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Jahreszeiten

Der Sommer legt den Turbo ein

Unwetter, überflüssige Übergangsjacken und ein Totalausfall beim Rettich – Regensburg erlebt ein Frühjahr der Extreme.
Von Heike Haala

  • Die schönen Seiten des frühen Sommers: Die Regensburger genießen die Sonnenuntergänge am Donauufer. Foto: Lex
  • Auch Wetterkapriolen wie der heftige Hagelschauer über Thanhausen am 19. Mai gehören zur Wetterbilanz des Regensburger Frühlings 2018. Foto: Auer

Regensburg. Hagelkornschippen in Thanhausen, eine vollgelaufene Bahnunterführung bei Laub, Überflutungen in der Frankenstraße, im Prüfeninger Tunnel oder auf dem Marktplatz in Laaber in den vergangenen Wochen gab es mehrere heftige lokale Unwetter in Stadt und Landkreis Regensburg, während derer die Einsatzkräfte alle Hände voll zu tun hatten. Diese Unwetter sind aber nur einige markante Eckdaten des Frühlings in Regensburg, der in diesem Jahr einen Durchmarsch hinlegte.

Ein Video von dem Unwetter beim Thanhausen sehen Sie hier

Heftiger Hagelschauer bei Wenzenbach

Seit Wochen ist es heiß und sonnig. Dabei begann der meteorologische Sommer erst am 1. Juni, der kalendarische Startschuss steht sogar noch aus: Er ist in diesem Jahr am 21. Juni. „Es war ein schnelles Frühjahr“, bestätigt Gudrun Mühlbacher, Leiterin des Regionalen Klimabüros beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in München. Der März sei in diesem Jahr sehr kühl gewesen. Das habe sich ab April aber rasant geändert: Die Temperaturen stiegen, die Sonne schien von früh bis spät, dafür regnete es sehr wenig. Der Mai setzte diesen Trend fort. Sie waren der wärmste April und Mai der Wetteraufzeichnungen.

Eine Bildergalerie von dem Unwetter bei Thanhausen sehen Sie hier.

Unwetter im Landkreis Regensburg

Hitze und Sonne satt

Ein Blick auf die Werte für Regensburg belegt diese Einschätzung. Am 18. März kam das Quecksilber noch nicht einmal über die Null-Grad-Marke hinaus. Eine Woche später schoss es schon auf 14,1 Grad. Der vieljährige Mittelwert der Tagestemperatur beträgt für Regensburg im April 8,1 Grad. In diesem Jahr aber lag dieser Wert die meiste Zeit weit im zweistelligen Bereich. Im Mai gab es in Regensburg sogar lediglich einen Tag unter dem langjährigen Jahresmittel von 12,9 Grad. Auch die Sonnenscheinstunden liegen über dem Durchschnitt: Während die Sonne im Regensburger Mai durchschnittlich 207,6 Stunden scheint, waren es in diesem Jahr über 250 Sonnenstunden. Im April schien die Sonne über der Domstadt um die 240 Stunden statt der üblichen 167. Mehr geht fast nicht, sagt Mühlbacher.

Ein Video von dem Unwetter bei Laaber finden Sie hier.

Markt Laaber nach heftigem Regen überschwemmt

Die Konsequenzen dieses rasanten Frühjahrs bekommt beispielsweise der Winzerer Gemüsebauer Josef Köstlmeier zu spüren. Wegen der Hitze muss er viel gießen. Davon berichten auch die Mitarbeiter am städtischen Gartenamt. Das Gießen koste zwar, ist Köstlmeier aber immer noch lieber als Unwetter, die ihm die Ernte verhageln. Sorgen bereitet ihm vor allem der Rettich. Wegen der Kälte Ende März mussten die Pflanzen ein zweites Mal austreiben. Die darauffolgende Hitze sorgt jetzt dafür, dass der Rettich seine Samenstände entwickelt und nicht mehr so viel Energie für die wohlschmeckende Wurzel übrig hat. Köstlmeier spricht von einem Totalausfall. Auch der Salat entwickle jetzt schon seine Samenstände. Das geht zu Lasten der Optik. Deswegen kann Köstlmeier diesen Salat nicht mehr vermarkten. Probleme gibt es auch bei den Tomaten. Durch die großen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sammelt sich morgens viel Tau an ihren Blättern an. Ein Klima das Tomaten-Parasiten lieben. Die Mitarbeiter im städtischen Gartenamt haben bemerkt, dass viele Blumen in diesem Jahr früher blühen als sonst.

Hier sehen Sie ein Video von den Unwettern über Regensburg.

Es blitzt und donnert über der Oberpfalz

Die Grippewelle endete abrupt

Auch im Einzelhandel sind die Folgen des rasanten Frühjahrs zu spüren. Guido Herrmann, Leiter der Galeria-Kaufhof-Filiale in der Regensburger Innenstadt, sagt, dass Ware wie Übergangsjacken in diesem Jahr nicht so oft über die Ladentheke geht. Ausgleichen kann er das mit dem Verkauf von Sonnenbrillen, Grillutensilien oder Bademode – klassischer Sommerware also – die in diesen Tagen sehr gefragt sind.

Ein Bildergalerie von dem Unwetter bei Laaber sehen Sie hier.

Markt Laaber nach Starkregen überschwemmt

Auch auf die Gesundheit der Regensburger hat das Wetter Auswirkungen. Laut Prof. Jan Braess, Chefarzt am Krankenhaus Barmherzige Brüder, setzte das warme Wetter der heftigen Grippewelle in Regensburg Anfang April ein abruptes Ende. Solange es heiß ist, rät er Herz- und Kreislaufpatienten sowie Lungenkranken und älteren Menschen, viel zu trinken. Sie sollen die pralle Sonne meiden und sich nicht zu warm anziehen. Zudem rät er jetzt zu leichter Kost und Sonnenschutz.

Auf die Psyche der Regensburger haben jetzt vor allem die vielen Sonnenstunden Einfluss, sagt Franz Niedermüller vom psychologischen Dienst der Barmherzigen Brüder: Die Stimmung steigt, die Menschen werden aktiver. Dr. Thomas Loew, Leiter der Abteilung für Psychosomatik des Universitätsklinikums Regensburg, bestätigt das. Er rät dazu, dies zu nutzen. Wer früher in die Arbeit geht, könne vielleicht früher aufhören und das Wetter ausgiebig genießen. Loew gibt diesen Tipp auch vorausschauend. Denn die nächste Schlechtwetterperiode kommt bestimmt. Liegengebliebenes könne dann abgearbeitet werden.

Auch in den sozialen Netzwerken waren die Unwetter Thema:

# Unwetter #blitz #regensburg #thunder

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