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Regensburg
Freitag, 23. Februar 2018 2

Interview

„Der Beruf ist noch attraktiv“

Anfeindungen nehmen im Alltag von Polizisten zu. Über Bewerbermangel muss sich die Polizei dennoch nicht sorgen.
Von Kathrin Robinson

Ralf Neumüller ist Polizeioberrat beim Präsidium der Bayerischen Bereitschaftspolizei Foto: Bereitschaftspolizei Bayern

Vier Angriffe auf Polizisten haben am Wochenende in Regensburg für Aufsehen gesorgt. Polizisten werden im Einsatz bespuckt, beleidigt oder gar körperlich angegriffen. Wie werden angehende Beamte in der Ausbildung auf solche Situationen vorbereitet?

Unsere Nachwuchskräfte lernen viel über deeskalierende Kommunikationsstrategien. Aber sie lernen auch effektive Techniken der Selbstverteidigung aus verschiedenen Kampfsportarten. Beides wird nicht nur theoretisch gelernt, sondern auch praktisch in Rollenspielen eingeübt.

Wie muss man sich das vorstellen?

Wir spielen verschiedenste Szenarien durch – mit dem gesamten Repertoire, über das die Polizei auch bei realen Einsätzen verfügt, also in voller Ausrüstung, mit Streifenwagen etc. Die Rollenspiele sind so realitätsnah wie möglich gestaltet. So werden Situationen aus dem polizeilichen Alltag trainiert – ob das nun der Umgang mit einem Betrunkenen ist oder brenzlige Momente, bei denen Personen auf Streifenbeamte losgehen. Allerdings können Situationen im richtigen Leben natürlich immer auch abweichen. Da kommt dann viel hinzu. Der Stress einerseits – und andererseits Fragen wie: Ist es hell oder dunkel? Wer ist am Einsatzort Opfer, wer Täter? Damit muss man dann erstmal umgehen können. Aber wir versuchen, den Kollegen mehr Handlungssicherheit für ihren Alltag mitzugeben.

Die Regensburger haben eine klare Meinung zu den Vorfällen:

Regensburger äußern sich zur Gewalt gegen Polizist

Respektlosigkeit gegenüber Polizisten nimmt zu. Findet die Polizei überhaupt noch Nachwuchs, der sich den Beruf unter diesen Bedingungen „antun“ will?

Polizist ist immer noch ein attraktiver Beruf. Auf eine offene Stelle kommen sechs Bewerber – genügend, um die besten Kandidaten auszuwählen.

Die Gewalt trifft doppelt, sagt unser Autor Norbert Lösch. Seinen Kommentar lesen Sie hier.

Kommt es vor, dass Bewerber die Ausbildung abbrechen, weil sie im Berufsalltag beleidigt und beschimpft werden?

Es gibt zwei Bruchstellen im Laufe der Ausbildung. Das sind zwei Praktika – im dritten und im vierten Ausbildungshalbjahr –, die die angehenden Polizisten durchlaufen und bei denen sie als zweiter Mann einer Streifenbesatzung eingesetzt werden. Da trifft man dann auf die Lebenswirklichkeit, in der man manchmal auch bespuckt oder beleidigt wird, und da haben die Leute oft zu knabbern – das arbeitet in ihnen. Nach den Praktika gibt es Rückmeldegespräche, bei denen auch Pädagogen und Seelsorger dabei sind. Dort wird so etwas aufgearbeitet. Nur in wenigen Einzelfällen entscheiden sich angehende Polizisten dann tatsächlich, die Ausbildung abzubrechen. Da sind aber meist nicht nur Pöbeleien oder Anfeindungen ausschlaggebend, sondern eher die Einsicht, dass man den Anforderungen des Berufs vielleicht generell nicht gewachsen ist.

Nach den Vorfällen in Regensburg wird im Internet auch geäußert, dass die Polizei sich nicht genug zur Wehr setzt.

Die Polizei muss professionell mit ihrem Gewaltmonopol umgehen. Das hat nichts damit zu tun, dass wir „Luschen“ sind, aber wir haben einen polizeilichen Auftrag. Wir müssen konsequent sein – aber versuchen, eine Eskalation zu vermeiden. Das ist oft eine Grenzentscheidung.

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