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Der Chicken King aus Regensburg

In der Schule nannten sie ihn den Bananenkönig. Dann ging er in die Staaten und machte mit Hühnern in Ohio ein Vermögen.
Von Helmut Wanner

Zu Hause fühlt er sich nur in Regensburg: Chicken King Kurt zeigt sich auf dem Dachgarten seines Hauses in der Spiegelgasse 6 mit Gattin Gerti und Tochter Sandra. Foto: Wanner
Zu Hause fühlt er sich nur in Regensburg: Chicken King Kurt zeigt sich auf dem Dachgarten seines Hauses in der Spiegelgasse 6 mit Gattin Gerti und Tochter Sandra. Foto: Wanner

Regensburg.Ihr Pony ist weg, aber das Lächeln zündet noch. Gerti Heindl war das verkaufsfördernde Gesicht der Stadt. Mitte der 80er verschwand es. Mit Ingeborg Burgau war Gerti Heindl von 1973 bis 1986 die Pionierin des Fremdenverkehrs. Gerti Heindl konnte Englisch. Sie hat Regensburg erstmals auf die ITB nach Berlin gebracht.

Jetzt tauchte sie wieder auf. Auf dem Dach des Hauses Spiegelgasse 6, vor der Silhouette der Domtürme, neben dem Mann, der sie über den Großen Teich entführte: Kurt Lausecker, der Chicken King aus Raymond, Ohio. Und da ist Sandra, ihre viel versprechende Tochter (29), die das Business mit ihrem Bruder Daniel (28) weiterführt. Ihre Firma heißt ONE, für Ohio Natural Eggs. Sandra wurde im Mai gefeiert – als die Speerspitze der ökologischen Farmreform in den USA.

„Dafür sind Freunde da“

Warum sind sie wieder da? Der Eierkönig feiert. Nirgendwo anders will er seinen 70. Geburtstag begehen, als in seiner Heimatstadt. Die zehn bedeutendsten Namen der Hühnerindustrie der USA, die ihr Imperium auf über 320 Millionen „weibliche Angestellte“ bauen, hat er am Dom einquartiert. Allen voran Al Pope aus Atlanta, Georgia, bis 2007 der Präsident von United Egg Producers (UEP), des größten Eier-Verbandes der Welt, der für Milliarden Eier verantwortlich zeichnete. Dass der emeritierte Eier-Papst kommt, darüber freut sich Kurt Lausecker wie ein König. Aber tief drinnen klopft ihm das Herz für seine Regensburger Freunde.

„Nichts ist im Leben wichtiger als Freundschaft.“

Kurt Lausecker

Saxofonist Michael Striegl (Musicfactory) wird bei der Feier im Storstadt ein paar Stücke anspielen. „I did it my way“ von Frank Sinatra wird wohl nicht dabei sein. Kurt Lausecker ist eher für „That’s what friends are for“ von Dionne Warwick. „Das ist mein Lied. Nichts ist im Leben wichtiger für mich gewesen als Freundschaft.“ Den Kontakt zu Rudi Schels, Wolfgang Zacharias, Peter Harlass-Neuking hat er nicht nur nie abreißen lassen. Er nennt sie „meine besten Freunde“. Deswegen kann er nach 40 Jahren USA sagen: „Ich habe mich nie als Amerikaner gefühlt, sondern nur als Regensburger.“

Rudi Schels und Kurt Lausecker Foto: Wanner
Rudi Schels und Kurt Lausecker Foto: Wanner

Kurt Lausecker sitzt bei Spaghetti mit Steinpilzen in der Osteria Federico, Deischgasse, und beim kühlen Weißwein fließen die Erinnerungen: „Direkt über mir hat meine Oma gewohnt. Rund um die Deischgasse waren meine Playgrounds. Hier habe ich geschussert und pfenniggefuchst. Im Pfennigfuchsen war ich gut.“ Aber vom Pfennigfuchsen allein hat er sich in Raymond, Ohio, nicht dieses gewaltige Haus bauen können, das im Umkreis von 20 Meilen bekannt ist: erstens wegen des Kartoffelsalats von Gerti, mit Kraftbrühe, Majonnaise und Händlmaiersenf, den sie sich aus dem nur 200 Meilen entfernten Cincinatti besorgt. Einmal im Jahr laden die Lauseckers die Nachbarschaft zum Bayernfest. Zweitens, weil es von Grund auf so anders gebaut und eingerichtet ist, europäisch halt. „Die Möbel stammen alle von Paulin. Ich habe sie per Schiffscontainer kommen lassen.“ Der See vorm Haus ist einen Hektar groß. Auf einen der Ufersteine hat er sich ein Holz-Modell des Regensburger Doms bauen lassen.

