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Glauben

Bischof kommentiert Leitkultur-Debatte

Dr. Rudolf Voderholzer sagt im Regensburger Dom: Der Erhalt der christlich geprägten Kultur sei „kein Selbstläufer“.

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer taufte am Karsamstag acht Erwachsene. Foto: Veit Neumann/Bistum Regensburg

Regensburg.Der Regensburger Bischof Dr. Rudolf Voderholzer hat in seiner Predigt am Ostersonntag im Regensburger Dom einen Beitrag zur aktuellen Leitkultur- und Religionsdebatte in Deutschland geliefert. Einer Mitteilung zufolge, die sein Sprecher Veit Neumann verschickte, sagte er: „Dieses Land ist zutiefst christlich geprägt. Ich verstehe die Diskussion darüber nicht.“

Horst Seehofer hatte kurz nach seiner Vereinigung zum Bundesinnenminister Mitte März gesagt: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland.“ Deutschland sei „durch das Christentum“ geprägt, hatte er ergänzt. Er hatte damit dafür gesorgt, dass die Debatte, die einst mit einer Äußerung Christian Wulffs aus dem Jahr 2010 („Der Islam gehört zu Deutschland“) aufgeflammt war, wieder auflebte. Kanzlerin Angela Merkel hatte Seehofer widersprochen. Die historische Prägung Deutschland sei „natürlich eine christliche, eine jüdische“. Aber inzwischen lebten in Deutschland Millionen von Muslimen, so dass ihre Religion „inzwischen ein Teil Deutschlands“ geworden sei. In der Karwoche hat sich auch Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble zu dem Thema zu Wort gemeldet: „Alle müssen sich damit auseinandersetzen, dass der Islam ein Teil unseres Landes geworden ist“, sagte er, wie die Nachrichtenagentur dpa am Samstag meldete.

Der Bischof sagte nun: Die christliche Prägung Deutschlands sei „kein Automatismus oder gar Selbstläufer“. In diesem Zusammenhang erklärte er, zum Erhalt der christlich geprägten Kultur seien weniger nationalistische Parolen auf Montagsdemonstrationen notwendig, sondern die Heiligung der Sonn- und Feiertage sowie die Feier des Todes und der Auferstehung Jesu „zur Stärkung unseres Glaubens an den lebendigen und Leben schaffenden Gott“. Notfalls würden allerdings „die Steine der Kirchen noch länger predigen als wir“.

Die Fürbitten wurden im Ostergottesdienst am Sonntag in fünf Sprachen vorgetragen. Foto: Veit Neumann/Bistum Regensburg

Der Gottesdienst am Ostersonntag war nicht nur durch die Weltsprache der Kirche, das Latein, geprägt – „als Ausdruck der Verbindung mit Papst Franziskus in Rom, der dort den traditionellen Ostersegen Urbi et Orbi spendete“, teilte der Bistumssprecher mit. Die Messe war vielsprachig: Die Lesung wurde einstweilen auf Vietnamesisch vorgetragen, die Fürbitten dafür auf Suaheli, Ungarisch, Russisch, Albanisch und Griechisch.

Erneut rief der Bischof am Sonntag am Ende des Gottesdienstes den Segen Gottes auf die mitgebrachten Osterspeisen und -getränke herab, diesmal auch auf die Schokoladenosterhasen, die er nach dem Gottesdienst den vielen Regensburger Domspatzen überreichte – jedem einzeln. Die Buben hatten die Gottesdienste der gesamten Kar- und Ostertage gesanglich gestaltet.

Der Bischof überreichte den Domspatzen Schokoladenosterhasen, die er zuvor gesegnet hatte. Foto: Veit Neumann/Bistum Regensburg

Bereits am Vorabend, der Osternacht, hatte Bischof Voderholzer acht erwachsene Menschen im Dom getauft. Die Feier der Osternacht ist der Termin, an dem traditionell erwachsene Menschen dieses Sakrament empfangen.

Die Neugetauften traten einzeln vor den Bischof. Sie stammen aus verschiedenen Pfarreien im Bistum Regensburg. Im Anschluss an den Gottesdienst dankte der Regensburger Bischof im benachbarten Haus Heuport den Erwachsenen bei einem frohen Beisammensein und übergab ihnen Rosenkränze für das Gebet. Bereits zuvor hatte er den fünf Frauen und drei Männern im Regensburger Dom für ihr Bekenntnis und ihr Zeugnis in der Öffentlichkeit gedankt.

Zunächst hatte der Bischof das Osterfeuer vor dem Dom gesegnet und die Bedeutung Jesu Christi für alle Zeiten hervorgehoben. Im großen liturgischen Zug war dann die kleine Flamme in die bis dahin dunkle Kirche getragen worden, wo sie verteilt wurde und den Raum in sanftes Kerzenlicht hüllte. In mehreren Lesungen trugen Lektoren die Berichte und Texte von Gottes Schöpfungs- und Erlösungstaten vor. Beim Osterjubel wurde die versammelte Gemeinde von strahlendem Licht erhellt. Die Orgel, die am Abend des Gründonnerstags verstummte, war wieder zu vernehmen.

In seiner Predigt wies Bischof Rudolf Voderholzer auf die Größe des Menschen hin. Als Ebenbild Gottes komme ihm eine unzerstörbare Würde zu. Er erinnerte an die Aussagen Romano Guardinis. Der Religionsphilosoph hatte einst darauf aufmerksam gemacht, dass der Mensch das einzige Wesen ist, zu dem Gott spricht. Der Mensch kann demnach Gott hören und sein Adressat sein. Wenn der Mensch bete, sei der Mensch in höchstem Maße Mensch. Wenn sich der Mensch dieser eigenen Größe aber nicht mehr bewusst sei, „kreuzt er sich zurück zum nackten Affen“ (Karl Rahner). Ostern feiern heiße auf Christus, den neuen Adam, schauen, führte Voderholzer aus. Die Erlösung sei geschehen, als Christus den alten Adam der Sünde in Tod und Auferstehung überwunden habe. (rj)

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