer. Das bestätigt auch Tobias Niebauer, zweiter Vorsitzender des Imkervereins Regensburg Nord. „Schon ab März beginnen die Königinnen damit, bis zu 2000 Eier pro Tag zu legen. Das heißt, dass im Mai und Juni die Anzahl der Bienen in einem Volk massiv nach oben geht.“

Auf der Facebookseite des Museumscafés gab es viele Kommentare zu den Kaffeehaus-Bienen:

Brauerei vermisst keine Bienen

Zu dieser Zeit legen die Bienen auch sogenannte Weiselzellen an, in denen junge Königinnen heranwachsen. Rund zwei Tage bevor eine junge Königin schlüpft, fliegt die alte Königin mit etwa der Hälfte des Volkes ab, um sich ein neues Zuhause zu suchen. Der Brunnen im Garten des Museumscafés war wohl eine geeignete Zwischenstation, von wo aus Spurbienen die Umgebung erkunden konnten.

Woher die Bienen kamen, ist unklar. Rudolf Fischer vermutete zunächst, dass es sich um ein Volk der Brauerei Bischofshof handeln könnte, die vor kurzem drei Bienenvölker auf ihrem Gelände angesiedelt hatte. Das berichtete auch das Wochenblatt am Montag.

Doch bei der Brauerei vermisst man keine Bienen. „Der Imker hat noch einmal nachgeschaut, aber alle Völker sind da“, sagte Laila Schmidt von Bischofshof auf Anfrage der Mittelbayerischen. Auch der Experte der Bieneninitiative „Beefuture“ habe ihr versichert, dass Bienen für gewöhnlich nicht so weite Strecken zurücklegen. Seit Montagmorgen befindet sich das herrenlose Volk nun bei Imker Rudolf Fischer im Garten. Dort hat es eine neue Heimat gefunden. Denn unter Imkern ist es so: Wenn herrenlose Schwärme eingefangen werden, gehören sie dem Fänger.

Schwarmtrieb

  • Vermehrung:

    Im Frühsommer erreicht ein Bienenstaat seinen größten Bestand an Bienen. Dann wird es im Bienenstock eng.

  • Umzug:

    In Weiselzellen wachsen neue Königinnen heran. Kurz bevor eine neue Königin schlüpft, verlässt die alte Königin mit einem Teil des Volkes den Bienenstock. Diese Bienen versammeln sich dann in der Nähe des alten Bienenstocks in einer Schwarmtraube. Von dort aus kundschaften sie die Umgebung nach geeigneten neuen Behausungen aus.

  • Schwarmverhinderung:

    Viele Imker „schröpfen“ ihre Völker, entnehmen ihnen also Bienen und Waben, um das Schwärmen zu verhindern.

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