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Tiere

Die Akrobaten der Lüfte brauchen Hilfe

Vogelschützer wollen in Regensburg mehr Platz für Schwalben und Mauersegler schaffen. Vorher müssen belastbare Zahlen her.
Von Wolfgang Ziegler

Mehlschwalben bauen kunstvolle Lehmnester an rauh verputzten Häuserwänden unter geschützten Dachvorsprüngen. Foto: Rainer Jensen/dpa/Heinz Tuschl
Mehlschwalben bauen kunstvolle Lehmnester an rauh verputzten Häuserwänden unter geschützten Dachvorsprüngen. Foto: Rainer Jensen/dpa/Heinz Tuschl

Regensburg.In Stadt und Landkreis Regensburg nimmt die Zahl von Schwalben und Mauerseglern – den sogenannten Gebäudebrütern, weil sie ihre Nester in Giebeln und an Vorsprüngen bauen – seit Jahren ab. Zwar wurden bei der letztjährigen Vogelzählung auch die flinken Flieger erfasst und ein leichter Anstieg um 0,15 Prozent registriert. Wie Tom Aumer, stellvertretender Vorsitzender der Kreisgruppe Regensburg des Landesbundes für Vogelschutz (LBV), gegenüber unserem Medienhaus erklärte, sei dies wohl auf das damals günstige Wetter zurückzuführen. „Wenn die Sonne scheint, herrscht mehr Flugbetrieb“, sagte er im Interview.

Daran, dass das Aufkommen über Jahre hinweg rückläufig ist, lässt der stellvertretende LBV-Vorsitzende aber keine Zweifel. „Es gibt immer weniger Insekten als Vogelfutter und es gibt immer weniger Nistmöglichkeiten“, zählt er auf. Dies auch deshalb, weil bei Gebäudesanierungen Nischen und Spalten häufig verschlossen würden. Dies sei zwar grundsätzlich kein Problem, wenn als Alternativen Nistkästen aufgehängt würden. Doch während die Schwalbe lange Zeit als Glücksbringer gegolten habe, was an dem Sprichwort „Wo Schwalben nisten, wohnt das Glück“ abzulesen sei, sehe man heutzutage nur den Kot der Vögel und die damit verbundene Arbeit. Dabei könne man mit einfachsten Maßnahmen mit Schwalben und Mauerseglern friedlich zusammenleben, so Aumer. Mit einer Folie auf dem Boden unter dem Nest und dem regelmäßigen Abspritzen der Hauswand mit dem Gartenschlauch sei der Vogelkot schnell kein Problem mehr.

Lockruf aus dem Lautsprecher

Wie man mit dem Thema positiv umgehen kann, zeigen nach den Worten Aumers die Willi-Ulfig-Mittelschule (die frühere Hans-Herrmann-Schule, Anm. d. Red.) und das Goethe-Gymnasium in Regensburg. Während an der Mittelschule schon länger viele Nistkästen für Mauersegler aufgehängt worden seien, habe man jetzt auch am Goegy 40 Brutplätze installiert, die bei Dämmmaßnahmen zunächst verschlossen worden waren.

Zudem installierte Aumer ein Lockruf-System für Mauersegler, denn die Akrobaten der Lüfte reagieren auf Koloniegeräusche. „Dabei handelt es sich um eine Sounddatei auf einem MP3-Stick, der mit einem Lautsprecher-System gekoppelt ist und per Zeituhr aktiviert wird. Auf diese Art wird der Lockruf morgens, mittags und abends für jeweils eine Stunde gesendet“, erzählt er.

LBV braucht belastbare Zahlen

Somit weiß der LBV zumindest schon von diesen Brutpaaren. Um belastbarere Zahlen zu bekommen, sind die Vogelschützer aber auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen, die sie fragen: Wer hat Nistplätze auf seinem Grundstück oder weiß von etwaigen Nistplätzen? Wichtig ist dabei, um welche Art es sich handelt und wie viele Brutstätten vorhanden sind, sowie die Adresse des Gebäudes. „Nur so können wir den aktuellen Bestand genau kartieren“, sagt Aumer. Hinweise können ab sofort per E-Mail an regensburg@lbv.de oder per Telefon, WhatsApp etc. an das LBV-Telefon (01 75) 4 50 39 94 geschickt werden.

Die Steckbriefe

  • Rauchschwalbe:

    Sie brütet meist in Gebäuden und ist daher auf menschliche Toleranz angewiesen. Lange Schwanzspieße, rotes Gesicht, dunkelblaue Oberseite und dunkelbraunes Brustband auf weißlicher Unterseite bestimmen die Rauchschwalbe. Ihr offenes, napfförmiges Nest aus kalk- und tonhaltigem Erdmaterial wird gerne in Ställen, Garagen oder Scheunen gebaut.

  • Mehlschwalbe:

    Das Markenzeichen des Seglers ist der leuchtend weiße Bürzel, der sich von der dunklen Oberseite abhebt. Auch am Bauch ist die Mehlschwalbe mit Ausnahme der Schwanzfedern rein weiß gezeichnet. Sie baut kunstvolle Lehmnester an rau verputzten Häuserwänden unter geschützten Dachvorsprüngen. Dort brütet sie oft in großen Kolonien.

  • Mauersegler:

    Eine Flügelspannweite bis zu 40 Zentimeter, ein schwarzes Gefieder mit grauweißer Kehle und laute „shri“-Rufe kennzeichnen den rasanten Flieger. Er ist nur von Anfang Mai bis Ende Juli bei uns zu Gast und brütet hauptsächlich in Städten mit hohen Gebäuden, wie Wohnblocks oder Türmen. Vorzugsweise werden in mehrgeschossige Häusern Nischen und Spalten besiedelt.

Unterstützung findet das Projekt nach Aumers Worten auch vom Umweltamt der Stadt Regensburg. Bürgermeister Jürgen Huber freue sich über die Initiative der LBV-Kreisgruppe Regensburg und habe berichtet, dass seine Mitarbeiterinnen des fachlichen Naturschutzes Bauherren bei geplanten Sanierungen hilfreiche Tipps geben könnten, was zu tun sei, wenn geschützte Tiere und Lebensstätten an Gebäuden vorhanden seien.

Umweltsamtleiter Rudolf Gruber weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass nach Naturschutzrecht Fortpflanzungs- und Ruhestätten besonders geschützter Arten nicht beschädigt oder zerstört werden dürften. Er rate dazu, sich vor geplanten Sanierungen lieber beim Umweltamt kundig zu machen, um Probleme mit dem Artenschutzrecht zu vermeiden.

Sollten Bauherren geeignete Nistmöglichkeiten an ihren Gebäuden anbringen wollen, so freue sich nicht nur die Umweltbehörde, sondern auch der LBV.

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