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Kultur

Ein buntes und teures Dom-Spektakel

Für eine „profilbildende“ Licht-Performance will Regensburg 320 000 Euro ausgeben. Die Summe schreckt Stadträte kaum ab.
Von Norbert Lösch

Die Dom-Fassade als Projektionsfläche – hier bei der Mahnwache 2015 nach dem Terror-Anschlag in Paris Foto: Lex
Die Dom-Fassade als Projektionsfläche – hier bei der Mahnwache 2015 nach dem Terror-Anschlag in Paris Foto: Lex

Regensburg.Die Partnerschaft mit Brixen ist Regensburg lieb und teuer. Vor allem Letzteres trifft auf ein Projekt zu, das im September 2019 anlässlich der 50 Jahre währenden Städteverbindung für Aufsehen sorgen soll. Für ein „Lichtfest“ am Dom will die Stadt bis zu 320 000 Euro ausgeben. Viel zu viel, meinten die Vertreter von ÖDP und Linken im Stadtrat und votierten jüngst im Kulturausschuss – als einzige – gegen einen entsprechenden Beschluss.

Wohl um die Entscheider von seiner Idee zu überzeugen, hatte der städtische Kulturreferent Klemens Unger den Stadträten vor der Abstimmung ein kurzes Video gezeigt. Er schwärmte von der „weltweit tätigen Firma“ namens „Spectaculaires“, die nicht nur aus Regensburg den Auftrag für eine „aufstrebende Lichtinstallation“ an der Westfassade des Doms bekommen soll, sondern auch in Brixen aktiv ist. Die Franzosen sind tatsächlich Spezialisten auf dem Gebiet der bewegten Illumination von Gebäudefassaden. Die Westseite des Doms sei laut Unger ausgewählt worden, weil sich nächstes Jahr die Fertigstellung der beiden Domtürme zum 150. Mal jährt.

Sehen Sie hier ein Video von einer Lichtinstallation der Künstler:

Regensburg auf TV-Kanälen?

Mit solchen Performances hat die Agentur um den Licht-Künstler Benoir Quero nicht nur französische Kathedralen, sondern etwa auch die Villa Medici in Rom oder den Palast der Wiedervereinigung in Vietnams Hauptstadt Saigon in Szene gesetzt. Der Regensburger Dom wäre die erste gotische Kirche in Deutschland, deren Fassade als Projektionsfläche für die aufwendige Licht-Show dient. Die öffentliche Aufmerksamkeit dürfte garantiert sein: Solche Spektakel werden oft von Tausenden, ja manchmal Zehntausenden Menschen vor Ort mitverfolgt.

Lesen Sie hier einen Kommentar zum Thema von Norbert Lösch:

Kommentar

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Davon geht auch das Kulturreferat aus, das vor allem wegen der Deutschland-Premiere ein großes Medienecho erwartet. „Ich glaube, dass wir mit dieser Inszenierung ins Fernsehen kommen“, verwies Klemens Unger auf die Werbewirksamkeit des Unterfangens, den Dom in „mystisches Licht zu tauchen“. In der Konzeption des Kulturreferenten heißt es, die Performance sei „profilbildend für das Welterbe Regensburg“.

Eintrittskarten zum Nulltarif

Das Spektakel wird allerdings nur von kurzer Dauer sein. Eine Woche lang – jeden Abend zwei Mal 20 Minuten – sollen die bunten Lichter bei musikalischer Untermalung die Domtürme hochklettern und dabei auch die Besonderheiten der Westfassade betonen. Das Publikum, für das lediglich der Platz zwischen dem Haus Heuport – wo die Technik installiert sein wird – und dem Dom zur Verfügung stehen wird, soll die Performance kostenlos genießen können. Es sollen zwar Eintrittskarten ausgegeben werden, allerdings zum Nulltarif. Die Anregung, pro Person doch wenigstens fünf Euro Eintritt zu verlangen, wurde nicht aufgenommen: Unger hält den Aufwand für Ticketing, Buchführung und Abrechnung für so groß, dass „nicht viel übrig bleibt“.

Am 26. Juli entscheidet der Stadtrat endgültig über das „Lichtfest“. Das Konzept wird trotz der hohen Kosten von einer breiten Mehrheit mitgetragen. „Große Magenschmerzen bei einem Preis von 320000 Euro“ hat dagegen Irmgard Freihoffer von den Linken. „Es ist sicher toll, aber bei aller Liebe“, sagte sie im Ausschuss – und versagte dem Beschlussvorschlag ihre Zustimmung. Die zweite Gegenstimme kam von Benedikt Suttner (ÖDP). „Das ist heftig, deswegen werde ich auch nicht zustimmen“, verwies auch er auf die immensen Kosten. Laut Klemens Unger seien die kalkulierten 320000 Euro – allein die künstlerische Gestaltung könnte 225000 Euro plus Nebenkosten und Steuer verschlingen – eine „Höchstsumme“.

„Es ist sicher toll, aber bei aller Liebe – da kann ich nicht zustimmen.“

Stadträtin Irmgard Freihoffer (Die Linke)

Selbstverständlich werde man mit „Spectaculaires“ noch verhandeln. Dabei könnte ein Spielraum vor allem dadurch entstehen, dass Brixen eine ähnliche Veranstaltung mit demselben Anbieter plane. Synergieeffekte könnten sich auch durch die gemeinsame Werbung der Partnerstädte ergeben.

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Die Brixener Stadtväter arbeiten schon seit Jahren mit den Franzosen zusammen. Im Innenhof der Brixner Hofburg setzte „Spectaculaires“ mit einer Licht- und Musikshow die Geschichte des Elefanten Soliman um, der im 16. Jahrhundert durch die Südtiroler Stadt zog. Im Mai 2019 gibt es mit Licht- und Kunstinstallationen rund um die 20 Brunnen in der Stadt zudem die dritte Auflage des „Wasser Licht Festivals“.

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