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Umwelt

E-Autos: Firmen sind skeptisch

Die Stadt Regensburg pumpt viel Geld in die Förderung. Doch die Nachfrage von Unternehmen bleibt verhalten.
Von Julia Ried

Taxifahrerin Sonja Lolacher steigt gern in ihr E-Auto. Fotos: Ried
Taxifahrerin Sonja Lolacher steigt gern in ihr E-Auto. Fotos: Ried

Regensburg.Seit Oktober 2015 bezuschusst die Stadt elektrisch betriebene Taxen, um etwas gegen den Klimawandel und für bessere Luft zu tun. Doch die Bilanz dieser Förderung ist vernichtend: Erst ein einziger Taxiunternehmer hat den Zuschuss von 6000 Euro beantragt. Und auch die Nachfrage von anderen Unternehmern nach der Finanzspritze für Elektroautos ist äußerst verhalten. Die Stadt zählte bislang 29 bewilligte Anträge, wie Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra sagt.

Im E-Mobilitäts-Fördertopf der Stadt sind im Moment 550 000 Euro. Zweimal hat die Stadt ihr Programm, das vom Antragsteller die Nutzung von Ökostrom fordert, ausgeweitet: im Oktober 2016 auf Handwerker und soziale Dienste. Zudem werden seitdem „für den Wirtschaftsverkehr oder gemeinnützige Zwecke verwendete Lastenpedelecs“ mit 25 Prozent des Preises beziehungsweise maximal 1000 Euro gefördert. Seit Juli 2017 bezuschusst die Stadt auch Pedelecs und E-Roller, außerdem unterstützt sie nun auch Privatpersonen beim Kauf von Lastenrädern. Das nutzen einige: Von 128 geförderten Lastenpedelecs wurden nur zehn von Firmen gekauft. Insgesamt kommen von 308 bewilligten Anträgen 231 von Privatleuten.

Mit der Gesamt-Nachfrage ist Umwelt-Bürgermeister Jürgen Huber dementsprechend „nicht unzufrieden“. Enttäuscht zeigt er sich aber von der Reaktion der Wirtschaft. „Wir konnten den Pioniergeist nicht so richtig wecken“, räumt er ein.

Ein Video zur ersten Fahrt des Elektrobusses „Emil“ der Stadtwerke im Dezember 2016 sehen Sie hier.

Der erste "Emil" rollt durch Regensburg

Bei Taxi-Unternehmer Manfred Hetznegger trifft Huber auf offene Ohren; der Chef von 22 Fahrern hat den Antrag auf Förderung gestellt. Er sagt über E-Autos: „Ich bin zum Großteil überzeugt davon, dass das eine gute Alternative ist.“ Wirtschaftlich betrachtet gelte das nur eingeschränkt, da er sein E-Taxi – im Moment nutzt er ein gemietetes – nur für Tagschichten einsetzen könne. Nachts seien mehr Auswärtsfahrten gefragt, was reichweitentechnisch problematisch sei. Trotzdem hat er im September ein E-Auto eines chinesischen Herstellers bestellt. Nun sagt er: „Ich hoffe, dass es Ende des Sommers da ist.“ 60 000 Euro koste dieses, einen Mercedes E-Klasse gebe es für weniger als 40 000 Euro. Vor diesem Hintergrund sagt er: Die hohen Anschaffungskosten und die mangelhaften Lademöglichkeiten in der Fläche seien Hemmschuhe für Unternehmer, die auf Elektromobilität setzen wollen.

Als nicht praktikabel empfinden im Moment die Regensburger Johanniter den Einsatz von Elektroautos im Arbeitsalltag. Sie hätten ihren Leasingvertrag für einen E-Golf nicht verlängert, berichtet Sprecher Andreas Denk. „Es hat sich herausgestellt, dass man zu viele der geplanten Fahrten nicht machen konnte.“ Die Reichweite habe zum größten Teil nur Fahrten in der Stadt zugelassen. Er sagt über E-Mobilität: „Wenn es für die Betriebe leichter wird, das im täglichen Ablauf einzuplanen, kann es einen großen Schritt nach vorne geben.“ Für den Patientenfahrdienst gebe es noch keine geeigneten Fahrzeuge in Transportergröße.

Gerhard Brunner, Umwelt- und Energieberater in der Handwerkskammer, weist auf dasselbe Problem hin. Er sagt: „Die bislang eher geringe Nutzung von Elektroliefer- und Elektronutzfahrzeugen bei Handwerksbetrieben liegt mittlerweile nicht mehr vorrangig am hohen Anschaffungspreis – den das Förderprogramm der Stadt auch merklich abfedern würde – sondern eher an der noch zu geringen Auswahl an praktischen Fahrzeugen.“

Das Ladeinfrastruktur-Argument lässt Bürgermeister Huber indes nicht gelten, wenn es von Taxiunternehmern kommt: „Wir haben den Taxlern angeboten, dass wir ihnen eine Schnellladesäule hinstellen“, sagt er.

Die Förderung

  • Kumulierungsverbot:

    Bisher war es nicht möglich, zusätzlich zu der Förderung der Stadt für E-Autos die des Bundes zu nutzen.

  • Neue Regelung:

    Nun kürzt die Stadt die Förderung von 6000 auf 4000 Euro, weil Antragssteller auch 2000 Euro vom Bund bekommen können.

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