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Glaube

Ein mobiler Beichtstuhl am Neupfarrplatz

Pater Hermann-Josef Hubka will mit seinem Beichtmobil die Beichte „aus der Nische holen“. Nun machte er in Regensburg Halt.

  • In seinem zum Beichtmobil umgebauten Campingbus tourt Pater Hermann-Josef Hubka durch Deutschland. Nun machte er in Regensburg Station. Foto: Amin Weigel/dpa
  • In seinem zum Beichtmobil umgebauten Campingbus tourt Pater Hermann-Josef Hubka durch Deutschland. Nun machte er in Regensburg Station. Foto: Amin Weigel/dpa
  • In seinem zum Beichtmobil umgebauten Campingbus tourt Pater Hermann-Josef Hubka durch Deutschland. Nun machte er in Regensburg Station. Foto: Amin Weigel/dpa

Regensburg.Manch einen kostet es dann doch etwas Überwindung, auf das Beichtmobil zuzugehen – der Kleinbus der katholischen Organisation „Kirche in Not“ steht mitten in der Regensburger Altstadt. Pater Hermann-Josef Hubka machte hier einen Tag lang Station und bot Passanten seelsorgerische Gespräche an – anonym und unabhängig vom persönlichen Glauben. Katholiken haben die Möglichkeit, die Beichte abzulegen. Seit 2004 ist Hubka mit dem Beichtmobil in ganz Deutschland unterwegs. In der Regel kommt er auf Einladung von Pfarrgemeinden in Städte oder zu Großveranstaltungen. Das Angebot werde meist gut angenommen, sagt der 60-Jährige.

Hubkas Anliegen ist es, „die Beichte aus der Nische zu holen“, wie er bei seinem Besuch in Regensburg sagt. Es zeige sich seit etlichen Jahren, dass Menschen zwar in die Messe gehen und die Kommunion empfangen, jedoch nicht mehr die Beichte ablegen. Er spricht vom „vergessenen Sakrament“. Dabei sei der Gesprächsbedarf bei den Menschen offenbar „unendlich groß“. Allerdings sei die klassische Beichte im Beichtstuhl in der Kirche bei vielen Menschen ein bisschen negativ behaftet. „Vielleicht haben sie schlechte Erfahrungen gemacht.“

Die Anonymität macht es einfacher

Das Publikum, das Pater Hubka in seinem Beichtmobil aufsucht, ist gemischt. Foto: Amin Weigel/dpa
Das Publikum, das Pater Hubka in seinem Beichtmobil aufsucht, ist gemischt. Foto: Amin Weigel/dpa

Das Publikum am Beichtmobil ist gemischt: Jung und Alt, katholisch, evangelisch, anders- oder gar nicht gläubig. Die einen kommen gezielt, die anderen ganz zufällig vorbei. „Manche gehen eine Viertelstunde um den Bus herum und plötzlich huschen sie herein“, sagt Hubka. „Die kommen hier nicht locker-flockig an.“ Die Anonymität mache den Gesprächseinstieg jedoch oft einfacher. „Die Leute wissen, ich fahre am Abend wieder und bin dann weg.“ Hubka ist jeweils mit einer halben Stelle als Wallfahrtsseelsorger im nordbadischen Waghäusel und beim Hilfswerk „Kirche in Not“ tätig.

Während sich die einen Besucher bei Hubka lediglich über die Beichte informieren oder vielleicht ein Gebet sprechen wollen, schütteten anderen ihm dann plötzlich ihr Herz aus. Themen, die sie oft schon lange mit sich herumtragen. Da sei er auch als Seelsorger gefragt. Viele hätten schon lange nicht mehr gebeichtet und im Gespräch stellten sie fest, dass sie vielleicht hier und da tatsächlich unfreundlich waren. „Man muss ja nicht gleich jemanden erschossen haben.“

Schwere Knüppel auf der Seele

Er hört allen Menschen zu, die zu ihm kommen: Pater Hermann-Josef Hubka. Foto: Amin Weigel/dpa
Er hört allen Menschen zu, die zu ihm kommen: Pater Hermann-Josef Hubka. Foto: Amin Weigel/dpa

Das Gespräch im Beichtmobil rege zur Reflexion an, sagt der 60-Jährige. Es sei nicht leicht, sich Fehler einzugestehen. „Da glaubt jemand, keine Sünden begangen zu haben – und dann stellt sich heraus, dass er zwei Gerichtsprozesse am Laufen hat mit der ,blöden Nachbarin‘. Da zeigt sich, welchen Ingrimm man auch in sich hat.“ Schnell kämen da etliche Schimpfwörter zusammen.

„Das Themenspektrum ist vielfältig. Man muss mit allem rechnen.“

Pater Hermann-Josef Hubka

Andere Besucher trügen „schwere Knüppel auf der Seele“ mit sich herum. Frauen, denen es keine Ruhe lässt, dass sie vor 30 oder 40 Jahren ihr Kind haben abtreiben lassen. Jemand, der sich nach einem Streit nicht mehr aussöhnen kann, weil der andere inzwischen gestorben ist. Mütter, die glauben, bei der Erziehung ihrer Kinder versagt zu haben. Oder Kriegsüberlebende, die damals vielleicht in Russland jemanden erschossen haben. „Das Themenspektrum ist vielfältig. Man muss mit allem rechnen.“

Jedoch: Eines eint die meisten Besucher des Beichtmobils: „Die Leute gehen erleichtert“, sagt Hubka. Er hört ihnen zu, nimmt ihnen auf Wunsch die Beichte ab – und er verurteilt sie nicht. (dpa)

Auch Pfarrer Georg Zinnbauer hört sich an, was die Menschen in Regensburg auf dem Herzen haben. Er sitzt seit 2002 täglich im Beichtstuhl der Karmelitenkirche. Unser Autor Helmut Wanner hat mit ihm über seine Seelsorgearbeit gesprochen.

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