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Fußball

Bischof tippte den Weltmeister richtig

War es Eingebung? Oberkirchenrat Dr. Hans-Martin Weiss hat bei unserem Promi-Tipp als einziger auf Frankreich gesetzt.
Von Helmut Wanner

Ein Leben lang ein Freund des Fußballs: Hans-Martin Weiss als junger Vikar auf dem Platz Foto: Weiss
Ein Leben lang ein Freund des Fußballs: Hans-Martin Weiss als junger Vikar auf dem Platz Foto: Weiss

Regensburg.Der evangelische Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss hatte am Sonntag einen richtig guten Tag. Er düpierte die prominente Konkurrenz, allen voran Ex-Bundesligaprofi Hansi Dorfner und den katholischen Stadtdekan Roman Gerl.

Wer wird Weltmeister? Diese Frage hatte die Mittelbayerische Zeitung im Juni an Bürgermeister, Theologen, Wirte, Geschäftsführer und bekannte Sportler gerichtet. Sieben tippten auf Deutschland, drei auf Brasilien – nur einer lag richtig: der Regensburger Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss (60). Wie kommt das?

Gedächtnis für Tore und Lieder

Wir sprechen am Telefon einen hörbar aufgeräumten Hirten von 300 000 evangelischen Christen in Niederbayern und der Oberpfalz. „Eingebung?“ Der Bischof lacht. Schon bei der letzten WM in Brasilien habe Frankreich gut gespielt, erklärt Dr. Weiss am Telefon. „Hummel hat uns damals ins Halbfinale geköpft.“ An das kann er sich erinnern? „Fußballergebnisse und Lieder aus dem Gesangbuch kann ich mir merken“, sagt Weiss.

„Fußballergebnisse und Lieder aus dem Gesangbuch kann ich mir merken“

Regionalbischof Hans-Martin Weiss

Kunststück: Er wurde 1957 in eine Familie von Kirchenmusikern geboren. Sein Vater war ein Fußball-Fan. Er trug sich im September 1994 in der Martha-Kirche in das Kondolenzbuch ein für Club-Stürmer Max Morlock, Türschützen beim Wunder von Bern. Als der Nürnberg 1968 Deutscher Meister wurde, hat der junge Hans-Martin Weiss alle Spieler des 1. FC Nürnberg wie Strehl, Wabra und Wenauer auf leere Papptrommeln aufgeklebt, die noch frisch nach „Omo“ rochen.

„Ein Stahlstiefel auf links“

Regionalbischof Dr. Hans Martin Weiß beim Festgottesdienst anlässlich des Reformationstages Foto: Lex
Regionalbischof Dr. Hans Martin Weiß beim Festgottesdienst anlässlich des Reformationstages Foto: Lex

Hans-Martin Weiss‘ Fußballprognose ist gegründet auf Sachverstand und Leidenschaft. Schwarzweiß-Fotos zeigen Hans-Martin Weiss als jungen Vikar auf dem Fußballplatz. „Ich war ein Stahlstiefel auf links“, bekennt Weiss. Will sagen: Seine Position war die eines linken Verteidigers; er war kompromisslos, es gab gegen ihn kaum ein Durchkommen.

Auf der Linie gerettet. Foto: Weiss
Auf der Linie gerettet. Foto: Weiss

In einem Verein hat er nie gespielt, er war auf der Straße zu finden. „Überall waren Torplätze am Fluss. Da fanden sich immer acht, neun Jungs zum Kicken.“ Der Fluss hieß Regnitz, die Stadt Fürth oder „Färdd“, wie die Einheimischen sagen. Den Dialekt verliert man genauso wenig wie die Liebe zu den Kleeblättern, dem dreifachen Deutschen Meister SpVgg Fürth. Hans Martin Weiss: „Bei der Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland hat man den amerikanischen Außenminister Henry Kissinger interviewt. Er hat im Original-Färrderisch gesagt, er erinnere sich noch gut an den Färdder Mittelläufer Leinberger.“

Die Dreierkette Foto: Weiss
Die Dreierkette Foto: Weiss

Weiss ist zwar in Sulzbach-Rosenberg geboren, aber bereits im Alter von 6 Jahren nach Fürth-Ronhof, gezogen. „Ob als Jugendlicher oder als Student: Bei jedem Heimspiel war ich im Stadion“, bekennt der Regionalbischof. Wegen seiner Nervenkrankheit Parkinson, die seit Jahren sein Begleiter ist, hat er sich vom aktiven Fußballsport notgedrungen auf die Analyse der Begegnungen verlegt. „Alle vier Halbfinal-Begegnungen habe ich mir angesehen“.

Anweisungen an die Abwehr Foto: Weiss
Anweisungen an die Abwehr Foto: Weiss

Heute träumt Hans-Martin Weiss von diesen Zeiten, als jeden Samstag „Heute im Stadion“ mit Fritz Hausmann zu seinen Kultsendungen gehörte. Hausmann hatte sich nach der Einführung der Bundesliga 1963 als BR-Sportchef diese Sendung ausgedacht, die noch heute 8,6 Millionen Zuhörer zählt. Hans-Martin Weiss hat eine besondere Beziehung dazu: „Fritz Hausmann war später in München mein Gemeindeglied“, freut sich der Regionalbischof.

Der Kirchenmann

  • Vita:

    Dr. Hans-Martin Weiss wurde 1957 in Sulzbach-Rosenberg geboren. Er studierte evangelische Theologie in Erlangen, Bonn und Wien. 1984 wurde er in Fürth ordiniert.

  • Amt:

    Am 1. April 2004 trat Weiss sein Amt als Oberkirchenrat im Kirchenkreis Regensburg an. „Es ist mir ein besonderes Anliegen, auch ein Gespür zu haben für das Lebensgefühl der Menschen in der heutigen Zeit, das sich zum Teil von traditionellen gesellschaftlichen und kulturellen Prägungen entfernt hat“, sagte Weiss.

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