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Nahverkehr

Die Stadtbusse laufen nicht rund

Ausfall, Takt-Verlängerung, Sonntagsfahrplan am Samstag: Die Stadtbusse haben Probleme. Im Landkreis schüttelt man den Kopf.
Von Wolfgang Ziegler

In den vergangenen Wochen musste bei vielen Linien die Taktung gestreckt werden. Foto: Gruber
In den vergangenen Wochen musste bei vielen Linien die Taktung gestreckt werden. Foto: Gruber

Regensburg.Die Busse der Regensburger Verkehrsbetriebe stottern: Am 11. März kam es zu einem Totalausfall der Linie 7. In den vergangenen Wochen musste auf der Linie 1 statt des üblichen 10-Minuten-Takts im 20-Minuten-Takt gefahren werden. An den beiden vergangenen Wochenenden galt auf allen Linien auch an den Samstagen der deutlich ausgedünnte Sonntagsfahrplan. Teilweise verkehrten dem Vernehmen nach nicht einmal mehr Schulbusse. Grund dafür sind angeblich zahlreiche Krankheitsfälle – ausgelöst durch die grassierende Grippewelle.

Nach Informationen der Mittelbayerischen soll aber auch eine massive Überlastung der RVB-Busfahrer eine Rolle spielen. Wie der für den Fachbereich zuständige ver.di-Gewerkschaftssekretär Patrick Rostek sagte, gebe es Fahrer, die 300 Überstunden vor sich herschieben. „Der Durchschnitt liegt zwischen 80 und 90“, so Rostek. Diesen hohen Überstundenstand haben die Verkehrsbetriebe auf Nachfrage auch eingeräumt. Sie sprechen sogar von durchschnittlich rund 130 Überstunden pro Fahrer. Diese seien aber „nicht auf einen generellen Personalmangel zurückzuführen“, sondern „in den vergangenen Jahren kontinuierlich angewachsen“, so Pressesprecher Martin Gottschalk.

Zu dünne Personaldecke

Gewerkschafter Rostek formuliert es anders: „Lange Zeit ist nichts passiert, hat sich die RVB-Geschäftsführung nicht für die Belange ihrer Fahrer interessiert. Erst als zunehmend Busverbindungen ausfielen, wurde reagiert.“ Die Verkehrsbetriebe hätten seines Wissens nach nun aktuell sieben zusätzliche Busfahrer fest angestellt und weitere Zeitarbeitskräfte angeheuert, um die Überstunden abbauen zu können. Wie der ver.di-Sprecher sagte, sei das Problem allerdings keineswegs neu. Der Betriebsrat habe die RVB-Geschäftsführung in der Vergangenheit mehrfach darauf hingewiesen, dass die Personaldecke viel zu dünn sei, dass Busfahrer teilweise sogar an ihren freien Tagen hätten einspringen müssen, um den Fahrplan aufrecht erhalten zu können. Passiert sei lange Zeit gar nichts. „Natürlich macht das krank, wenn man nur noch lebt, um zu arbeiten, und wenn man keine Freizeit mehr hat.“

Die Fahrer der Regionalbusse im Landkreis scheinen dieses Problem nicht zu haben. Ihre Fehlzeiten bewegen sich im normalen Rahmen. Der Geschäftsführer der Gesellschaft zur Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs im Landkreis Regensburg mbH (GFN), Josef Weigl, machte im Gespräch mit der Mittelbayerischen dafür in erster Linie „unser anderes System“ verantwortlich. Die GFN habe keine eigenen Busse, sondern arbeite mit 14 Kooperationspartnern zusammen. Insgesamt seien 280 Busse und mehr als 750 Fahrer für das Regionalbusnetz im Einsatz. Bei etwaigen Abweichungen ständen wir hilfreich zur Seite, verantwortlich zeichne aber immer das jeweilige Unternehmen.

Für eine dieser Firmen, das Busunternehmen Watzinger, nach eigenen Angaben der größte privat geführte Busbetrieb Deutschlands, arbeitet Armin Amann. Als Betriebsleiter kennt er die Problematik. Er sagte uns: „Wir haben einen ganz normalen Krankenstand, nichts Dramatisches, Busausfälle gibt es nicht.“ Und auch Überstunden würden seine Fahrer nicht ansammeln. „Ich weiß nicht, welches System die Regensburger Verkehrsbetriebe haben. Wenn bei uns Überstunden anfallen, werden diese sofort ausbezahlt.“

Wirbel um eine Weisung

Von Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) war gestern keine Stellungnahme zu den Problemen bei den Verkehrsbetrieben zu bekommen. Laut städtischer Pressestelle sei sie „ziemlich durchterminiert“. Auch betroffene Busfahrer waren für unser Medienhaus nicht zu sprechen.

„Es gab und gibt keine entsprechende Dienstanweisung.“

Martin Gottschalk, RVB-Pressesprecher

Die RVB-Leitstelle hatte am 15. März eine „Weisung“ über das interne Businformationssystem versandt, die auf dem Display jedes einzelnen Fahrers erschienen war: „Geschäftsführung: Auf Anfragen von Fahrgästen und Presse dürften keine Auskünfte über Interna gegeben werden!! Bitte an Betriebsleitung verweisen!“ Laut Pressesprecher Martin Gottschalk wusste die RVB-Geschäftsführung davon nichts: „Es gab und gibt keine entsprechende Dienstanweisung der Geschäftsführung.“

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