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Natur

Die Allee der grünen Stars in Regensburg

Jedes Jahr wird ein „Baum des Jahres“ gekürt. Die Titelträger aus 30 Jahren reihen sich am Bezirksklinikum zu einem Lehrpfad.
Von Heinz Klein

Die Leiterin der „grünen Abteilung“ der medbo, Claudia Schneider-Vangerow und ihr Stellvertreter Martin Hartl beim jüngsten Neuzugang des Baumlehrpfads, der Esskastanie. Foto: Heinz Klein
Die Leiterin der „grünen Abteilung“ der medbo, Claudia Schneider-Vangerow und ihr Stellvertreter Martin Hartl beim jüngsten Neuzugang des Baumlehrpfads, der Esskastanie. Foto: Heinz Klein

Regensburg.Noch kann man nicht im Schatten ihrer Baumkronen wandeln, aber das wird noch: am südlichen Ende des 26 Hektar großen Areals des Bezirksklinikums zeigt sich die medbo (Medizinische Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz) von ihrer grünen Seite und bietet jede Menge Natur. Dort zieht sich ein Baumlehrpfad entlang, der von allen bisher gekürten „Bäumen des Jahres“ flankiert wird. Die Aktion „Baum des Jahres“, von der Dr. Silvius Wodarz Stiftung initiiert, begann im Jahr 1989. Debütant war die Stileiche, Symbol für Kraft und Ausdauer.

Die medbo unterhält in Regensburg eine sechsköpfige Mannschaft mit berufsmäßig grünem Daumen. Chefin ist die Baumschulgärtnermeisterin Claudia Schneider-Vangerow, die bereits Ende der 1990er Jahre begonnen hatte, jedes Jahr einen jeweils frisch gekürten Baum des Jahres zu pflanzen. Die kleine grüne Galerie musste dann allerdings dem Erweiterungsbau der Forensik weichen. Doch für dieses Bauvorhaben wurden der medbo Ausgleichsmaßnahmen auferlegt, unter anderem die Schaffung von 20 000 Quadratmetern heimischer Magerwiesen, die derzeit herrlich blühen und die reinste Bienenweide sind.

Noch Platz für Jahrzehnte

Der Eingang des Baumlehrpfades Foto: Heinz Klein
Der Eingang des Baumlehrpfades Foto: Heinz Klein

Auch neue Bäume sollten gepflanzt werden. „Da kam wieder die Idee mit den Bäumen des Jahres auf“, erzählen Claudia Schneider-Vangerow und ihr Stellvertreter Martin Hartl, ein Landschaftsgärtnermeister. Und so entstand nun eine kleine Allee von 30 Bäumen des Jahres, meist noch mit einem Stellvertreter als Reservebaum versehen. Den Anfang machte die Stileiche, den vorläufigen Schluss bildet die Esskastanie, Baum des Jahres 2018. „Es ist genug Platz, das reicht mindestens noch für 30 weitere Bäume des Jahres. Da kann sich dann auch mein Nachfolger noch austoben“, lacht die Chefin der grünen medbo-Abteilung.

„Es ist genug Platz, das reicht mindestens noch für 30 weitere Bäume des Jahres. Da kann sich auch mein Nachfolger noch austoben.“

Claudia Schneider-Vangerow, Baumschulgärtnermeisterin

Die Bäume wurden mit einem Stammumfang von 18 bis 20 Zentimeter gepflanzt. Sie sind in der Regel etwa vier bis fünf Meter hoch und zwölf Jahre alt. Nicht alle kommen mit dem sonnigen Standort und dem lehmigen Boden bestens zurecht. Die schattenliebende Eibe musste mit grünen Planen künstlich beschattet werden und die Erle hat trotz vielen Gießens den Geist aufgegeben. Die Tanne wurde in der Weihnachtszeit Opfer von Zweigerldieben, die sich das Grün für ihren Adventskranz von dem Bäumchen brachen. Sie hat die dreiste Verstümmelung aber überlebt und muss nun wohl vor der nächsten Adventszeit vor diebischen Begehrlichkeiten geschützt werden.

