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Wohnen

Ein Regensburger Stadtviertel wird 100

Albert von Thurn und Taxis gab noch 150 000 Mark dazu. So entstand 1918 auf Kirchen- und Fürstengrund die Margaretenau.
Von Helmut Wanner

Ein Blick zurück in die Gründerzeit: Die Leute aus der Margaretenau nannten das Haus mit der Glocke schon damals ihr „Rathaus“. Fotos: Margaretenau
Ein Blick zurück in die Gründerzeit: Die Leute aus der Margaretenau nannten das Haus mit der Glocke schon damals ihr „Rathaus“. Fotos: Margaretenau

Regensburg.Die Margaretenau ist anders: Miete zahlt hier keiner, man nennt sie Benutzergebühren. Die Straßen klingen nach deutschen Laubbäumen. Am Lindenplatz steht ein „Rathaus“. Dieser Name hat sich bei den 800 Genossenschaftsmitgliedern eingebürgert, weil vom Zentralgebäude die alte Turmuhr schlägt. Die kündet in diesen Tagen ein besonderes Jubiläum an: Die Baugenossenschaft Margaretenau wird 100.

Eine Initiative des Mietervereins

Damals eine Gartenidylle vor den Toren der Stadt. Foto: Margaretenau
Damals eine Gartenidylle vor den Toren der Stadt. Foto: Margaretenau

Der Name der Siedlung, die heute vom ehemaligem Jahnplatz, der Westumgehung und dem Krankenhaus der Barmherzigen Brüder umgeben ist, erinnert an Fürstin Margarete (1877 bis 1955). Sie ritt hier auf dem Weg zum Rennplatz vorbei. Im Sommer 1918 wurde die Kleinsiedlung von Mitgliedern des Mietervereins gegründet, „um Regensburgern eine menschliche und gesündere Art des Wohnens“ zu bieten. „Die ersten Häuser waren Reihenhäuser mit Gärten zur Selbstversorgung der Genossenschaftsmitglieder“, sagt Verwalter Siegmund Knauer. Die älteren Bewohner kennen das geschäftsführende Vorstandsmitglied noch als Kleinkind. Er ist in der Siedlung aufgewachsen. Seit dem 1. Januar 2010 leitet er die Geschicke der Wohnbaugenossenschaft. Der Stadtbau-Prokurist trat damals die Nachfolge von Klaus Thomanek an, der diese Position von 1977 bis 2010) innehatte.

Klingeln Sie bei den Menschen in der Margaretenau und erfahren Sie ihre Geschichten:

Um die Au besonders verdient gemacht hat sich der Regensburger Oberlehrer Georg Herbst (1883 bis 1934). Deswegen hat er am Rande der Siedlung eine eigene Straße bekommen. Auf einem freien Grundstück dort wird auch das Festzelt aufgeschlagen. Dort feiern die Genossenschaftsmitglieder am ersten Wochenende im Oktober drei Tage lang den Sieg einer Idee. „Guten und sicheren Wohnraum für die Mitglieder der Genossenschaft zu schaffen, das gilt heute wie gestern“, sagt Knauer. Mitglied wird man durch den Beitritt und die Zeichnung der notwendigen Geschäftsanteile. Per Vorstandsbeschluss hatte sich die Margaretenau 2015 selbstverpflichtet, in den Nutzungsgebühren zehn Prozent unter dem Regensburger Mietspiegel zu bleiben.

Gründervater Georg Herbst Foto: Margaretenau
Gründervater Georg Herbst Foto: Margaretenau

Die Margaretenau zählt im Verbund der Regensburger Baugenossenschaften zu den kleineren. Siegmund Knauer: „Der Wolfgangsbauverein Kumpfmühl ist mit 1000 Wohnungen der größte Anbieter. Danach kommen die Neue Heimat mit 650 Wohnungen und die Arbersiedlung mit 600.“ Im Bestand der Margaretenau sind auch 32 Genossenschaftswohnungen in Donaustauf, prominent an der Auffahrt zur Walhalla gelegen. Sie kamen in den 80er-Jahren im Rahmen einer Verschmelzung dazu.

So sieht das „Rathaus“ der Margaretenau heute aus. Foto: Wanner
So sieht das „Rathaus“ der Margaretenau heute aus. Foto: Wanner

Dazu kommt ein Häuser-Karree auf dem Eisbuckel mit 80 Wohnungen. In den 70er Jahren baute die Genossenschaft zwei Häuserzeilen an der Friedrich-Ebert-Straße in Königswiesen (72 Wohnungen). Mit dem Kern der Siedlung um den Lindenplatz verfügt die Genossenschaft aktuell über 559 Wohnungen in 116 Häusern. Für die 40 Kleingärten der Genossenschaft liegt eine lange Warteliste vor. Sie grenzen an die Kleingartenanlage Ratisbona an der Auffahrt zur Dechbettener Brücke.

Weichen für die Zukunft gestellt

Die Margaretenau blickt in diesen Jubiläumstagen nicht nur zurück. „Wir haben die Weichen gestellt“, sagt Knauer. Um Familien den Verbleib in der Margaretenau zu sichern, wenn Nachwuchs kommt, setzt die Genossenschaft auf Neubau. So wurden in der Lindenstraße 6 bis 8 sowie Buchenstraße für fünf Millionen Euro barrierearme und familienfreundliche Wohnungen mit 3 bis 4 Zimmern bezogen.

Siegmund Knauer ist geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Margaretenau. Foto: Wanner
Siegmund Knauer ist geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Margaretenau. Foto: Wanner

Um die Energiekosten stabil zu halten, wird die Margaretenau energetisch saniert. Forschergruppen aus sechs Fakultäten der OTH Regensburg arbeiten wie berichtet gerade an einem völlig neuartigen Energiemanagement-System unter Einbeziehung eines innovativen solaraktiven Außenputzes und einer neuartigen, hocheffizienten Hybridkombination aus Blockheizkraftwerk und Wärmepumpen-Technik zur Beheizung, Strom- und Trinkwasserversorgung.

„Dabei wollen wir den Charme der Siedlung bewahren“, stellt Siegmund Knauer klar. Die Margaretenau stehe weder unter Ensemble-, noch unter Denkmalschutz, „aber wir gehen mit der Bausubstanz so um, als ob“.

Lesen Sie zu diesem Thema auch: Die Margaretenau wird in diesem Jahr 100. Die MZ nimmt dies zum Anlass für eine kleine Serie. Alle Teile der Serie lesen Sie hier.

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Serie zur Margaretenau

  • Die Margaretenau wird 100. Aus diesem Anlass startet die MZ eine Serie. Wir zeigen Menschen, die dort wohnen. Teil eins ist Elfi Hagen. Fast 80 Jahre wohnt sie hier. „Ich wurde in die Lindenstraße 21 hineingeboren und habe nie wo anders gewohnt.“ Lesen Sie am Mittwoch die Geschichte der „Prinzessin von der Au“.

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