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Regensburg
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Wirtschaft

Der Senf-König wächst weiter

Die Regensburger Firma Händlmaier investiert zwölf Millionen Euro in die Erweiterung im Gewerbegebiet Haslbach.
Von Julia Ried

In den weißen Hallen mit roten Kanten produziert Händlmaier. Die Wiese in der Mitte des Bilds nutzt es zur Erweiterung seines Werks. Foto: Lex

Regensburg.Ein süßer und ein leicht scharfer Senfgeruch hängen im Händlmaier-Werk in Haslbach in der Luft. Doch vom Band laufen an diesem Mittwochvormittag Flaschen mit Salatdressing. Der Senf-König stellt längst einiges mehr her als die braune und gelbe Würzpaste mit dem roten Deckel – und will mit dieser Strategie weiter wachsen. Da das Werk laut Geschäftsführer Franz Wunderlich „am Limit“ ist, baut er es nun bis 2020 für zwölf Millionen Euro aus.

Auf 9000 Quadratmetern Fläche produziert er seit 2013, damals wurde das Betriebsgelände fast verdoppelt. 5000 Quadratmeter sollen nun dazukommen. Die Kapazitäten würden damit verdoppelt, sagt Wunderlich. Sein Ziel ist es, zunächst 30 Prozent Waren mehr herzustellen. 20 Mitarbeiter zusätzlich möchte er einstellen. 100 Beschäftigte sind derzeit am Standort Regensburg tätig. 15 arbeiten in Pforzheim in der Saucenmanufaktur Hot Danas, die Händlmaier 2017 gekauft hat und die Wunderlich nach Regensburg holen möchte – ein weiterer Grund für den Ausbau.

Senf-Absatz stagniert

Ein Blick in das Warenlager Foto: Ried

Viel mehr Senf als jetzt allerdings werde wohl in Zukunft nicht vom Band laufen, sagt Wunderlich. „Der Bereich stagniert.“ Ein Wachstum von 0,8 Prozent ist für 2017 prognostiziert. In der Branche tobt ein Verdrängungswettbewerb, in dem der Regensburger Mittelständler im Kampf mit den Konzernen seit Jahren Boden gutmacht: So ist der Marktanteil des Aushängeschildes des Unternehmens, des süßen Senfs, inzwischen dem Marktforschungsunternehmen Nielsen zufolge in Bayern auf 85 Prozent gestiegen. Inklusive „Fremdabfüllungen“ für Discounter liegt er bei mehr als 90 Prozent. Deutschlandweit kommen acht von zehn Gläsern süßer Senf aus dem Hause Händlmaier. Ungefähr 100 Tonnen Senf aller Geschmacksrichtungen produziert das Unternehmen am Tag – und 15 Tonnen Sauce. „Das wollen wir natürlich gewaltig erweitern“, sagt Wunderlich über den zweiten Punkt.

Händlmeier wächst weiter.

Die Nachfrage nach Feinkostprodukten wächst stark, in den vergangenen Jahren um fünf bis zehn Prozent. „Und der Markt hat den Vorteil, dass er ein bisschen innovativer ist“, sagt Wunderlich. Er lässt seit 2006 Saucen herstellen – für verschiedenste Geschmäcker. Die Produkte von Hot Danas sprechen Schärfe-Freaks an. Die neuen Salatdressings sind fettfrei, zuckerfrei, ohne Laktose, Gluten und zumeist auch vegan.

Auch durch den Zukauf von Hot Danas konnte Wunderlich den Umsatz des Unternehmens – den er nicht nennt – von 2016 auf 2017 um 25 Prozent steigern. Dieses Jahr rechnet er mit einem Umsatzwachstum zwischen zehn und 15 Prozent. Für das Jahr 2016 weist der Jahresabschluss allein für die Marke Händlmaier – also ohne Fremdabfüllungen – einen Gewinn von 2,73 Millionen Euro aus. Die Zahl für 2017 ist noch nicht bekannt.

Bei Händlmaier wird nicht nur Senf, sondern auch Salatsauce abgefüllt. Foto: Ried

„Um die Wettbewerbsfähigkeit gegen die großen Konzerne weiter sicherzustellen“, will er ab Ende 2018 die Abfüllanlage erneuern und die Herstellung erweitern. Auf der Erweiterungsfläche will er zunächst eine neue Halle bauen. Das Fertigwarenlager soll in diese umziehen. Die ältere Halle, die dann leer steht, wird für die Produktion ertüchtigt. Bereits 2010 hatte das Unternehmen die Fläche erworben, auf der es baut – jetzt sind in dem Gewerbegebiet keine Grundstücke mehr zu bekommen; es ist voll.

Stadt: „Wichtige Entscheidung“

Franz Wunderlich ist Händlmaier-Geschäftsführer. Foto: Ried

Der Regensburger Wirtschaftsreferent Dieter Daminger zeigte sich im Gespräch mit der Mittelbayerischen sehr erfreut über die Erweiterung. „Das ist natürlich eine wichtige Entscheidung, dass ein Unternehmer wieder am Standort Regensburg expandiert. Sie zeigt auch das Vertrauen in und die Identifikation mit dem Standort.

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In seinem Wachstum bremsen könnte Händlmaier allenfalls der Fachkräftemangel. „Momentan ist es im gewerblichen Bereich schwierig“, sagt Wunderlich über die Suche nach Produktionsmitarbeitern. Das liege daran, dass in Regensburg nahezu Vollbeschäftigung herrsche. Er habe nur zwei Lehrlinge, obwohl er gerne deutlich mehr ausbilden würde. So muss er Fachkräfte finden, entweder solche für Lebensmitteltechnik oder aus anderen Lebensmittel-Berufen wie Bäcker oder Metzger. Die Herstellung läuft bei Händlmaier in drei Schichten rund um die Uhr. Nach eigenen Angaben zahlt das Unternehmen übertariflich.

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Historie

  • Beginn:

    1914 kreiert Metzgersgattin Johanna Händlmaier erstmals ihren süßen Hausmachersenf.

  • Übergabe:

    1949 übernimmt Sohn Joseph mit seiner Frau die Metzgerei und das Senfgeschäft. 1964 werden die Metzgereifilialen verkauft. Die Firma „Luise Händlmaier“ wird gegründet, die 1981 die Enkelin übernimmt.

  • Die Urenkel-Generation:

    1990 steigt Franz Wunderlich in die Firma ein. Da hat sie 15 Mitarbeiter.

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