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Erfolg

Das spezielle Pokalerlebnis

Der Regensburger Carlos Sternecker traut Niko Kovac bei Bayern viel zu. Beim Pokalsieg war er für Frankfurt im Einsatz.
Von Claus-Dieter Wotruba

Stolzer Blick auf eine Trophäe: Carlos Sternecker (l.) und Niko Kovac mit dem DFB-Pokal.
Stolzer Blick auf eine Trophäe: Carlos Sternecker (l.) und Niko Kovac mit dem DFB-Pokal.

Regensburg.Herr Sternecker, woher rührt der enge Kontakt mit dem neuen Bayern-Trainer Nico Kovac und seinem Bruder Robert?

Ich war 1997 immer wieder mal bei Bayer Leverkusen eingeladen von Ulf Kirsten, den ich beim Eder-Klaus kennengelernt habe und dadurch den ersten Kontakt mit den Kovac-Brüdern hatte. 2000 kam ich als festangestellter Physiotherapeut nach Leverkusen und war ein halbes Jahr tätig. Nico ging nach Hamburg, Robbie nach München – durch die räumliche Nähe habe ich ihn immer wieder mal behandelt.

Und wie kommt man zu einem Job bei der kroatischen Nationalmannschaft? Man sagt ja nicht: „Hallo, ich bin Carlos Sternecker und würde Euch gerne betreuen?“

2004 wurde ich kurz vor der EM in Portugal gefragt, ob ich Lust hätte mitzufahren. Niko hat sich damals mit Boris Zivkovic, dem Spielführer in Leverkusen, entschieden mich mitzunehmen. 2006 ging es soweit, dass nach der WM in Deutschland der Trainerwechsel zu Slaven Bilic kam – und ab dem Zeitpunkt habe ich jedes Spiel mitgemacht, Freundschaftsspiele und Qualifikationen, zehn Jahre lang.

Es folgte der Rückzug – bis Eintracht Frankfurt kam.

Irgendwann merkt man, es reicht. Man wird ja nicht jünger. Und die Familie hatte ja auch zu leiden. Die EM 2016 war ein schöner Abschluss mit Kroatien. Es gab heuer die Anfrage, ob ich nicht doch wieder mit zur WM fahre. Dann kam irgendwann Niko Kovac nach Frankfurt, den ich eben schon so lange kannte. Er hat erst mal den Abstieg verhindert und dann geschaut, wo er in seinen Augen etwas verbessern kann. Er hat mich gefragt und da versucht man, dass man sich einigt. Es macht ja immer wieder auch Spaß.

Wie sah der Eintracht-Job aus?

Es war angedacht, fest hinzugehen. Mit der Praxis in Regensburg ist das aber nicht so einfach. Jetzt mache ich die Trainingslager in der Vorbereitung mit – und einige Auswärtsspiele wie Hamburg, Hannover und Berlin, in der Rückrunde die Eintracht-Auswärtsspiele bei Bayern und Augsburg, für mich ja Heimspiele. Und in der neuen Saison kommt Nürnberg dazu. Mal schauen.

Das heißt in Frankfurt geht es für Carlos Sternecker weiter – unabhängig von Niko Kovac?

Ja. Ich komme mit den Kollegen super aus, die machen Toparbeit. Und ein Fredi Bobic (Sport-Vorstand in Frankfurt, d. Red.) und Bruno Hübner (Sportdirektor, d. Red.) sind überragende Menschen. In den vergangenen zwei Jahren wurde wahnsinnig viel erreicht. Der Verein ist anders strukturiert. Das sieht man: Es werden Transfers möglich, die Sponsoren werden mehr. Auch ein neues Trainingszentrum wird gebaut. Für die Fans und den Verein war der DFB-Pokalsieg eine Riesensache.

Sie waren im Stadion dabei und auch beim Empfang am Römer?

Ja. Das ist etwas Spezielles. Den Pokal zu gewinnen, ist etwas Einzigartiges.

Schon mal so etwas miterlebt?

Nein, wir waren ja vergangenes Jahr gegen Dortmund schon im Finale. Da ging es nicht so gut aus, aber man hat‘s gekannt. Aber ein 3:1 gegen Bayern München ist ein Riesending.

Aus welcher Perspektive haben Sie das Spiel erlebt?

Ich war mit ein paar Kollegen auf der Tribüne und konnte leider Gottes nicht auf dem Platz feiern, aber trotzdem freut man sich riesig über den Erfolg.

Frankfurt wurden im Vorfeld nicht gerade hohe Chancen eingeräumt: Haben Sie dran geglaubt, dass die Bayern zu schlagen sind? War das zu spüren?

Ich bin am Donnerstag mit der Mannschaft nach Berlin geflogen und habe mit ihr gearbeitet. Es war spürbar, heiß und fokussiert die Jungs sind. Wenn du da hinfährst und glaubst nicht an dich, brauchst du gar nicht hinfahren.

Wie das Pokalfinale von Eintracht Frankfurt gegen Bayern München lief, lesen Sie hier.

War die Stimmung anders als bei einem normalen Bundesligaspiel?

Definitiv. Es ist etwas Eigenes. Der Pokal ist eine Super-Einrichtung, eine Super-Veranstaltung, auch die Stimmung. Ein Endspiel hat immer einen eigenen Charakter, eigenen Kitzel. Das ist ein Gefühl, das sind pure Emotionen. Du musst Fan sein, den Sport lieben – ohne ist die Stimmung nicht zu vermitteln.

