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Wirtschaft

Deutsche Elf war nicht gut fürs Geschäft

Der Trikotverkauf lief gut, doch das deutsche Spiel geriet zur Durstbremse. Und wer kommt nun noch zum Public Viewing?
Von Heinz Klein

  • Public Viewing am 0941-Beach an der Nibelungenbrücke. Wirt Peter Artmann baut seine Bestuhlung am Donaustrand an der Nibelungenbrücke zurück. Foto: Klein
  • Am Mittwoch war Regenpause, doch das Public Viewing im großen Prüfeninger Schlossgarten geht weiter. Foto. Klein

Regensburg.Am Mittwoch weinte auch noch der Himmel. Dort, wo demnächst wieder begeisterte Fußballfans die deutsche Nationalmannschaft anfeuern sollten, sammelten sich gestern Wasserlachen auf Sitzen und Bierbänken. Im 0941 Beach an der Nibelungenbrücke hatte Peter Artmann auf seinem Stück Donaustrand mächtig viel bestuhlt und einen Riesenbildschirm samt Tribüne aufgebaut. Nun drückt ihn die Horrorvision aller Public Viewing-Veranstalter: Stell dir vor, es ist Fußball-WM und keiner schaut hin…

Am Donau-Beach fielen am Mittwochnachmittag beim Spiel gegen Südkorea an die 500 Fußballfans in Schockstarre. Und die sich langsam anbahnende WM-Pleite wirkte sich schon zur Halbzeit auf das Trinkverhalten der Besucher aus: leider negativ!

Ohne Führung nicht viel Durst

„Wenn Deutschland zur Halbzeit nicht führt, wird weniger getrunken“, hat Beach-Betreiber Peter Artmann schon bei den Spielen vorher festgestellt. Und Frusttrinken gibt es bei den Fans offenbar nicht. So war mit dieser deutschen Elf von vorneherein weniger Geschäft zu machen. Was die Nationalmannschaft am Mittwoch bot, war schlichtweg „Arbeitsverweigerung“, klagt Artinger, der nicht nur Geschäftsmann, sondern auch ein glühender Fußballfan ist. „Es ist geschäftlich kein Desaster, aber es ist einfach schade“, sagt er und wird auf seinem Strand nun wieder viele Sitze abbauen. An die 100 sollen stehenbleiben. „Vielleicht bekommen wir bei dieser WM ja trotzdem noch schöne Fußballspiele“, hofft der Beach-Chef.

„Es ist geschäftlich kein Desaster, aber es ist einfach schade.“

Beach-Betreiber Peter Artmann

Auch im großen Kneitinger Schlossgarten in Prüfening sollten in den nächsten Wochen fröhliche Fußballpartys unter mächtigen Kastanien gefeiert werden. „Wir haben zum Public Viewing 1500 Zuschauer angemeldet“, erzählt Conrad Scholtz, Assistent der Geschäftsführung. Zum 16-Uhr-Spiel gegen Südkorea hatten sich rund 1000 hoffnungsfrohe Zuschauer eingefunden. Doch die gute Stimmung schmolz bald dahin, und nach dem Desaster wollten alle nur noch nach Hause. Im Schlossgarten wird nun die mobile Schankstation zurückgebaut, doch die Plätze bleiben. „Wir nutzen die Leinwand weiterhin und hoffen, zum Finale hin doch noch Fußballfreuden erleben zu können“, hofft der Assistent der Geschäftsführung.

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Peter Tahedl: „Geschäftlich ist das WM-Aus kein Trauerfall, fußballerisch schon.“ Foto: Klein
Peter Tahedl: „Geschäftlich ist das WM-Aus kein Trauerfall, fußballerisch schon.“ Foto: Klein

„Geschäftlich ist das WM-Aus kein Trauerfall, fußballerisch ist es schon einer.“ Peter Tahedl, Betreiber des gleichnamigen Sportgeschäfts, macht der deutschen Elf als Fußballfan schwere Vorwürfe. Erschreckend unmotiviert habe die Nationalmannschaft gespielt, ohne Herzblut. Geschäftlich wirke sich die WM-Pleite aber nicht aus. Die Fans hatten sich schon vor der WM mit Trikots der Nationalmannschaft eingedeckt. Die Erwachsenen-Trikots sind bei Sport Tahedl schon ausverkauft, Kindertrikots gibt es noch ein einige. „Die werden nun aber von 69,99 auf 49,99 Euro reduziert“, kündigte Peter Tahedl an. Nur das Trikot von Torwart Manuel Neuer ist noch zu haben: Für 99,99 Euro. Und das bleibt preislich stabil.

Die Nachtschicht räumte ab

An der HEM-Tankstelle in der Friedenstraße hatte schon der Nachtdienst Tabula rasa im Fanartikelbereich betrieben. „Alles weg“, sagte die nette Susi an der Kasse, die ihren Nachnamen für sich behielt. Schwarz-rot-goldene Schals, Flaggen oder Überzieher für die Außenspiegel waren am Vormittag schon weggeräumt, nur Panini-Spieler-Fotos gibt es noch.

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Die WM-Pleite hat auch in anderen Geschäftsbereichen Auswirkungen. „Gerade die Buben im Alter so bis 15, 16 wünschen sich die Frisur ihrer Fußballeridole“, erzählte eine Friseurin, die deswegen schon die Haarschnitte diverser Stürmer studierte. Die DFB-Frisuren werden nun wohl kaum mehr nachgefragt werden, was zu einer gewissen haarigen Ratlosigkeit führen könnte.

Bei allem Frust bleibt noch einer, der auf den Mittelstreifen viel befahrener Regensburger Straßen mit dem Fußball in der Hand die Stellung hält. „Ball halten“ lautet die Botschaft des CSU-Landtagsabgeordneten Franz Rieger auf seinen Wahlplakaten. Was genau er damit meint, bleibt interpretationsfähig. Mal schauen, wie lange er den Ball am Mittelstreifen noch weiter hält.

Public Viewing

  • Im Prüfeninger Schlossgarten

    war am Mittwoch bei Regenwetter und dem Schock nach dem WM-Aus Pause beim Fußballgucken. Doch das Public Viewing geht weiter. „Wir werden die Leinwand nutzen und ab 14 Uhr weiterhin alle Fußballspiele anbieten“, versicherte Conrad Scholtz, Assistent der Geschäftsführung im Kneitinger Schlossgarten, der mit 1500 Sitzplätzen der größte Anbieter beim Public Viewing in Regensburg ist. Freilich erwartet man nicht mehr den Besucheransturm, den Deutschlandspiele gebracht hätten, und wird daher die mobile Schankstation zurückbauen.

  • Auch am Donaustrand

    geht das Public Viewing weiter. Allerdings wird die Zahl der Sitzplätze vor der großen Leinwand reduziert. Bei schönem Wetter ist der 0941 Beach an der Nibelungenbrücke von 11 bis 23 Uhr, am Freitag bis 24 Uhr und am Samstag von 14 bis 24 Uhr geöffnet. Dann können alle Spiele gesehen werden.

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