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Regensburg
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Gestaltung

Der Kampf um jeden Baum

Die Regensburger Altstadt soll grüner und gemütlicher werden. Das trifft auf Widerstände, etwa von Denkmalpflege und Wirten.
Von Julia Ried

Die Altstadt wird grüner – doch nur langsam. Foto: Julia Ried
Die Altstadt wird grüner – doch nur langsam. Foto: Julia Ried

Regensburg.Die Stadt verfolgt seit gut zwei Jahren das Vorhaben, Regensburgern und Gästen den Aufenthalt in der Altstadt so angenehm wie möglich zu machen: unter anderem mit mehr Bänken und Bäumen. Doch leicht tun sich die Verantwortlichen im Rathaus bei der Umsetzung nicht. Auf knappem Platz prallen viele Interessen aufeinander, und so wird zum Teil um jeden Baum und jede Bank gerungen. Denkmalschützer wollen nicht überall dort Grün sehen, wo sich die Planer das vorstellen. Und am Domplatz wollen Gastronomen ihre Freisitze nicht für Bänke opfern.

Das Ziel der Stadt: Etwa alle 300 Meter sollen Passanten Sitzgelegenheiten „ohne Konsumzwang“ finden. „Zusätzliche Bäume und Grünflächen sollen nicht nur Ruheoasen bilden, sondern auch zu einem besseren Stadtklima beitragen“, heißt es in dem im Dezember 2015 beschlossenen Konzept.

Maxstraße bleibt grau

Jetzt zeigte sich: In der Maxstraße zog das Grün den Kürzeren. Sie bleibt so grau, wie sie ist. „Wir haben sehr viele Leitungen, die in der Straße sind“, erläuterte Planungsreferentin Christine Schimpfermann dem zuständigen Stadtratsausschuss zur Begründung. Um Tröge mit Grün zu pflegen, sei das Gartenamt zu ausgelastet. Überhaupt sind in der zweiten Verschönerungsrunde zwischen Maxstraße und Stadtamhof, die 2018 angegangen wird, nur vier Baum-Pflanzungen vorgesehen.

Bleibt grau: die Maximilianstraße. Hier werden keine Bäume gepflanzt. Foto: Tino Lex
Bleibt grau: die Maximilianstraße. Hier werden keine Bäume gepflanzt. Foto: Tino Lex

Geeignete Plätze zu finden, gestalte sich schwierig, heißt es von Mitgliedern des Runden Tischs Altstadt, an dem neben der Stadt auch Gastronomen, Kaufleute und Bewohner vertreten sind. Christine Schimpfermann erklärt: Neben der Frage, ob der Standort in das Stadtbild passt, müssten neben Leitungen im Boden auch Flächen für die Feuerwehr und Lieferanten berücksichtigt werden. Bevor dann geklärt werden kann, ob der Baum am gewünschten Standort ausreichend Entwicklungschancen hat, hat die Denkmalpflege ein Wort mitzureden.

Die Altstadt-Möblierung

  • Ost-West-Achse: Der erste Abschnitt der Phase eins der Möblierung wird seit 2017 umgesetzt. Vorgesehen sind auf der Ost-West-Achse zwischen Donaumarkt und Arnulfsplatz 54 Bänke, 59 Fahrradbügel, 19 Mülleimer sowie 13 Bäume und ein Spielpunkt.

  • Nord-Süd-Achse:

    2018 ist der Abschnitt zwischen Stadtamhof und Maxstraße an der Reihe. 31 Bänke, neun Radbügel, 14 Mülleimer und ein Spielpunkt sind geplant. In Drei-Kronen-Gasse, Fröhliche-Türken-Straße und auf den St.-Kassians-Platz kommen vier Bäume.

  • Dritte Runde:

    Im dritten Abschnitt werden Lücken zwischen den ersten Achsen geschlossen werden und die südlichen Altstadt abgedeckt. Geplant wird noch in diesem Jahr, die Umsetzung ist 2019 und 2020 geplant. Alle drei Runden sollen 1,6 Millionen Euro kosten.

