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Regensburg
Freitag, 21. September 2018 28° 2

Tourismus

Die Geschichte von Regensburg erleben

Die Gästeführer stellten zum Welttag ihre Arbeit vor. Sie nahmen Besucher mit auf die Zeitreise in historische Jahrhunderte.
Von Laura Lindner

Margarethe Runtinger lässt sich von einem weit gereisten Händler Geschichten aus aller Welt erzählen. Fotos: Lindner
Margarethe Runtinger lässt sich von einem weit gereisten Händler Geschichten aus aller Welt erzählen. Fotos: Lindner

Regensburg.Die Geschichtsträchtigkeit von Regensburg ist in der Altstadt nicht zu übersehen. Überall verstecken sich Relikte, die auf vergangene Zeiten und herausragende Personen hinweisen. Acht dieser Persönlichkeiten und Jahrhunderte wurden am Sonntag anlässlich des Weltgästeführertags bei vier szenischen Stadtführungen thematisiert.

Den „International Tourist Guide Day“, der jährlich am 21. Februar begangen wird, gibt es bereits seit 1990. Das Motto für 2018 „Menschen, die Geschichte schrieben“ wurde vom kulttouren e. V., dem Verband der Regensburger Gästeführer, umgesetzt. Petra Huber ist eine der Gästeführerinnen und nahm gestern viele Interessierte in die Geschichte der Domstadt mit.

Die Regensburger Hoch-Zeit

Mit dem Glockenschlag des Alten Rathauses um 11.30 beginnt die zweite Führung für Petra Huber an diesem Sonntagvormittag. Acht Teilnehmer haben sich dafür bei der Tourist-Info versammelt, sowohl Regensburger als auch Auswärtige sind unter ihnen. Der erste Weg führt Huber und ihre Schützline in den Hinterhof des Kepler-Gedächtnishauses und damit in das mittelalterliche Regensburg.

„Der Kepler-Turm verweist auf die Patrizierzeit, die eine Hoch-Zeit für Regensburg darstellte“, erklärt die Gästeführerin. Als Fernhandelshochburg hätte die Stadt eine „Zeit der Glorie“ erlebt. Eine, die davon besonders profitierte, war Margarethe Runtinger. Beim Betreten der Räumlichkeiten staunen die Teilnehmer, als sie von eben dieser Frau Runtinger in ihre Welt des 14. Jahrhundert mitgenommen werden.

Bei dieser ersten Schauspieleinlage der Führung trifft Margarethe Runtinger auf einen Händler, der ihr zahlreiche Geschichten aus fernen Ländern erzählt. Er schwärmt von der feinen Seide aus dem Orient und Stoffen aus Venedig genauso wie von Pfeffer und Safran aus weit entfernten Ländern.

Weltgästeführertag in Regensburg

Am Ende der Vorstellung kommt auch die Gruppe auf ihre kulinarischen Kosten und erhält einen Teller voll „orientalischer Köstlichkeiten“, wie Datteln, Feigen und kandiertem Ingwer. Die Räume, in denen die Szenen gespielt wurden, sind „nach zahlreichen Umbauten heute wieder so, wie Kepler sie einst sah“, sagte Huber. Mit der teils original und originalgetreuen Einrichtung werde dem Besucher des Museums ein Einblick in die Wohngegebenheiten der damaligen Zeit gegeben.

Weiter gehts zum Fischmarkt, wo die Statue des Don Juan de Austria wartet. Der Sohn der Regensburgerin Barbara Blomberg und Kaiser Karls V. wurde vor allem wegen seiner Zeit als spanischer Feldherr berühmt. Das Abbild zeigt den Mann, wie er mit einem Fuß auf dem Kopf des Osman Pascha steht und seinen Sieg bei der Seeschlacht von Lepanto feiert.

Führung macht Lust auf mehr

Als die Führung dann in das 17. Jahrhundert eintaucht, spielt vor allem der immerwährende Reichstag eine Rolle. Auf der barocken Fürstentreppe im Alten Rathaus erwartet die Gruppe die nächste Szene mit der Frau des bekannten Regensburger Bankiers Hieronymus Löschenkohl. Diese beschwert sich über ihren Ehemann, der sie mit einem Berg Schulden sitzenließ und über den Reichstag. Auch wenn die Regensburger sich viel darüber beschwerten, sei der Reichstag finanziell eine große Bereicherung für die Stadt gewesen, sagte Huber.

Im Keller des Hauses wartet auf die Truppe eine Weinverkostung zusammen mit dem englischen Gesandten Sir George Etheridge, der währenddessen eines seiner frivolen Gedichte vorträgt. Der restliche Weg führt vorbei an der bekannten Helene von Bayern sowie der Schnupftabakfabrik „Schnupfe“ mit Wilhelm Busch und ließ die Gruppe begeistert zurück: „Es war ausgezeichnet und macht Lust darauf mehr von Regensburg zu sehen“, bedankte sich ein Teilnehmer bei Huber.

Lesen Sie hier ein Interview mit Gästeführerin Petra Huber:

Was begeistert Sie an Regensburg?

Gästeführerin Petra Huber Foto: Lindner
Gästeführerin Petra Huber Foto: Lindner

Regensburg ist die perfekte Mischung aus Alt und Neu. Ich bin zwar Literatur- und nicht Geschichtswissenschaftlerin, habe aber trotzdem bereits im Studium diese Verbindung gespürt. Die Stadt hat genau die richtige Größe. Sowohl privat als auch beruflich, wenn ich als Gästeführerin unterwegs bin, treffe ich immer auf Menschen, die ich in verschiedenen Lebenslagen kennengelernt habe und das macht mich glücklich.

Woher kommt ihre Leidenschaft für die Arbeit als Gästeführerin?

Die Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen! Sowohl alten als jungen, alternativen als konservativen oder verrückten als gediegenen Menschen kann ich Regensburg zeigen. Diese Stadt, die mich begeistert, mit meinen eigenen Worten vermitteln zu können, bereitet mir Freude. Durch diese Arbeit lerne ich außerdem viele internationale Gäste und damit die Welt kennen. Die Kunst ist, jeden wahrzunehmen, der an einer Führung teilnimmt.

Welche Führung machen sie am Liebsten?

Ich liebe szenische Führungen mit Schauspieleinlagen. Dabei hat man zusammen mit den Teilnehmern einen sehr großen Spaßfaktor und kann die Leute mitreißen. Zum Beispiel gibt es die Führung mit dem Namen „Der Fall des Henkers“, die nach dem historischen Kriminalroman von Oliver Pötzsch abläuft. Dieser behandelt einen Doppelmord im 17. Jahrhundert in Regensburg. Ein Live-Krimi mit Kerkerhaft!

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