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Regensburg
Mittwoch, 19. September 2018 31° 1

Dynastie

Der Rost nagt an Helenes „H“

Als die Schwester von Sisi nach Regensburg heiratete, folgten ihr Glanz und Trauer. Nun scheint ihr Andenken zu verblassen.
Von Helmut Wanner

  • Das „H“ im Schlosszaun steht für „Helene“ – es zeigt Züge des Verfalls. Foto: Wanner
  • Der Abteiflügel im Schlosshof wurde eingerüstet. Foto: Wanner
  • Das „A“ von Albert Foto: Styra
  • Das Helenentor Foto: Wanner

Regensburg. In Regensburg lud kulttouren e.V. unter dem deutschlandweiten Motto „Menschen, die Geschichte schrieben“ am Sonntag zur Stadtführung ein: „Von Albertus Magnus zu Helene in Bayern – Acht Persönlichkeiten aus acht Jahrhunderten“. Die Teilnehmer erlebten bei dieser szenischen Führung auch, in welchem Zustand die „Reliquien“ sind, die an Helene von Bayern erinnern.

„Das passt nicht zu Regensburg und zur einzigen Schwester von Kaiserin Sisi von Österreich-Ungarn.“

Marcus Spangenberg

Für manche hat dieser Verfall ja durchaus romantischen Charme. Der König-Ludwig-Experte Marcus Spangenberg beklagt diesen Zustand. „Das passt nicht zu Regensburg und zur einzigen Schwester von Kaiserin Sisi von Österreich-Ungarn.“

Ihr Gatte starb mit 35 Jahren

Verschiedene Persönlichkeiten des Hauses Thurn und Taxis haben sich mit ihren Initialen im Zaun verewigt: Das handgeschmiedete und mit Blattgold belegte „H“ an der Helenenbrücke steht für Glanz, Gloria und Wehmut: Sisi selbst hatte sich dafür eingesetzt, dass ihre Schwester „Nene“, eine Wittelsbacherin, den Erbprinzen Maximilian Anton von Thurn und Taxis heiraten konnte. Helene (1834 bis 1890) führte in Schloss Emmeram die einzige glückliche Ehe ihrer bayerischen Geschwister. Helene führte dennoch ein tränenreiches Leben. Sie musste ihren Kindern Erbprinz Maximilian Maria und Prinzessin Elisabeth ins Grab schauen. Ihr Gatte Maximilian Anton starb mit 35 Jahren. Wie Gloria von Thurn und Taxis heute musste Helene damals stellvertretend die Geschäfte des Hauses führen. Nach den schweren Schicksalsschlägen zog sie sich ganz zurück. Ihr jüngster Sohn Albert baute ihr Sterbezimmer in die Hauskapelle um.

Aus dem Zustand des Schlosszauns am Helenentor sollte man aber nicht schließen, dass das Haus Thurn und Taxis nicht zu seiner Verantwortung steht. Die Leiterin der Abteilung Immobilien und Landwirtschaft in der Gesamtverwaltung des Hauses Thurn und Taxis, Andrea Platzer-Neuwald, verweist auf den bereits sanierten Torbogen. Doch dann sei das Projekt gestoppt worden. „Der Zaun entlang des Petersweges musste vorgezogen werden. Damals wurde von der Stadt der Kanal saniert. Weil da der Bürgersteig aufgerissen wurde, haben wir gleich die Fundamente und die Zaunfelder bis hin zum Park saniert.“

Frühestens in den Budgets für 2019/2020 seien Mittel für den Zaun am Helenentor vorgesehen. Die Zaunfelder müssten ausgebaut, sandgestrahlt und ergänzt werden. Die Fundamente müssten erneuert werden. Am Ende werden die schönen „H“-s mit Blattgold belegt. Die ganze Maßnahme dürfte nach Darstellung der Gesamtverwaltung zwischen 350 000 und 400 000 Euro kosten.

„Dr. Harald Gies vom Landesamt für Denkmalschutz hat das Schloss einmal als ein größeres Einfamilienhaus bezeichnet.“ Die studierte Architektin Andrea Platzer-Neuwald, seit 1989 im Haus, verweist darauf, dass das Helenentor nicht die einzige Baustelle von Schloss St. Emmeram sei. Eben wurden am sogenannten Abtei-Flügel im Innenhof des Schlosses und hin zum Davidshof die Gerüste aufgebaut. Das Dach und die wertvolle barocke Fassade müssen saniert werden.

Verfaulte Schwellen

Die Handwerker erwartet ein ähnliches Bild wie bei der Sanierung des Flügels am Rosengarten. „Dort war der Dachfirst gewellt und zum Grufthof hin war das Dach in der Fläche eingesunken.“ Die Ursache: Verfaulte Schwellen.

In den letzten Jahren hat Gloria Stück für Stück den Großteil der Dächer und Fassaden des Regensburger Schlosses saniert. „Bei der Dachkonstruktion in der Waffnergasse konnte man das Holz aus den Balken rauslöffeln, so weich war es“, bestätigt Platzer-Neuwald. Reithalle, Schatzkammer, der Nord- und Ostflügel, den die fürstliche Familie bewohnt, sind schon Sanierungsgeschichte. Nun steht der Abteiflügel auf dem Programm. Das Jahr 2018 soll gut werden: „Am Ende des Jahres wollen wir durch sein“, erklärt Platzer-Neuwald.

13 Millionen Euro wird die Sanierung der 16 000 Quadratmeter Dachfläche verschlingen. Mindestens derselbe Betrag ist für die Sanierung des Südflügels vorgesehen. Da muss schon ein bisschen Geld rein kommen. Gloria von Thurn und Taxis habe weise gehandelt, als sie 1998 das Schloss umwidmete und für Events und Mieter öffnete, meint Geschäftsleiterin Andrea Platzer-Neuwald. Sie verspricht, dass die Besucher der Schloss-Festspiele nicht beeinträchtigt werden. „Bevor die Festspiele beginnen, wird das Gerüst im Schlosshof abgebaut sein.“

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