In der ersten Runde der Altstadt-Möblierung, die 2017 begann und eine Ost-West-Achse vom Donaumarkt bis zum Arnulfsplatz umfasst, sollen nach dem Wunsch der Stadtplanung 13 Bäume gepflanzt werden. Doch die Denkmalpflege hatte zunächst Bedenken gegen die Baum-Standorte am westlichen Ende der Goliathstraße und an der Ecke Kohlenmarkt/Wahlenstraße. „Aus denkmalpflegerischer Sicht laufen diese beiden Standorte der historischen Stadtstruktur zuwider“, hieß es damals. Inzwischen gab es einer Stadtsprecherin zufolge eine Einigung, zugunsten des Grüns.

„Wir werden der Stadt sagen, dass der Domplatz generell nicht sehr ansehnlich ist. Da kann man viele andere Dinge verschönern.“

Merlin Hinterberger, Restaurantleiter des Krauterer am Dom

Doch in der Denkmalpflege spielt auch das Bild der „Steinernen Stadt“, das lange als Altstadt-Ideal galt, noch eine Rolle. Ingo Saar, Geschäftsführer der Vereinigung der Altstadtkaufleute und Unternehmensberater mit Büro am Neupfarrplatz, erinnert sich, dass dieser nach seiner Neugestaltung Mitte der 90er von Fachleuten als „Ausdruck der Steinernen Stadt“ gelobt worden sei; Bürger sahen das Ergebnis schon damals kritisch.

Die Bänke aus Stahl und Holz würden gut angenommen. Foto: Stadt Regensburg/Peter Ferstl
Die Bänke aus Stahl und Holz würden gut angenommen. Foto: Stadt Regensburg/Peter Ferstl

Mittlerweile hat sich die Stimmung auch bei Experten gewandelt, und doch sagt Saar: „Es wäre wünschenswert, dass die Denkmalpflege an der einen oder anderen Stelle etwas umdenkt.“ Die Altstadt solle so viel Grün wie möglich bekommen. Mit der Möblierung sei er sehr zufrieden. „Die werden sehr gut angenommen“, sagt er über die neuen Bänke aus Stahl und Holz. Anders sehe es mit den bunten „Sondermöbeln“ aus. „Die polarisieren.“ Die Ergebnisse eines Kunstwettbewerbs sollen spätestens weichen, wenn 2020 alle regulären Möbel aufgestellt sind.

Kathrin Marschner und Martina Schombierski schätzen auch die „Sondermöbel“. Die 28-Jährigen verbringen ihre Mittagspause gern draußen. Eine freie Bank zu finden, sei nicht einfach, erzählen sie – und ins Café wollen sie nicht jeden Tag gehen. Kathrin Marschner sagt zudem: „Grün gibt es auch viel zu wenig.“ Im Sommer sei es deshalb auf vielen Bänken zu heiß.

Erst ein Baum gepflanzt

Mehr Grün kommt, aber sehr langsam. Die Stadt hat erst einen der geplanten Bäume gepflanzt, vor dem Historischen Museum. Weitere sollen im Herbst folgen. Die meisten der 54 Bänke aus Stahl und Holz aus der ersten Verschönerungs-Runde dagegen stehen schon. Doch sie werden nicht überall freudig begrüßt, wo sie kommen sollen.

Am Domplatz sollen Gastronomen Freisitz-Platz für Bänke abtreten. Foto: Tino Lex
Am Domplatz sollen Gastronomen Freisitz-Platz für Bänke abtreten. Foto: Tino Lex

Am Domplatz gehen Gastronomen auf die Barrikaden. Merlin Hinterberger, Restaurantleiter des Krauterer am Dom, sagt zwar: „Ich find’s gut, dass Sitze geschaffen werden.“ Aber warum sie auf dem Platz aufgestellt werden sollen, auf dem er seine Freisitze hat, kann er nicht nachvollziehen. „Bei uns fallen nach momentanem Stand drei Tische weg. Und beim Nachbarn sechs Tische.“ Dabei zähle für ihn im Sommer jeder Tisch. Er ist hörbar sauer: „Wir werden der Stadt sagen, dass der Domplatz generell nicht sehr ansehnlich ist. Da kann man viele andere Dinge verschönern.“ Seiner Meinung nach könnte der Brunnen zum einen reaktiviert werden, zum anderen sein Sockel als Sitzbank ausgestaltet werden.

Die Stadt aber rückt derzeit nicht ab von ihrem Plan für den Domplatz. Ihr Zugeständnis: Sie will ihn erst 2019 umsetzen, zunächst probeweise.

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