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Regensburg
Sonntag, 27. Mai 2018 29° 2

Gewerkschaft

Ein bunter Zug für eine bessere Welt

Der Demo-Zug des DGB war zwar vielfältiger, aber auch kürzer als im Vorjahr. Am Haidplatz meldete sich die Jugend zu Wort.
Von Heinz Klein

  • Angeführt von der Sambagruppe Sarará schlängelte sich die Schar der Teilnehmer zur DGB-Kundgebung zum Haidplatz. Fotos: Klein
  • Die Jugend kämpft für eine gute Zukunft. Foto: Klein
  • Die Jugendblaskapelle Pettendorf kämpfte sich an linken Parolen der Arbeiterjugend vorbei. Foto: Klein

Regensburg.„Solidarität – Vielfalt – Gerechtigkeit“ – unter diesem Motto setzte sich am Tag der Arbeit zur DGB-Kundgebung ein bunter Zug von mehreren Hundert Teilnehmern am Gewerkschaftshaus in Bewegung. Die gewünschte Vielfalt war zu hundert Prozent gegeben: Vorneweg gab die Sambagruppe Sarará schwungvoll wie immer den Takt an. Mitten im Zug intonierte die Pettendorfer Jugendblaskapelle gleich hinter dem Plakat „Frieden für Kurdistan“ den Marsch „Grüße aus dem Egerland“ und dazwischen skandierten Teilnehmer die Parole „Streik-, streik-, streikbereit, für das Verbot der Leiharbeit!“

Den Schluss bildete ein alter Hanomag mit politischer Botschaft. Foto. Klein

Zum Zug zur Maikundgebung des DGB war gleich noch am Gewerkschaftshaus eine Gruppe von Falken und Linksjugend, flankiert vom Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD-Ortsgruppe Regensburg, gestoßen. Die politisch wie geografisch von links kommende Verstärkung war unangemeldet, was den Organisatoren des DGB aber keinen Stress bereitete. Als Veranstalter kann man Dazustoßenden den Platz im Demo-Zug zuweisen, sagte DGB-Sekretärin Katja Ertl. Und dieser Platz war ganz hinten. Das Schlusslicht bildete schließlich ein uralter, etwas zerbeulter Hanomag-Lkw, der in Dieselqualmwolken hinterher tuckerte und die Botschaft „Bau sie mit uns wieder auf – die DKP“ samt zweier roter Fahnen transportierte.

Ein Saurier ohne Botschaft

Die Stadtspitze war mit Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und Bürgermeister Jürgen Huber vertreten. Foto: Klein
Auch ein T-Rex watschelte im Zug mit – allerdings ohne jegliche politische Botschaft. Foto: Klein

Über den Ernst-Reuter-Platz, die Maximilianstraße und den Domplatz bewegte sich der bunte Zug im Samba-Takt zum Haidplatz, dem Ziel der Mai-Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Die Botschaften auf den Plakaten waren so vielfältig wie der ganze Zug, in dem der Motorradverein Kuhle Wampe ebenso mitmarschierte wie die Gewerkschaft der Polizei. „Hallo CSU i bims, 1 Gefährder“ stand auf dem Plakat, das eine Blondine trug. „Hoch lebe der 1. Mai – alle Menschen sind ein Volk“ ließ die Alevitische Gemeinde wissen, und ohne jede politische Botschaft, aber doch viel Aufsehen erregend, marschierte ein mannshoher Saurier mit. Die IG Bauen-Agrar-Umwelt hatte acht junge Mitglieder als langen roten Wurm formiert, der sich fröhlich im Zug mitschlängelte. Vorne dran natürlich die Stadtspitze in Person der Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und Bürgermeister Jürgen Huber sowie einiger Stadträte.

Hauptredner bei der Mai-Kundgebung am Haidplatz war Karl Bauer, Regionalleiter der IG Bau Bayern. Foto: Klein

So füllte sich der Haidplatz schließlich mit der bunten Schar, die von Rainer Reißfelder begrüßt wurde. Die Pettendorfer Jugendblaskapelle quetschte sich an Transparenten mit kommunistischen Kampfparolen vorbei und spielte „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit“. Dann trat Karl Bauer, Regionalleiter Bayern der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, als Hauptredner ans Mikrofon. Er mahnte Ministerpräsident Söder, das Kreuz nicht zu missbrauchen, das Polizeiaufgabengesetz zurückzunehmen, nicht den Rechten nachzulaufen und Gesetze zum Wohl der Bürger zu machen. „Drei Millionen sind in Leiharbeit, acht Millionen geringfügig beschäftigt: Die Menschen müssen von ihrer Arbeit oder Rente leben können“, mahnte Bauer. Ohne festen Arbeitsplatz hätten sie doch gar keine Chance mehr, eine Wohnung zu bekommen. Die Warnung vor „den Braunen“ richtete sich auch an die eigene Adresse: Man müsse aufpassen, dass die Betriebsräte nicht unterlaufen werden.

Die Reihen lichteten sich wieder

Bauer forderte gleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit für Mann und Frau und die Möglichkeit der Rückkehr von Teilzeit zu Vollzeit. Von einer 35-Stunden-Woche sei man angesichts einer Million unbezahlter Überstunden weit entfernt. Bauer bat um mehr Kontrollen gegen Schwarzarbeit, geißelte das Umgehen des Mindestlohns, forderte ein Ende der Ausbeutung durch Leiharbeit, Tarifgerechtigkeit für Betriebe ohne Tarif und die Rückkehr der Arbeitgeber in die Tarifbindung.

Die jungen Gewerkschafterinnen Anna Gmeiner und Sandra Hannweg hatten Einiges auf dem Zettel. Foto. Klein

Auch die Gewerkschaftsjugend meldete sich zu Wort. Zunächst beschrieb Anna Gmeiner eine heile Welt mit gerechten Löhnen, bezahlbaren Wohnungen, tolle Bildungsmöglichkeiten und einer durch und durch gerechten Arbeitswelt, was bei Vielen ein Stirnrunzeln erzeugte und die linken Gruppierungen in der Zuhörerschaft schon zu Pfiffen motivierte. Doch dann löste sie das Rätsel auf: Es könnte eine Mai-Rede aus dem Jahr 2090 sein, sagte die junge Gewerkschafterin. Doch bis dahin gebe es noch viel zu tun.

“Wir haben da einiges am Zettel, was wir verändern wollen“, kündigte Sandra Hannweg an. Könne es denn sein, dass es nur in Bayern und Sachsen kein Bildungsfreistellungsgesetz gebe? Zehn Tage im Jahr Bildungsfreistellung fordern sie. Zudem ein Azubi-Ticket für einen Euro pro Tag für den öffentlichen Personennahverkehr. Und bezahlbaren Wohnraum für junge Menschen, gerne auch in Form von Azubi- und Studienwohnheimen. „Wir wollen modern sein“, sagten die Gewerkschafterinnen und wünschten „Glück auf!“

Von „Links“ gab es diesmal keine Pfiffe, von den Bürgern aber auch nicht mehr so viel Aufmerksamkeit. So lichteten sich die Reihen der Zuhörer am Haidplatz bald wieder.

Die Hauptkundgebung des DGB fand in Nürnberg statt. Was die Gewerkschaften dort forderten, lesen Sie hier.

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