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Jahresrückblick

Die Stadthalle bleibt Zukunftsmusik

Beim RKK sollen jetzt erneut die Regensburger gefragt werden. Es gab aber auch Projekte, die vorangetrieben wurden.
Von Norbert Lösch, MZ

Das „Problemquartier“ zwischen Maximilianstraße und Bahnhof: Ob und wie dort eine Stadthalle gebaut wird, bleibt am Jahresende wieder einmal unklar.
Das „Problemquartier“ zwischen Maximilianstraße und Bahnhof: Ob und wie dort eine Stadthalle gebaut wird, bleibt am Jahresende wieder einmal unklar. Foto: MZ-Archiv

Regensburg.Es war eine der spektakulärsten Entscheidungen des Jahres in Sachen Stadtentwicklung. Anstatt nach 32 Jahren Vorlaufzeit endlich Nägel mit Köpfen zu machen und die Option eines Erbpachtvertrags für den Ernst-Reuter-Platz als Standort für eine Stadthalle zu ziehen, kündigte die bunte Stadtratskoalition einen erneuten Bürgerentscheid an.

Die Hauptargumente für die aufgeschobene Entscheidung, beim Votum für das „Jahrhundertprojekt“ müssten die Bürger ins Boot geholt werden und außerdem sei das Thema RKK eng verknüpft mit den Planungen für eine neue ÖPNV-Drehscheibe am Hauptbahnhof, forderten prompt den Widerspruch der Opposition heraus. Reine „Verschleppungstaktik“ sei das, was die Stadtregierung hier mache, echauffierte sich CSU-Fraktionschef Hermann Vanino. Beide Projekte – eine Veranstaltungshalle im Zentrum und ein leistungsfähiger Busbahnhof – seien dringend notwendig und unabhängig voneinander endlich voranzutreiben.

Die Koalitionsmehrheit drückte freilich ihr Ansinnen durch, einen Bürgerentscheid auf der Basis eines vom Stadtrat initiierten Ratsbegehrens durchzuführen. Möglichst am Tag der Bundestagswahl im September 2017 soll nicht nur über das RKK, sondern auch über die bislang noch gar nicht ausgegorenen Pläne für einen künftigen Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) sowie die damit verbundene ÖPNV-Trasse für einen höherwertigen Nahverkehr abgestimmt werden. Falls das Ratsbegehren wegen der Verknüpfung mehrerer Fragestellungen rechtlich nicht umsetzbar sein sollte, will die Koalition um ein andersgeartetes Bürgervotum bitten.

Irgendwie ist die Luft raus

Es wird also mindestens ein weiteres Jahr verstreichen, ohne dass das „Jahrhundertprojekt“ entscheidend vorankommt. Das spielt Kritikern in die Karten, die ein RKK für nicht mehr durchsetzbar oder gar für überflüssig halten. Solche Stimmen gibt es etwa von der ÖDP und CSB-Stadtrat Christian Janele. Und rein stimmungsmäßig scheint das RKK auch nicht mehr absolute Priorität bei den Regensburgern zu haben. Zustimmungsraten von 75 Prozent wie noch in den 90er-Jahren sind mittlerweile undenkbar. Irgendwie ist die Luft raus aus diesem Thema, bei dem sich selbst die Koalitionäre – allen voran die Grünen – zunehmend schwertun.

Diese Großprojekte sind in der Pipeline.

Großprojekte in Regensburg

Dabei dürften selbst die härtesten Kritiker unterschreiben, dass auf dem unsäglich hässlichen Ernst-Reuter-Platz etwas passieren muss. Aber ob das eine Stadthalle sein muss? Reichen nicht Donauarena, Audimax und Co. samt der durch die Continental Arena und das Tagungszentrum Alter Schlachthof hinzugewonnenen Veranstaltungsflächen aus? Und nicht zuletzt: Braucht Regensburg wirklich ein weiteres Prestige-Objekt, das neben hohen Baukosten auch hohe Folgekosten verursacht, das also endlos subventioniert werden muss? Diese Fragen werden die Diskussion über eine Stadthalle auch im nächsten Jahr bestimmen – unabhängig davon, wann und wie die Politik die Meinung der Bürger eruieren wird.

Das war das Jahr 2016 in Regensburg: Hier geht es zu unserem Jahresrückblick.

Das Jahr 2016 brachte Denkansätze

Darüber geraten die „Errungenschaften“ des Jahres 2016 fast schon ein wenig in den Hintergrund. Eine davon ist, dass relevante Zukunftsthemen wie bezahlbarer Wohnraum oder ein visionäres ÖPNV-Konzept breiten Raum bekommen haben. Die von neuen Bündnissen und Experten angestoßenen Diskussionen und Denkansätze sind es wert, 2017 vertieft zu werden.

Eine Auswahl dessen, was in Regensburg auf den Weg gebracht wurde, ist natürlich immer subjektiv. Manch einer mag den Hochwasserschutz vor seiner Haustür für wichtiger halten als die 100 Millionen Euro, die die Stadt bis zum Ende des Jahrzehnts in Schulen und Bildung investieren will. Oder die zehn Millionen Euro für Verbesserungen im Radverkehr. Dass solche Investitionspläne nicht in Stein gemeißelt sind, ist eine weitere Erfahrung aus dem Jahr 2016. So stieg die Stadt kurzerhand mit eigenen elf Millionen Euro in den „Wohnungspakt Bayern“ ein, mit dem neue Sozialwohnungen gefördert werden.

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