Viele Endspiele hat Eintracht Frankfurt ja auch nicht unbedingt.

Das Endspiel vor einem Jahr war schon ein Wahnsinnserfolg für Frankfurt – und jetzt einen draufzulegen nach dem ganzen Hype um den Kovac-Wechsel...! Der Europapokal-Platz war auf der Rechnung. Dann schlägt Stuttgart Bayern am letzten Bundesliga-Spieltag in München 4:1 – damit hat keiner gerechnet. Du bist weg – und mit dem Pokalsieg wieder dabei. Ein Spiel verändert alles – das macht’s so interessant.

Dabei haben manche gedacht, dass Niko Kovac nach seinem Wechsel zu den Bayern das Saisonende in Frankfurt nicht erlebt – und dann wird er Pokalsieger.

Das schreibt der Fußball. Es ist alles so schnelllebig. Ich finde schade, dass man fragt, ob das der richtige Mann für Bayern München ist. Die, die ihn verpflichten, machen sich ihre Gedanken und haben gewisse Kriterien, die er in meinen Augen auch erfüllt. Und dass man in Frage stellte, ob er zum Saisonende in Frankfurt noch Trainer ist, ist fast schon respektlos.

Zur Person Carlos Sternecker

  • Die Anfänge:

    „Ich bin seit fast 30 Jahren in Regensburg“, sagt der 53-jährige Carlos Sternecker, „und in Mallersdorf-Pfaffenberg aufgewachsen.“ Beruflich ging es bei Klaus Eder los, dann auch „sieben, acht Jahre“ in der Praxis „Eder, Müller in der Königstraße“.

  • Klubs:

    Startpunkt waren „drei Jahre Handball, U-21-Nationalmannschaft, 1993 bis 1996.“ Dann kam Bayer Leverkusen – und auch ein Privat-Engagement bei Formel-1-Legend Michael Schumacher.

  • Praxis:

    Joachim Schmidt, Sterneckers Partner in seiner Praxis Corpus Care, das 2019 Zehnjähriges feiert, betreut „seit 20 Jahren die U-21-Nationalmannschaft. In Regensburg sind wir eine Physio-Hochburg“, sagt Sternecker, auch mit Blick auf das „Fifa Medical centre of excellence“ in der Stadt: „Da gibt es nur zehn weltweit.“

Was befähigt aus Ihren Erfahrungen heraus, einen Niko Kovac, Situationen wie in Frankfurt zu meistern – oder was ihn befähigen wird, bei einem internationalen Topklub wie dem FC Bayern seine Handschrift umzusetzen?

Er hat eine klare Struktur, ist ein authentischer Mensch. Was er sagt, das macht er. Er ist gerade heraus, bodenständig und selber ein sehr guter Fußballer gewesen, der mit viel Arbeit und Fleiß seine Karriere durchgezogen hat. Bis er 38 war: Das spricht auch für jemanden, wenn er solange dabei ist. Er hat viel erlebt, war Kapitän der Nationalmannschaft, selber bei Bayern Spieler, ansonsten bei Topklubs Hamburg, Leverkusen und Bayern, zum Schluss Salzburg. Sein Bruder Robert hat Turin, Dortmund, Bayern, Leverkusen, Nürnberg stehen – also, die wissen schon, um was es geht und was wichtig ist.

Sie machen mehr als Fußball. Tennis zum Beispiel.

Von Rot-Blau kam damals Michael Geserer auf mich zu, sagte: „Wir wollen aus der zweiten Liga aufsteigen und brauchen einen Physio. Da haben wir uns bereiterklärt, ihnen Florian Zitelsberger zur Verfügung zu stellen, der das überragend gemacht hat. Seit der Zeit sind wir verbandelt und schaffen den Background, wenn Probleme da sind.

Eine Geschichte zur Verbindung von Carlos Sternecker zum Tennis finden Sie hier.

Futsal kam auch dazu – und hat sich zu einer Herzensangelegenheit entwickelt.

Ich war da von Anfang an von der Idee begeistert, als das aufkam. Oliver Vogel, den Manager des Ganzen, kannte ich schon zuvor. Man schaut immer, was es Neues gibt, was es zu optimieren, zu verändern ist. Was ist gut für die Jugend, was fehlt dem Fußball, was haben wir nicht mehr, was wir bräuchten? Es hat sich sehr viel verändert die letzten Jahre: Futsal bietet die Möglichkeit, den Kindern den Straßenfußball zurückzubringen. Technisch ist die Ausbildung sowieso eine andere.

Sie schwärmen ja richtig.

Diese Mischung aus Futsal und Fußball begeistert mich. Man sieht, was man erreicht hat: Eine U 13, eine U 11, die erfolgreich spielen, auch gegen Bundesliga-Leistungszentren. Wir haben viele Möglichkeiten: Es ist sensationell, in zwei Jahren deutscher Meister zu werden im Futsal, den es schon lange gibt, der aber bei uns einfach nicht bekannt war. Das ging natürlich nur mit Unterstützung von Bayernspielern wie Thiago, Rafinha und Douglas Costa – sonst kriegst du so einen Hype nicht hin. Es steckt in den Kinderschuhen, aber wir haben schon viel erlebt, gesehen und erreicht – wenn es jetzt noch in Richtung einer Halle geht oder darum, ein Futsal-Fußball-Jugend-Ausbildungszentrum zu haben, das wäre sensationell. Ich bleibe definitiv dabei.

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