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Architektur

Das ist der Siegerentwurf fürs Museum


Von Marianne Sperb, MZ

So also soll das Bayern-Museum am Donaumarkt aussehen: ein interessant verkanteter Naturstein-Bau mit abfallenden und aufsteigenden Dachflächen, mit teils kleinporig gerasterter Fassade, mit einem großen Fenster zum Dom, hinter dem sich ab 2018 die Abteilung „Der Himmel der Bayern“ auftun wird, mit offenem Durchblick vom Kolpinghaus zur Donau und mit einer Fuge, die die historische Gassensituation zitiert.

Die Jury kürte am Samstag das Frankfurter Büro Woerner und Partner zum Sieger des internationalen Wettbewerbs. Drei Trümpfe stachen: Der Komplex bleibt im Maßstab altstadttauglich, zeigt aber die Präsenz, die einem zeitgenössischen 60-Millionen-Euro-Prestigeprojekt zusteht, und es nutzt die Lage direkt am Fluss mit einem großzügigen Freiraum zum Ufer so betörend wie bisher kein anderer öffentlicher Regensburger Bau.

„Ein deutliches Jury-Ergebnis“

Die 15 Preisrichter hatten es mit einem Giga-Wettbewerb zu tun, koordiniert vom Staatlichen Hochbauamt und dem Regensburger Architekturbüro Pfab/Rothmeier. 254 internationale Entwürfe, gehängt auf zwei Etagen eines leerstehenden Möbelhauses, summierten sich zu 890 laufenden Metern an Plänen. Die Jury schritt die Stellwände an insgesamt fünf Sitzungstagen mehrfach ab. „Der größte Wettbewerb, an dem ich bisher teilgenommen habe“, bekannte Jury-Vorsitzender Josef Peter Meier-Scupin. Kunstminister Dr. Wolfgang Heubisch zeigte sich am Samstagabend vor Journalisten überrascht von der Vielfalt der Arbeiten. Er sprach von einem „nicht eindeutigen, aber deutlichen“ Jury-Ergebnis.

Einige Büros setzten sich mit Regensburger Giebelständen und Speicherbauten auseinander. Andere Architekten entwarfen Solitäre, vom Ort losgelöste Ufos, und wieder andere, wie Woerner, entwickelten aus stadtbildprägenden Strukturen heraus einen eigenständigen Vorschlag.

Die Altstadt-Giebel-Fraktion fand in der Jury keine Freunde. Regensburgs Originale können auf heutige Kopien gut verzichten, fanden offenbar auch die vertretenen Denkmal-Experten. Außergewöhnliche Beiträge dagegen wurden belohnt.

Das Büro Pernthaler Graz entwarf eine kühne Sprungschanze mit Haarnadelkurve, die sich zum Dom mit einem großen Fenster öffnet. Die Fassade belegten die Grazer mit Platten, die auswechselbare gerasterte Porträts von Bayern zeigen. Die Österreicher wollten „der Heimat ein Gesicht geben“ und interpretierten die Bilder von lebenden Menschen als Gegenentwurf zu den toten „Übermenschen“ in der Walhalla. Der interessante Entwurf kam auf Platz zwei.

Reinhard Bauer (München) kam auf Platz drei. Sein konzentrierter Kubus mit auffälligen Wellen-Fenstern, die Bavariathek und die Verwaltung in Extra-Gebäuden an Nachbarhäuser geschmiegt, fand ebenfalls viel Beifall in der Jury. Mit einem Niveau sieben Meter über der Donau fehlte dem Würfel aber das Erlebnis Fluss; auch Höhe und Nutzung blieben kitzlige Punkte.

Mit Dotter+Payer sind auch Regensburger unter den fünf Preisträgern vertreten. Die Oberpfälzer traten im Team mit zwei Mini-Büros an: mit BUBE/Daniela Bergmann Rotterdam und mit Vukoja/Goldinger Zürich. Ulrich Dotter freute sich am Samstag über Rang vier, betonte aber: „Die Gratulation gebührt unseren Partnern; die haben die Arbeit geleistet.“

„Wetterschutz für die Ausstellung“

Nach der Jury-Entscheidung steht keineswegs fest, ob das Museum so gebaut wird, wie Woerner es vorschlägt. Mit den fünf Preisträgern werden jetzt erst noch Details vertieft. Das Frankfurter Büro mit rund 120 Mitarbeitern, bekannt für Klinikum-Bauten, hat die Umsetzung aber im Kreuz und dass Woerner den Auftrag erhält, gilt als wahrscheinliche Option. Über Material und die Treppen im Foyer dürfte noch gesprochen werden.

Die Preisträger sollten bereits Ende März feststehen. Weil kein Entwurf auf Anhieb vollständig überzeugte, besserten fünf Büros nach. „Die eierlegende Wollmilchsau“ sei auch unter 254 Entwürfen nicht vertreten gewesen; „die gibt es auch nicht“, betonte OB Hans Schaidinger. Er kommentierte das Jury-Ergebnis zurückhaltend: Für eine so komplexe Aufgabe könne es nur einen Kompromiss geben. Mit Woerners Entwurf würden die Kriterien aber „in keinem Punkt unterschritten“.

Dr. Richard Loibl vom Haus der Bayerischen Geschichte Augsburg – von ihm stammt das Museumskonzept – wirkte am Samstag am wenigsten glücklich. Er nannte das Gebäude sogar „einen Wetterschutz für unsere Ausstellung“. Der Sieger-Entwurf habe zwei Vorzüge: Er öffne sich nach außen, was der demokratischen Haltung des Museums entspreche, und er biete viel Ausstellungsfläche. Die Schlacht um Akzeptanz und Besucher werde aber im Museum geschlagen, nicht draußen.

Der Freistaat baut das Museum der Bayerischen Geschichte am Donaumarkt bis 2018 für rund 60 Millionen Euro. Am Samstag entschied die Jury, wie das Gebäude aussehen soll. Den ersten Preis errang Woerner Frankfurt/M., den zweiten Preis Pernthaler Graz, den dritten Preis Reinhard Bauer München, den vierten Preis die Arbeitsgemeinschaft BUBE/Daniela Bergmann Rotterdam, Vukoja/Goldinger Zürich und Dotter+Payer Regensburg, den fünften Preis Gerber Dortmund. Weitere vier Entwürfe wurden angekauft.

Ministerpräsident Horst Seehofer hat den Vortritt: Er präsentiert die Pläne am 7. Mai in einer Ministerratssitzung, die angeblich in Regensburg stattfinden soll. Im Anschluss können sich die Bürger ein Bild von sämtlichen 254 Vorschlägen machen. Die Entwürfe werden von 8. bis 24. Mai im ehemaligen Möbelhaus Wagner (Landshuter Straße/Ecke Benzstraße) ausgestellt.

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