Kurt Lauseckers Unternehmen „Nature pure“ gehört zu den größten Bio-Eier-Produzenten der USA. Foto: Wanner
Kurt Lauseckers Unternehmen „Nature pure“ gehört zu den größten Bio-Eier-Produzenten der USA. Foto: Wanner

Die Lauseckers haben keine Nachbarn. Was sehen sie? „Wald und Wiese.“ Was hören sie? „Nichts.“ Seine Frau Gerti: „Manchmal schreien die Kojoten.“ Sie spricht das Wort für Steppenwölfe amerikanisch aus.

Dass sie Englisch sprechen kann, hat Kurt und Gerti vor 42 Jahren im „Ringelnatz“ nähergebracht. „Wir hatten gerade eine amerikanische Delegation verabschiedet und wollten danach halt noch was trinken gehen.“ Und da saß Kurt Lausecker mit seinem Freundeskreis aus der inoffiziellen Fußballabteilung des RTK…

Lauseckers Englisch war eher „lousy“, aber Sprache war nicht der Grund für sein US-Engagement: Er ist mit den Zimmerers aus Nittenau verwandt. In der Familie gibt es Großhändler mit Landprodukten und Konservenfabrikanten. Einer dieser Onkel war dabei, in den USA eine Legehennen-Farm aufzubauen. 1978, als Kurt Lausecker mit dem BWL-Studium fertig war, ereilte ihn der Ruf der Verwandtschaft nach Ohio. „Ich sollte Assistent der Geschäftsführung werden. Nach drei Monaten war ich schon Geschäftsführer.“

„Murphy‘s Law“ befindet sich in Lauseckers Elternhaus. Foto: Wanner
„Murphy‘s Law“ befindet sich in Lauseckers Elternhaus. Foto: Wanner

Doch sein inneres Reich blieb in Regensburg. Zum König wurde er hier schon gekrönt, als er nur der Kurtl aus der Spiegelgasse 6 war. Viel Zeit hat er als Kind auf dem Dachboden verbracht, um den Trocknungsprozess zu überwachen, der Äpfel zu Hutzeln macht, ohne dass sie faulen. In der Schule war er der Bananen-König. Seine Oma hatte die grünen Bananenstauden im Reifekeller ihrer Obstgroßhandlung in der Deischgasse. Dort hat Kurt Lausecker mit Freunden Tarzan gespielt und sich von einer Staude zur anderen geschwungen. In den 50er-Jahren waren Bananen heiß ersehnter Luxus. Und seine Mitschüler konnten sich überzeugen, dass man keine vier Bananen nacheinander essen kann. Auch sein Sinn für Gerechtigkeit wurde hier geboren. Auf dem Weg in die Augustenschule hat er sich vom täglichen Pausen-Fuffzgerl Sigurdheftln gekauft. „Bodo, Akim und Sigurd haben mich moralisch geprägt.“

Jetzt mehr Zeit für Regensburg

Jetzt, da der Hühner-König abgedankt und sein Reich an die Thronfolger abgegeben hat, will er mehr Zeit in seiner Heimatstadt verbringen. „Die Amerikaner fliegen nach Florida, ich fliege lieber nach Regensburg.“ Nach Regensburg, der Stadt seiner Studentenherrlichkeit. Nach der Vorlesung ging es mit den Freunden oft ins Goldene Kreuz. Und wenn Wolfgang Zacharias und Kurt Lausecker wieder einmal glücklich einen Schein erworben hatten, ließen sie den Korken des „Henkel trocken“ so ploppen, dass er die Lüftung im Plafond traf und der Staub herabrieselte. Cafétier Heinz Brandl kam an den Tisch: „Meine Herren, bitteschön, das hamma ned so gern.“

Zwei Freunde fürs Leben

  • Rudi Schels:

    Man kennt den Gründer der Netto-Märkte praktisch überhaupt nicht. Wäre er nicht in die Führungsetage des FC Bayern aufgestiegen, bliebe er den Regensburgern ein Phantom. Sein Großvater hatte mit einem Lebensmittelgroßhandel „Unter den Schwibbögen“ das Fundament gelegt. Die Familie zog mit dem Geschäft an den Hohen Kreuzweg, ins „Lager“. Deswegen schrieb die Zeitung mit einigem Recht vom „Bayern-Vize aus der Baracke“.

  • Kurt Franz Lausecker:

    Geboren und aufgewachsen in Regensburg. Er ist ein Spross der Großfamilie Zollner, dem ehemaligen Obst und Gemüsegroßhandel in der Deischgasse. Der Vater war Präsident der Gold-Ei, Deutschland.

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