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Neubau

Ein Baustein für die neue Synagoge

Der Bund Deutscher Baumeister holte sich Eindrücke von der Baustelle. Und staunte über einen Sabbat-Lift ohne Stromschalter.
Von Hannah Mages

Besucher schauen von der Frauenempore in den Gebetssaal der neuen jüdischen Synagoge. Foto: Mages
Besucher schauen von der Frauenempore in den Gebetssaal der neuen jüdischen Synagoge. Foto: Mages

Regensburg. Bei der Begehung der im Bau befindlichen jüdischen Synagoge wurden die Gäste vom Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure (BDB) zunächst in den aktuellen Gemeinderaum geführt. Dort gab es nach einleitenden Worten von Silke Bausenwein (BDB) und Erwin Drexler (Firma Drexler + Baumruck) einen Vortrag, der auf die besonderen Herausforderungen bei der Konzeption der neuen Synagoge einging. Vor allem die neue sphärische Kuppel, eine aufwendige Deckenkonstruktion, sorgte für Staunen. Da sich im Boden noch Fundamente aus dem Mittelalter fanden, und man in drei Metern Tiefe auf eine Schicht Brandschutt stieß, war die Fundamentierung des Neubaus schwierig. „Den Bau haben wir daher mittels elf Meter langen Mikropfählen stabilisiert, die in den Boden eingelassen wurden“, berichtet ein Statiker. 96 dieser Pfähle, die je eine Traglast von 20 Tonnen aufweisen, stützen jetzt die Fundamente der Synagoge. Auf dem Grundstück steht heute noch eine Giebelwand der früheren Synagoge, die 1938 der Reichspogromnacht zum Opfer fiel. „Durch den Neubau war es uns möglich, diese erhaltene Wand zu stabilisieren“, berichtet Ilse Danziger, die Leiterin des Jüdischen Zentrums. Es war der Gemeinde besonders wichtig, nicht nur am Ort der alten Synagoge zu bleiben, sondern auch die Überreste des Vorgängerbaus zu erhalten.

Kein Stromschalter am Sabbat

Um den Neubau einzugliedern, ist dieser nun auch über barrierefreie Zugänge mit dem Altbau des Jüdischen Zentrums verbunden. Von diesem ist aktuell noch der Gebetsraum aus dem Jahr 1912 in Benutzung, ebenso wie der Gemeinderaum, der sich direkt darüber befindet und derzeit auch der einzige ist, den die Gemeinde zur gemeinsamen Begehung von Feiertagen nutzen kann. Denn mittlerweile hat sich die Mitgliederzahl verzehnfacht, und der Platz wird knapp.

„Eine neue Synagoge steht Regensburg wirklich gut zu Gesicht“, versichert auch Prof. Dr. Josef Eckstein, stellvertretender Vorsitzender des BDB. Er kam zusammen mit Silke Bausenwein zur Baustellenbegehung, um eine symbolische Baustein-Spende für die neue Synagoge zu übergeben. Dem BDB war es ein besonderes Anliegen, die Gemeinde bei der Finanzierung des Neubaus zu unterstützen.

Dann führte Ilse Danziger in den Neubau und konnte dabei mit interessanten Fakten aufwarten. So erhält der Neubau als besondere Raffinesse einen „Sabbat-Lift“. „Der ist vergleichbar mit den alten Paternosteraufzügen, bloß hält er selbstständig in jedem Stockwerk, ohne dass wir einen Knopf betätigen müssen“, erklärt Ilse Danziger. Dies sei wichtig, denn am Sabbat dürfe kein Stromschalter benutzt werden. Mit dem neuen Lift können die älteren Gemeindemitglieder nun auch am Sabbat ohne Treppensteigen in den zweiten Stock gelangen.

Ein weiteres Highlight der Neuen Synagoge wird ein Bibliotheksraum im Erdgeschoss, der auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Die dort aufbewahrten Bücher können bei Bedarf ausgeliehen werden. Zusätzlich kann man während der Literaturrecherche in dem lichtdurchfluteten Raum auch eine kurze Kaffeepause einlegen.

Männersaal und Frauenempore

Vom Eingangsbereich des Neubaus ging es weiter in den neuen Gemeindesaal, der mit einer optisch ansprechenden Kassettendecke aufwartet. Er wird in Zukunft Platz für 200 Personen bieten. Zum Vergleich: Im aktuellen Gemeinderaum finden momentan 80 Personen Platz. Wie auch der Bibliotheksraum ist der neue Gemeindesaal mit großen Fenstern versehen, die sich zur Straße hinwenden. Der Jüdischen Gemeinde war es wichtig, sich auch baulich zu öffnen.

Schließlich kam man ins Herzstück des Neubaus, den Gebetsraum. Dieser teilt sich auf in einen Männersaal und eine Frauenempore, die sich als umlaufende Galerie unmittelbar darüber befindet. Hier erhebt sich nun, über insgesamt 168 Sitzplätzen, die beeindruckende Deckenkonstruktion. Unter dieser wurde dann die Baustein-Spende des BDB, ein Scheck über 500 Euro, feierlich übergeben.

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