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Gastronomie

Dechbettener Hof mit neuem Elan


Von Thomas Rieke, MZ

Ein Unternehmer mag noch so fleißig, kundenfreundlich und ideenreich sein, gelingt es ihm nicht, rechtzeitig die Nachfolge zu klären, gerät sein Lebenswerk in Gefahr. Viele Familienbetriebe werden mangels „Stammhalter“ aufgelöst. Selbst wenn eigener Nachwuchs vorhanden ist, bedeutet das keine Zukunftsgarantie: Viele Kinder verspüren keine Lust, in die Fußstapfen der Eltern zu treten; tun sie es doch, ist Streit oft programmiert: Die „Alten“ lassen nicht zu, dass die „Jungen“ etwas ändern, Letztere ignorieren gern die gut gemeinten Tipps der erfahrenen Senioren.

Auch Familie Mascarello weiß ein mehrstrophiges Lied von den Problemen Gewerbetreibender zu singen, ist sie doch seit vielen Jahrzehnten in der Gastronomie tätig. Bei ihr selbst ist aktuell freilich alles in schönster Ordnung: Bruno Mascarello (61) und seine Frau Claudia (55) haben in diesen Tagen ihren Betrieb, den „Dechbettener Hof“, an Sohn Florian übergeben. In bestem Einvernehmen und nach gründlichster Vorbereitung. Der 27-Jährige geht mit großem Elan ans Werk, tatkräftig und vertrauensvoll unterstützt von seinen Eltern.

Nie zu etwas gezwungen

Die Mascarellos, die neben Florian auch noch eine Tochter (Andrea, 25) großgezogen haben, wissen ihr Glück zu schätzen. Sie wissen es aber auch zu erklären. „Wir haben unsere Kinder nie verpflichtet mitzuhelfen, und wir haben uns mit ihnen immer wieder Auszeiten gegönnt,“ berichtet Claudia Mascarello. Will sagen: Die Eltern verstanden es, ihren Kindern zu zeigen, dass man als Chef eines Restaurants und Hotels nicht 365 Tage im Jahr rackern muss, sondern dass es sich um einen schönen Beruf handelt, in dem sich Nachteile wie Sonntags- oder Nachtarbeit ausgleichen lassen.

Von Kindsbeinen an erlebten Florian Mascarello und seine Schwester mit, wie ein Gasthaus funktioniert. Um ihr Taschengeld aufzubessern, halfen sie mit 14, die Tische nachzudecken, mit 16 zapften sie das erste Bier. Aus eigenem Antrieb heraus war für den Sohn bald klar, dass er es seinen Eltern gleichtun wollte. Nach dem Zivildienst im Behindertenfahrdienst der RKT ging er auf eine Hotelfachschule, um eine dreijährige Ausbildung zu absolvieren. Dazu zog er in das Land, aus dem sein Vater stammt: die Schweiz. Im Kanton Graubünden hat er in Theorie und Praxis alles gelernt, was man in seinem Beruf wissen muss. Und in dieser Zeit reifte auch der Entschluss, für eine Übernahme des Dechbettener Hofs bereitzustehen.

Aufbaustudium in den USA

Unmittelbar nach dem Schulabschluss in der Schweiz sollte dies nicht sein, der Diplom-Hotelier wollte Erfahrungen sammeln, und zwar außerhalb unseres Kulturkreises. Und so ging es über den großen Teich, in den US-Bundesstaat Delaware. An der amerikanischen Ostküste absolvierte Mascarello junior ein Aufbaustudium in Betriebswirtschaft und Hotelmanagement. Die zwei Semester waren „spannend, aber ich war auch froh, als ich wieder am Heimflug war“.

Florian Mascarello lernte in den USA eine absolute Fokussierung auf Gastfreundschaft und Service. „Der Kunde ist König, Kritik wird widerspruchslos akzeptiert.“ Er lernte aber auch die Schattenseiten im vermeintlichen Land der unbegrenzten Möglichkeiten kennen: eine marode Infrastruktur, Armut, Kriminalität. Und wie hatte er sich nach heimischen Knödelgerichten gesehnt!

Seit 2010 ist Mascarello junior wieder zuhause, und seitdem hat sich die Familie intensiv auf den „Tag X“ vorbereitet. Zu den Weichenstellungen gehörte auch, dass Tochter Andrea ihrem Bruder den elterlichen Betrieb komplett überlässt. Sie versucht ihr Glück – im Hotelfach in der Schweiz.

Für die älteren Mascarellos ist es bereits die zweite Betriebsübergabe, die sie am eigenen Leibe erfahren. Claudia Mascarello stammt aus der traditionsreichen Wirtsfamilie Fiederer, die in den 1920er Jahren auf der grünen Wiese in Dechbetten ein Ausflugslokal eröffnete. Ihre Eltern, Karl und Karolina Fiederer, profilierten sich als Betreiber des Spitalgartens in Stadtamhof sowie des Kneitinger Gartens („Alte Linde“). „Wir gehen zum Fiederer“ sollen die Leute damals gesagt haben, nicht „zum Knei“. Nach ihren Wanderjahren bauten die Eltern ab 1966 das Gasthaus in Dechbetten neu auf. Seitdem gibt es den Dechbettener Hof.

Doch die Nachfolgeregelung gestaltete sich kompliziert. Claudia Mascarellos ältere Geschwister lehnten ab, und da hieß es: „Entweder müssen wir verkaufen – oder die Jüngste kriegt das Haus mit ihrem ,kleinen Schweizer‘.“ Damit war Bruno Mascarello gemeint, ein Kaufmann. Von der Gastronomie hatte er bis dahin „nur als Gast eine Ahnung“, wie er mit seinem feinen Humor anmerkt. Mit seiner Claudia an der Seite traute er sich den Sprung ins kalte Wasser jedoch zu.

Sinnigerweise hat sich auch Florian Mascarello in seiner Diplomarbeit mit den Schwierigkeiten einer Betriebsübergabe von Generation zu Generation intensiv befasst. Die psychologischen Aspekte standen dabei im Zentrum. Eltern und Kinder an ein- und denselben Schalthebeln – das birgt Risiken, weiß der Juniorchef. In seinem persönlichen Fall aber scheint sich alles zu fügen. „Die Zeiten ändern sich und damit auch die Kundenansprüche. Deshalb muss man immer etwas in petto haben“, sagt der junge Mann voller Tatendrang. Weil der elterliche Betrieb sehr gut funktioniert, hütet er sich vor einschneidenden Änderungen. Mit viel Fingerspitzengefühl will er vorgehen, kündigt Mascarello junior an. So soll es peu-à-peu kosmetische Verbesserungen geben, und das „Schweizer Element“, das durch den Vater Einzug gehalten hat, künftig eine etwas größere Rolle spielen. Der Gast soll vom Wechsel an der Spitze wenig mitbekommen, denn die Eltern bleiben präsent. „Wir arbeiten mit, solange Florian will, und tragen nur etwas weniger Verantwortung.“

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