Wenn Bäume erwachsen werden

Die Bäume werden gegossen und gedüngt. „Und natürlich versuchen wir, den Bedürfnissen der Bäumchen so weit möglich gerecht zu werden“, erzählt Claudia Schneider-Vangerow – zum Beispiel, was den ph-Wert des Bodens betrifft. Zudem erhält jeder Baum des Jahres ein Täfelchen mit den wichtigsten Informationen über die jeweilige Baumart. „Ein Besuch des Baumlehrpfades wäre doch eigentlich auch was für Schulklassen“, schlägt die medbo-Gärtnerin vor.

Die Tanne wurde bestohlen. Foto: Heinz Klein
Die Tanne wurde bestohlen. Foto: Heinz Klein

Die medbo-Leute mit dem grünen Daumen kümmern sich bei Baumpflanzungen in den ersten Jahren um Bedürfnisse und Wehwechen ihrer Pfleglinge. Doch wenn ein Baum mal 20 Jahre alt und (wie der Mensch auch) volljährig ist, müssen die Bäume alleine zurechtkommen. Jeden Baum weiter zu pflegen wäre bei 1244 erfassten Einzelbäumen und 26 400 Quadratmeter waldähnlichem Bestand auf der Fläche des Regensburger Bezirksklinikums auch gar nicht möglich.

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Denn neben der Baumpflege muss sich die grüne Abteilung auch um Zierpflanzen und blühende Anlagen kümmern. In einem Gewächshaus werden zudem Zierpflanzen und Schnittblumen für Blumensträuße gepäppelt.

Tafeln liefern Infos zum Baum. Foto: Heinz Klein
Tafeln liefern Infos zum Baum. Foto: Heinz Klein

Das Team umfasst neben Schneider-Vangerow und Hartl noch zwei Baumschulgärtner und zwei Zierpflanzengärtner. Auch Patienten, die sich gerne etwas erden und mitarbeiten wollen, können beim Umtopfen, Jäten, Gießen und Gärtnern gerne mithelfen, sofern die Beschäftigung für sie geeignet ist. So können etwa Patienten mit neurologischen Beeinträchtigungen wieder Fingerfertigkeit üben. Für andere ist dieses Mitarbeiten im Grünen eine Gelegenheit, sich zu beweisen oder auch wieder auf den Boden zu kommen.

Die Eibe muss beschattet werden. Foto: Heinz Klein
Die Eibe muss beschattet werden. Foto: Heinz Klein

Das Grün und die Natur sind gut für die Seele und so nutzen Patienten den Baumlehrpfad ganz gerne. Auch medbo-Mitarbeiter wandern zur Entspannung mal schnell über den Baumlehrpfad. Zudem steht die Allee, die sich zwischen den Parkplätzen der medbo-Mitarbeiter und den Klinikeinrichtungen entlang schlängelt, auch für die Allgemeinheit offen. Sie ist von der Karl-Stieler-Straße aus zu erreichen und endet vorerst noch an einem Zaun, der den Weg in den Klinikbereich versperrt. Es wird aber angedacht, diesen Zugang zu öffnen.

Spaziergänger haben sich derweil schon einen kleinen Trampelpfad gebahnt, der am Zaun linker Hand hinunter zur Vitusstraße führt.

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Wissenswertes zu den Bäumen

  • Die Bäume des Jahres:

    Die Wahl eines „Baum des Jahres“ begann im Jahr 1989 mit der Stileiche. Die weiteren Bäume des Jahres: 1990 Buche; 1991 Sommerlinde; 1992 Bergulme; 1993 Speierling; 1994 Eibe; 1995 Spitzahorn; 1996 Hagebuche; 1997 Vogelbeere; 1998 Wildbirne; 1999 Silberweide; 2000 Hängebirke; 2001 Esche; 2002 Wacholder; 2003 Schwarzerle; 2004 Weißtanne; 2005 Rosskastanie; 2006 Schwarzpappel; 2007 Waldföhre; 2008 Walnuss; 2009 Bergahorn; 2010 Vogelkirsche; 2011 Elsbeere; 2012 Lärche; 2013 Wildapfel; 2014 Traubeneiche; 2015 Feldahorn; 2016 Winterlinde; 2017 Fichte; 2018 Esskastanie

  • Die Esskastanie

    ist mit der Rosskastanie, wie sie in den Biergärten steht, nicht verwandt. Nur die frappierende Ähnlichkeit ihrer Früchte, die aus stacheligen Kugeln herausplatzen, hat die beiden Baumarten zu scheinbar verwandten Namensvettern gemacht. Die Esskastanie gehört zur Familie der Buchengewächse.

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