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Regensburg
Samstag, 24. Februar 2018 2

Messerschnitt

Das Wegschneiden ist sein Glück

Hans Lankes malt mit dem Skalpell. Er schneidet das Schwarz und zeichnet weiß. Ein Schnitt schafft Klarheit. Die liebt er.
Von Heinz Klein

  • Hans Lankes, seine Messerschnitte, sein Werkzeug: „Ich krieg‘ die Krise, wenn ich vier Tage von meiner Arbeit weg bin!“ Fotos: Heinz Klein
  • Die „Wandwesen“ sind derzeit im Naturkundemuseum zu sehen. Foto: Klein

Regensburg.Chirurg wollte Hans Lankes nie werden. Aber Künstler. Das wusste er schon mit elf Jahren, da war es schon entschieden. Man musste das ernst nehmen, denn Hans Lankes ist ein guter und sehr konsequenter Entscheider. Künstler wurde er zuerst mit der Gitarre, mit eigener Band und selbst geschriebenen Liedern. Das schien Erfolg zu haben, wenn nur nicht dieses fürchterliche Lampenfieber gewesen wäre. Doch das Lampenfieber war „too much“.

Also eine andere Kunst, nun mit Zeichenstift, Kohle und Pinsel. Hans Lankes begeisterte Akademie-Professoren, blieb aber Autodidakt. Doch ein einschneidendes Erlebnis, über das er nicht so gerne spricht, nahm ihm den Pinsel aus der Hand. Der Zeichner und Maler machte einen Schnitt in seinem Leben: Nie mehr malen!

Es geht um das, was nicht da ist

Messerschnitte in der Kapelle der Regensburger Universität: „Wir sind Pilger durch unsere Zeit“. Foto: Michael Spaan

Seit diesem Einschnitt macht Hans Lankes jeden Tag viele Schnitte. Er hat das Instrument des Chirurgen gewählt, um damit Kunst zu machen. Mit dem Skalpell in der Hand arbeitet er nicht selten bis zur Erschöpfung. „Ich bin so dankbar, dass ich jeden Tag in mein Atelier gehen darf und die Freiheit habe, dort tagelang Tag und Nacht zu arbeiten“, sagt er. „Und ich krieg‘ die Krise, wenn ich vier Tage von meiner Arbeit weg bin!“ Sein Kopf ist voller Ideen für Motive. Es sind so viele, dass er glaubt: „Ich werde gar nicht die Lebenszeit haben, sie alle zu verwirklichen.“

Hans Lankes bei der Arbeit mit dem Skalpell Foto: Klein

Hans Lankes Kunst ist das, was nicht da ist. Denn mit dem Wegschneiden schafft er, was noch bleibt. „Weiß entsteht durch das Weggeschnittene, und Weiß ist so wichtig wie Schwarz.“

Hans Lankes ist ein Wegschneider. „Du machst einen Schnitt, das schafft Klarheit, das ist klare Kante, das finde ich toll, weil es so entschieden ist.“ Einen falschen Pinselstrich kann man korrigieren, übermalen, einen Schnitt mit dem Skalpell nicht. Ein Schnitt ist endgültig. Man muss ihn vorher entscheiden, dann ist er so, wie er ist. Man muss dann zu dem Schnitt stehen. Ist der Schnitt falsch und untragbar, dann ist das Werk Pfusch und Altpapier. Für den Schnittkünstler gibt es kein Puzzeln, kein Zusammenkleben.

Hans Lankes scheint sich in seinem Atelier in Eilsbrunn nicht sehr zu schonen. „Ich brauche Stress, mit Termindruck geht es noch besser.“ Und er sucht Herausforderungen: „Leicht ist langweilig, schwierig ist viel schöner.“ Die Herausforderung ist es, noch mehr wegzuschneiden, das Motiv noch reduzierter, dichter und klarer zu gestalten.

Hans Lankes mit einem Messerschnitt aus seiner Vogelserie Foto: Klein

Dabei braucht Lankes Linien in Form von papierenen Stegen, die stehenbleiben und das gesamte Kunstwerk verbinden. „Ich denke aber deshalb nicht nur in Linien“, wehrt er lachend ab. Er sieht die Welt nicht liniert, aber er sieht sie sich genau an. Und wenn es dann losgeht und der Schnittkünstler zum Skalpell greift, ist das Bild in seinem Kopf zumindest in den groben Zügen schon fertig. Anfangs zeichnete Hans Lankes die Motive noch vor. Das lässt er aber längst bleiben. Mit dem Skalpell nur einer vorgegebenen Linie zu folgen wäre langweilig. Der Schnitt muss frei sein. Richard Wagner darf ihn aus dem CD-Player dabei begleiten.

Einstieg in die dritte Dimension

Installation „viennaCLOUD“ im Kunstraum Nestroyhof in Wien Foto: Michael Spaan

Vor einigen Jahren schlitterte Hans Lankes in eine kleine Krise. Es scheint das Zweidimensionale gewesen zu sein, das ihn einengte. Also hob er seine Kunstwerke ein kleines Stückchen von der Unterlage weg und brachte gezielt Licht ins Spiel. So entstanden Schatten und Mehrdimensionalität, seine Schnitte wirkten nun skulptural. Noch spannender wurde es, als er die Rückseite seiner Schnitte mit fluoreszierenden Farben bemalte.

Das Licht brachte die Farbe mit auf den Hintergrund, die Schatten wurden farbig. Seitdem verbiegen sich die Betrachter in Galerien und Ausstellungen vor den Messerschnitten von Lankes in allen möglichen Stellungen, um Schatten und Farben aus verschiedenen Perspektiven betrachten zu können.

Für Hans Lankes eröffnen sich so viele neue Möglichkeiten, neue intuitive Bilder, die er in die Welt bringen will. „Ich bin so froh – die letzten Jahre sind die glücklichsten meines Lebens, weil das ich bin, was ich mache“, sagt er und meint: „Ich hab‘ das Gefühl, ich fange gerade erst an – und es bleibt spannend!“

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Messerschnitte und Ausstellungen

  • Die Werke von Hans Lankes sind derzeit im Rahmen der Sonderausstellung „Wandwesen“ im Naturkundemuseum Regensburg zu sehen (Montag 9 bis 12 Uhr, Dienstag bis Freitag 9 bis 16 Uhr, Sonntag 10 bis 17 Uhr).

  • Weitere Ausstellungen

    mit den Messerschnitten gibt es heuer im August-Macke-Haus Bonn, der Galerie Straihammer und Seidenschwann Wien, derzeit im Kunstverein Landshut, den Galerien der Stadt Salzburg, der NöArt Gesellschaft für Kunst und Kultur und im Schloss Königshain bei Görlitz.

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