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Verkehr

Entspannung am Brandlberg?

Die „Blockade“ vom 14. März löst neue Betriebsamkeit aus. Doch die Stadt will an der ursprünglichen Planung festhalten.
Von Norbert Lösch

Die Zufahrt zum Neubaugebiet Brandlberg bleibt im Fokus von Stadt, Immobilienzentrum und Anwohnern. Foto: Tino Lex
Die Zufahrt zum Neubaugebiet Brandlberg bleibt im Fokus von Stadt, Immobilienzentrum und Anwohnern. Foto: Tino Lex

Regensburg.Nach dem Verkehrkollaps an der Zufahrt zum Brandlberg am 14. März sind Politik, Stadtverwaltung, der Immobilienentwickler und Anwohner nun aktiv geworden. Tenor: Die Situation, dass Baufahrzeuge den Durchgangsverkehr blockieren und Rettungsgassen verstellen (wir berichteten), darf sich so nicht mehr wiederholen. Das ist auch die Intention eines Dringlichkeitsantrags der CSU-Stadtratsfraktion, der im Planungsausschuss behandelt wurde.

Die städtische Planungs- und Baureferentin Christine Schimpfermann sprach in einer Pressemitteilung von „Einschränkungen für die Bevölkerung“. Gemeinsam mit dem Immobilienzentrum (IZ) Regensburg, das am Brandlberg das neue Wohnquartier entwickelt, arbeite man „an einer gesicherten Zufahrt in das Baugebiet“. Weil am 14. März zeitgleich eine Patientin ins Krankenhaus gebracht und ein verunglückter Bauarbeiter von der Feuerwehr geborgen werden musste, war der Verkehr auf der ohnehin stark durch Baufahrzeuge frequentierten Zufahrt zum Brandlberg teilsweise völlig zum Erliegen gekommen.

„Gefahr hat nicht bestanden“

Nichts ging mehr: Am 14. März mussten sich an der einzigen Zufahrt zum Brandlberg auch Rettungsfahrzeuge und die Feuerwehr ihren Weg durch die Lkw-Blockade bahnen. Foto: Scheitzach
Nichts ging mehr: Am 14. März mussten sich an der einzigen Zufahrt zum Brandlberg auch Rettungsfahrzeuge und die Feuerwehr ihren Weg durch die Lkw-Blockade bahnen. Foto: Scheitzach

Schimpfermann widersprach gegenüber der MZ der Darstellung von Anwohnern, wonach Rettungs- und Feuerwehrfahrzeuge in einem höchst bedenklichen Ausmaß behindert worden seien. Ergebnis der angekündigten Aufklärung der Vorkommnisse laut der Baureferentin: „Die Erreichbarkeit war gegeben, Gefahr für Leib und Leben hat nicht bestanden.“

Im Baugebiet entstehen jetzt 540 Wohneinheiten für 1400 Menschen. Das wirft Fragen auf – auch wegen der Verkehrsanbindung.

An der geplanten Verkehrsanbindung des um bis zu 2000 Bewohner wachsenden Brandlbergs will die Stadt nach wie vor festhalten. „Die Situation ist mehrfach untersucht und aktuell noch einmal überprüft worden. Nach allem, was wir wissen, reichen die geplanten Erschließungsmaßnahmen aus, um künftig einen reibungslosen Verkehrsfluss zu gewährleisten“, so Schimpfermann.

Nur einen Tag vor dem Verkehrschaos hatte Johannes Buchhauser, Chef der Berufsfeuerwehr, dem Männer- und Burschenverein Brandlberg schriftlich versichert, dass die Erreichbarkeit des Stadtteils in Notfällen gesichert ist. Die Situation werde sich noch verbessern, wenn der Wirtschaftsweg parallel zur Pilsen-Allee als Notzufahrt für Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei ausgebaut ist. Buchhauser und Schimpfermann erläutern übereinstimmend, dass der frühere Radweg zu einer 3,50 Meter breiten Straße ausgebaut und jeweils mit einer Stichstraße an das Nahversorgungszentrum und die BSC-Sportanlage an das Straßennetz angebunden wird.

Der Bauträger reagiert

  • Plan:

    Das Immobilienzentrum will Situationen wie die vom 14. März künftig verhindern. Der Entwurf eines Sicherheitsplans sei am Dienstag „vor Ort mit dem verantwortlichen Erschließungsplaner und dem Erschließungsunternehmen besprochen worden“.

  • Zonen:

    Der Plan werde neben der Ausweisung von Halteverbotszonen, von Be- und Entladezonen und einer klar definierten Feuerwehrzufahrt auch das gesamte Baugebiet einschließlich der Bezeichnung der einzelnen Quartiere beinhalten. Er werde „nach finaler Abstimmung mit der Stadt Regensburg“ voraussichtlich nächste Woche in Kraft gesetzt.

