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Regensburg
Montag, 23. Juli 2018 29° 2

Kurs

Das Schlauchhorn klingt edel

Beim Instrumentenbau entdeckten Kinder, dass sich vieles zum Musizieren eignet. Ein Schlauch mit Trichter wird dann zum Horn.
Von Angelika Lukesch

Seraphim bastelt mit seinen Eltern ein Schlauchhorn. Foto: Lukesch
Seraphim bastelt mit seinen Eltern ein Schlauchhorn. Foto: Lukesch

Regensburg.Der kleine Seraphim arbeitet mit großer Konzentration. Er will ein Stück Gartenschlauch abschneiden und dafür muss er viel Kraft aufwenden, denn die Schere schneidet einen Schlauch nicht so leicht durch. Gut, dass Mama und Papa mit dabei sind und ihm bei dieser schwierigen Aufgabe helfen. Seraphim ist in das Haus der Musik gekommen, um Instrumente bauen zu lernen. Der Instrumentenbaukurs gehört in den Bereich der elementaren Musikpädagogik (EMP). Bei diesem Kurs, der von Polina Danilova und Kathrin Hackl, beide Lehrkräfte für elementares Musizieren, geleitet wird, gibt es für die mehr als 20 Kinder zwischen vier und sieben Jahren, die daran teilnehmen, eine ganze Menge zu entdecken. „Ihr könnt euch heute hier fünf Musikinstrumente selbst basteln, und zwar ein Schlauchhorn, eine Rassel, eine Ratsche, Klangstöcke und eine Triangel.“

Einfache Bauteile

Die Kinder staunen und auch die Eltern sind beeindruckt. Auf fünf Tischen haben Danilova und Hackl alle Utensilien aufgebaut und vorbereitet, die die Kinder benötigen, um die genannten Instrumente zu bauen. Für das Schlauchhorn sind nur ein Gartenschlauch, ein Klebeband, ein Haushaltstrichter und ein Schlauch-Endstück nötig. Polina Danilova zeigt den Kindern, wie es geht. Zuerst muss ein Stück Schlauch abgeschnitten und gedreht werden. Dann wird es mit Klebeband fixiert und erhält den Trichter sowie das Endstück an den beiden Enden. Die Kinder arbeiten konzentriert und unter „Zuhilfenahme“ von Mama und Papa. Schnell sind die ersten Schlauchhörner entstanden, nun gilt es nur noch, einen Ton herauszubringen. Danilova zeigt, wie man in das Endstück hineinprusten muss: „Wie ein Pferd,“ sagt sie und macht es vor. Kathrin Hackl kann dem Schlauchhorn richtig schöne Töne entlocken. Die Rassel wird aus Pappe-Rohren gefertigt, indem man ein Stück abschneidet, die eine Seite abklebt, sie mit Reis füllt, die andere Seite abklebt und fertig ist die Rassel. Ebenso leicht gehen die Ratschen (wichtigstes Utensil ist Schleifpapier), die Triangel und die Klangstöcke. Am Ende des Kurses ertönt ein gemeinsames Konzert auf den neuen Instrumenten, das ein ganz besonderes Klangerlebnis darstellt. Elementare Musikpädagogik ist eine wichtige Grundlage für Kinder. „Die Musik ist eine universelle Sprache und jeder kann sie lernen“, sagt Wolfgang Graef, Leiter der Sing- und Musikschule Regensburg und Referent für musische Bildung. Kinder können diese Sprache wie eine Muttersprache erlernen. Die beiden Lehrerinnen Kathrin Hackl und Polina Danilova geben im Bereich der elementaren Musikpädagogik (elementares Musizieren, Eltern-Kind-Musizieren, Trommelkurse) Kurse an der Sing- und Musikschule (Montag 15 bis 16 Uhr, Mittwoch 15.30 Uhr bis 16.30 Uhr, Donnerstag 15.15 Uhr bis 16.15 Uhr) und auch im Katholischen Gemeindezentrum St. Franziskus in Burgweinting am Dienstag von 15 bis 16 Uhr. Eine weitere Gruppe findet am Donnerstag um 15 Uhr im Kinderhaus an der Naabstraße statt. Das Ziel der elementaren Musikpädagogik ist, die Kinder in der Prägephase vor dem achten Lebensjahr für sämtliche Musikrichtungen zu öffnen.

Musik ist Orientierung

Wolfgang Graef hält die Beschäftigung mit Musik auch für eine wertvolle Lebenshilfe. „Musik kann dem Leben Struktur, Ziel und Inhalt geben, sie kann auch in schwierigen Lebenslagen ein Anker sein, an dem man seine Vergangenheit und Zukunft ausrichtet. Musik gibt Orientierung!“ Je frühzeitiger ein Kind sich mit dem elementaren Musizieren befasse, umso besser sei es. Musik mache aufmerksamer, heller, konzentrierter und trage zum positiven Denken und auch zur Leistungsbereitschaft bei, sagt Graef. Wichtig sei auch zu wissen, dass die elementare Musikpädagogik, die in die musikalische Früherziehung übergeht, Voraussetzung dafür ist, an der Sing- und Musikschule Regensburg ein Instrument erlernen zu können. Die Vormerkliste für den Instrumentalunterricht im Haus der Musik sei sehr lang und diejenigen, die eine musikalische Grundausbildung (EMP) besitzen, werden zuerst berücksichtigt. Die Lernfelder des elementaren Musizierens für Kinder ab vier Jahren liegen im Bereich Singen und Sprechen, Tanzen und Bewegung, szenisches Spiel, Instrumentenkunde, elementares Instrumentalspiel, Musik hören und Musiklehre. Die Lehrerinnen Kathrin Hackl, die an der Sing- und Musikschule im Fach Horn unterrichtet, kam selbst im Alter von sechs Jahren in einer Singklasse zum ersten Mal mit Musik in Berührung. Ihr ist es ein Anliegen, diese Freude am gemeinsamen Musizieren weiterzugeben. Polina Danilova hat bereits während der Studienzeit (Hochschule für Musik in Nürnberg) vier- bis sechsjährige Kinder im elementaren Musizieren unterrichtet. Ihr ist es sehr wichtig, dass jeder Mensch einen Zugang zur Musik bekommt und dass die Freude am Musizieren nicht verlorengeht.

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