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Gesundheit

Ein tödliches Risiko erkennen

Die Untersuchung der Bauchschlagader kann Leben retten. Für Männer ab 65 Jahren zahlen die Kassen die Vorsorgeuntersuchung.
Von Angelika Lukesch

Hans-Jürgen Forster hatte ein Bauchaortenaneurysma. Er zeigt, welche Gefäßprothese ihm eingesetzt wurde. Foto: Lukesch
Hans-Jürgen Forster hatte ein Bauchaortenaneurysma. Er zeigt, welche Gefäßprothese ihm eingesetzt wurde. Foto: Lukesch

Regensburg.Hans-Jürgen Forster (60) aus Rieden hatte noch einmal großes Glück. Bei einem Routinecheck stellte sein Hausarzt, Dr. Alexander Seidl, fest, dass die Bauchschlagader seines Patienten einen zu großen Durchmesser aufwies. Da Forster sowieso zum Kardiologen musste, ließ er sich auch von diesem Arzt die Bauchschlagader überprüfen. Der Kardiologe jedoch habe gesagt, dass alles in Ordnung sei. Fast hätte er es darauf bewenden lassen, wenn er nicht wegen einer anderen Sache noch einmal zu seinem Hausarzt hätte gehen müssen.

„Dem habe ich das dann erzählt und der hat gesagt, dass ihm das spanisch vorkommt. Und er hat mich in das Gefäßzentrum zu den Barmherzigen Brüdern geschickt.“ Hier wurde schnell festgestellt, dass die Bauchaorta des Riedeners 6,5 Zentimeter im Durchschnitt aufwies. Normal sind zwei Zentimeter bei Männern und 1,5 Zentimeter bei Frauen.

Gefäßprothese eingesetzt

Hans-Jürgen Forster litt an einem Bauchaortenaneurysma, das schnellstmöglich operiert werden sollte. Denn die Gefahr, dass die Bauchaorta platzte, war groß. Die Operation führte Professor
Dr. Markus Steinberger, Chefarzt der Abteilung Gefäßchirurgie und Leiter des Gefäß- und Aortenzentrums am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, durch. Den ausgeweiteten Teil der Bauchaorta ersetzte er durch eine „Gefäßprothese“, die oben und unten mit dem originalen Gefäß vernäht wurde. Zwei Wochen nach der Operation ist Hans-Jürgen Forster wieder auf den Beinen, bereits entlassen und geht demnächst auf Reha. Es gehe ihm ausgesprochen gut, sagt Forster zu unserem Medienhaus.

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Er sei sehr froh, dass sein Bauchaortenaneurysma mehr oder weniger durch Zufall von seinem Hausarzt entdeckt worden sei. „500.000 Deutsche leiden an einer tödlichen Krankheit – kaum einer weiß es“ titelte der Fokus am vergangenen Samstag.

Gemeint ist eben das Bauchaortenaneurysma, wie es Hans-Jürgen Forster hatte. Rund vier bis acht Prozent aller Männer über 65 Jahren und 0,5 bis 1,5 Prozent aller Frauen leiden daran, ohne davon zu wissen, denn das Tückische an dieser Krankheit ist, dass man in der Regel keinerlei Symptome hat. Wenn es jedoch platzt, hängt das Leben am seidenen Faden. Ein Mensch kann dann innerhalb kürzester Zeit innerlich verbluten. Genau dieses Schicksal erlitten auch berühmte Männer wie Albert Einstein, Thomas Mann oder Charles de Gaulle. Seit dem 1. Januar 2018 hat die Risikogruppe „Männer über 65 Jahre“ die Möglichkeit, die Bauchaorta auf ein Aneurysma untersuchen zu lassen.

Die Kassen bezahlen diese Vorsorgeuntersuchung. Wer nicht zu dieser Risikogruppe gehört, sich aber dennoch die Bauchaorta untersuchen lassen will, kann dies selber bezahlen: Es kostet 16 Euro. Die Untersuchung können Hausärzte durchführen. Bei einem Screening wird der Bauch abgetastet und eine kurze Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Die Untersuchung ist schmerzlos und strahlenfrei. Da erbliche Veranlagung eine Rolle spielt, werden auch die Krankheitsbilder der Familie abgefragt. Hans-Jürgen Forsters Schwester zum Beispiel litt auch an einem Bauchaortenaneurysma, an dem sie fast gestorben wäre.

Ab einem Durchmesser des Aneurysmas von 5,5 Zentimeter bei Männern, ab fünf Zentimeter bei Frauen, steigt die Gefahr, dass die Gefäßwand einreißt, drastisch an. Übersetzt bedeutet Aneurysma „Aufweitung, Erweiterung“ einer Arterie. Die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie erklärt, dass eine solches Aneurysma in allen Körperregionen auftreten könne. Sie betreffe jedoch am häufigsten die Bauchschlagader. Allein im Gefäßzentrum der Barmherzigen Brüder, das erst vor kurzem als Aortenzentrum (das erste in Bayern und das zweite in Deutschland) zertifiziert wurde, werden mehr als 100 Bauchaortenaneurysmen im Jahr operiert.

Regelmäßige Kontrolle

Wenn bei einem Patienten eine Erweiterung der Bauchschlagader festgestellt wird, die aber noch nicht so weit fortgeschritten ist, dass sofort operiert werden sollte, wird dieser Befund regelmäßig überprüft. Auf diese Weise wird festgestellt, ob und wie schnell sich die Aorta erweitert. Auch davon wird die Dringlichkeit der Operation abhängig gemacht.

Bei jüngeren Patienten ist die Gefahr einer schnell fortschreitenden Ausweitung eher gegeben. Ein solches Bauchaorta-Screening gibt es in England und in Schweden übrigens schon seit einigen Jahren. Die positiven Auswirkungen in diesen Ländern durch das frühzeitige Erkennen von Aneurysmen nahm der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) zur Grundlage, um das Bauchaorten-Screening für Männer ab 65 als bezahlte Vorsorgeuntersuchung einzuführen. Bereits vor dem Beschluss des GBA, nämlich seit 2015, hat die AOK Bayern das Screening zur Früherkennung von Bauchaortenaneurysmen im Rahmen ihrer Arztnetze angeboten. Der Direktor der AOK Regensburg, Richard Deml, sagt: „Das Bauchaortenaneurysma ist eine bedrohliche Gefäßveränderung. Eine frühzeitige Diagnose ist hier besonders wichtig und kann Leben retten.“

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