  • Erreichbarkeit:

    Damit werde „nicht nur eine ständige Erreichbarkeit sämtlicher Baufelder gewährleistet, sondern auch Rettungskräften und sämtlichen sonstigen Anliegern durch eine sichtbare Beschilderung am Eingang des Baugebiets die Möglichkeit gegeben, sich in kürzester Zeit einen Eindruck über das gesamte Baugebiet zu verschaffen und sich über die einzuhaltenden Vorgaben zu informieren“.

  • Strafen:

    Bei Missachtung dieser Vorgaben drohten Bauunternehmen und Lieferanten massive Strafen bis hin zur Einstellung der Baustelle. Das Gewerbeaufsichtsamt werde ein Auge darauf haben.

Der Ausbau erfolge nach den „Richtlinien über Flächen für die Feuerwehr“, die Notzufahrt sei somit „ausreichend dimensioniert“. Mit ihr werde eine „weitgehend zeitneutrale Alternative“ für den Fall geschaffen, dass der Kreuzungsbereich Grünthaler Straße/Haidhofweg kurzfristig blockiert sein sollte. Das dürfte 2019 wieder der Fall sein, wenn die Kreuzung – unter anderem mit einer weiteren Rechtsabbiegespur vom Brandlberg Richtung Innenstadt – ausgebaut wird.

Die Anwohner sind über die Bebauungsgröße verärgert. Man habe über die Verdichtung nicht vorzeitig informiert, klagen sie.

Mit dieser Nachricht sieht Konrad Birkmeier, Geschäftsführer des Männer- und Burschenvereins, eine Minimalforderung der Alt-Brandlberger erfüllt. Er und seine Mitstreiter monieren seit Monaten die geplante Verkehrsanbindung von Alt- und Neubrandlberg und hatten öffentlich Nachbesserungen gefordert (wir berichteten). Auch wenn damit nicht alle Bedenken ausgeräumt werden können, sei die Zusage, zumindest für den Notfall eine weitere leistungsfähige Zufahrt zu schaffen, „recht erfreulich“, so Birkmeier gegenüber der Mittelbayerischen. Grundsätzlich seien die Vorkommnisse vom 14. März allerdings „Wasser auf die Mühlen“ der Kritiker gewesen, die die geplante Erschließung des Neubaugebiets für völlig unzureichend halten.

Die Polizei, von Birkmeiers Verein ebenfalls um eine Stellungnahme gebeten, hielt sich mit einer Bewertung des jüngsten Vorfalls zurück. Die Polizeiinspektion Nord verwies auf die alleinige Zuständigkeit der Stadt bei öffentlichen Straßen. Die Ordnungshüter hätten auch in brenzligen Situationen keinerlei Weisungsbefugnis der Stadt Regensburg gegenüber.

Bauunternehmen sind in Eile

Das Immobilienzentrum Regensburg (IZ) nannte als Grund für die Extremsituationen „ein unglückliches zeitliches Zusammentreffen zahlreicher Anlieferungen, die der Tatsache geschuldet sind, dass sich einige Baustellen gerade in der Abwicklung befinden“. Die am Brandlberg tätigen Bauunternehmen würden derzeit versuchen, die witterungsbedingten Leistungsausfälle der letzten Wochen wieder aufzuholen.

Das Baugebiet kommt nicht aus der Debatte

Die CSU-Stadtratsfraktion nahm die Verkehrssituation am Brandlberg zum Anlass, einen Dringlichkeitsantrag zu stellen. Darin wird die Stadt aufgefordert, „unverzüglich dafür zu sorgen, dass die einzige Zufahrt gerade für Rettungskräfte ungehindert passierbar ist und bleibt“. Die Verwaltung hat dabei offenbar überzeugend dargelegt, dass alles unternommen wird, um die Erreichbarkeit auch in extremen Situationen zu gewährleisten. Stadträtin Dagmar Schmidl (CSU) sagte, ihre Fraktion betrachte den Antrag als erledigt.

Die Bedenken mancher Anwohner bleiben derweil. Für Christian Wagner etwa ist „zur Minderung der Problematik eine dauerhafte Zufahrt im Norden des Baugebiets zur Pilsen-Allee unverzichtbar“.

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Der Baustellenverkehr werde sich zwar in absehbarer Zeit erledigen, er werde aber abgelöst von bis zu 1000 Autos künftiger Bewohner. Hinzu kämen Alt-Brandlberg, externe Kunden des Nahversorgungszentrums und Sportler, die das Vereinsgelände des BSC nutzen werden. Wagner bleibt skeptisch: „Und alle sollen über das einzige Nadelöhr im Süden zu- und abfahren?“

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