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Engagement

Erste Hilfe für Monki und Co.

In der Teddyklinik konnten Kinder ihre kranken Kuscheltiere verarzten lassen. So sollten Ängste abgebaut werden.
Von Katia Baierlein

Im Behandlungszimmer werden die Teddyeltern aktiv in die Untersuchung miteingebunden. Foto: Katia Baierlein
Im Behandlungszimmer werden die Teddyeltern aktiv in die Untersuchung miteingebunden. Foto: Katia Baierlein

Regensburg.Am Samstag war es wieder so weit: Die Teddyklinik öffnete wieder ihre Pforten. Sprechzeit war von 9 bis 15 Uhr. Ob ein Stoffhund mit gebrochenem Herzen, ein Kuscheltierkätzchen mit Heuschnupfen oder ein Plüschschwein mit Gemüseallergie, im Wartezimmer der Teddyklinik fanden sich so einige Notfälle ein.

„Mein Drache hat sich das Bein gebrochen, als er von einem Fels gesprungen ist“, erzählte der dreijährige Jona. „Mein Affe Monki hat aus Versehen eine von meinen Murmeln verschluckt“, berichtete die fünfjährige Lina.

Nach der Anmeldung an der Rezeption und kurzer Wartezeit im Wartezimmer wurden die Kinder mit ihren Kuscheltierpatienten von einem Medizinstudenten, heute als Teddy-Doc im Einsatz, abgeholt und ins Behandlungszimmer gebracht. Die Teddy-Docs nehmen sich für jedes Kuscheltier circa 15 bis 20 Minuten Zeit. Es wird untersucht und verarztet. Das Storchkuscheltier der sechsjährigen Linnea hat sich zum Beispiel beide Flügel gebrochen. Da mussten natürlich eine Schiene und ein Verband angebracht werden.

Ängste abbauen

„Mit der Teddyklinik wollen wir den Kindern in erster Linie die Angst vor dem Arztbesuch nehmen und sie spielerisch an Themen wie Krankenhaus, Krankheit und Doktor heranführen“, erklärte Medizinstudentin Elisabeth Backu vom Organisationsteam. Dabei sollen die Kinder in die Rolle der Kuscheltier-Eltern schlüpfen und so den Arztbesuch aus einem anderen Blickwinkel betrachten. „Wichtig ist für die Kinder auch die Erfahrung, dass ein Arztbesuch nicht zwangsläufig unangenehm sein muss“, so Backu.

Wie in einer echten Klinik

Linneas Kuscheltier hat zwei gebrochene Flügel. Foto: Katia Baierlein
Linneas Kuscheltier hat zwei gebrochene Flügel. Foto: Katia Baierlein

Je 20 Teddy-Docs kümmerten sich in drei Stunden-Schichten um die zahlreichen Kuscheltierpatienten. „Mein Teddy hat Scharlach“, erzählte der vierjährige Linus. „Linus hat ihn letzte Woche angesteckt“, erklärte seine Mama.

Mit den besonders schweren Fällen ging es am Samstag ins OP-Zelt. Natürlich müssen hier sowohl Teddyeltern als auch Ärzte blaue OP-Kleidung und Mundschutz tragen. Ein Kuscheltier-Panda hatte sich zum Beispiel den Arm gebrochen. Der musste natürlich erstmal geröntgt werden – danach war klar: Eine Operation ist unumgänglich. Die Pandaeltern durften ihrem Kuscheltier die Narkosemaske überstülpen und schon konnte die Operation beginnen. Die Teddy-Docs erklärten den besorgten Pandaeltern jeden Schritt und ließen sie assistieren. Dabei lernten die Kinder zum Beispiel, was eine Infusion ist und wie man eine Wunde richtig näht. Die kleinen Besucher zeigten sich begeistert und arbeiteten voller Eifer mit.

Nach der Operation stellten die Teddy-Docs ein Rezept aus und es ging für Eltern und Patienten weiter zur Teddy-Apotheke. Dort bekamen die Kuscheltiereltern zur Heilung ihrer Plüschpatienten „Medikamente“ wie Obst, Gummibären und eine kleine Überraschung.

Finanzielle Unterstützung wichtig

Jona vertreibt sich die Zeit im Wartezimmer mit Malen. Foto: Katia Baierlein
Jona vertreibt sich die Zeit im Wartezimmer mit Malen. Foto: Katia Baierlein

„Die Teddy-Docs machen ihre Arbeit sehr professionell, unsere Kinder sind begeistert“, erzählte ein Vater. Die Ausstattung der Teddyklinik orientiert sich an einer wirklichen Arzt-Praxis: Empfang, Wartezimmer, Röntgengerät und EKG, OP, Spritzen, Narkosemasken und Verbände - alles ist vorhanden.

„Wir sehen, dass die Aktion Früchte trägt, denn viele Kinder kommen jedes Jahr wieder zur Teddyklinik und wir bekommen viel positives Feedback von den Eltern“, freute sich Backu.

Finanzielle Unterstützung bekommen die Studierenden von lokalen Sponsoren. Die Barmherzigen Brüder stellten die Lokalität zur Verfügung. „Ohne unsere großzügigen Sponsoren und die Barmherzigen Brüder wäre die Aktion gar nicht möglich“, so Backu.

Die Vorbereitungen für die Teddyklinik dauerten ein halbes Jahr lang. Studierende der Human- und Zahnmedizin sowie der Pharmazie besuchten im Vorfeld eine eigene „Teddiatrie“-Vorlesung, bei der Chefarzt Professor Dr. Hugo Segerer den zukünftigen Teddy-Docs den richtigen Umgang mit Kindern und die Grundlagen der Kuscheltier-Behandlung lehrte. 

Kinder können Leben retten

Im OP-Saal wird gerade die Narkose eingeleitet. Foto: Katia Baierlein
Im OP-Saal wird gerade die Narkose eingeleitet. Foto: Katia Baierlein

Im medizinischen Notfall ist es wichtig, dass Kinder wissen, wie sie schnell Hilfe holen können. Um zu lernen, wie das funktioniert, fand auch in diesem Jahr wieder der Erste-Hilfe-Kurs für Teddy-Eltern statt. „Selbst die Kleinsten können Leben retten“, betonte eine Medizinstudentin.

Ihr neu erlerntes Wissen konnten die Kinder in der Teddyschule unter Beweis stellen. Dort lernten sie zum Beispiel, was ein Stethoskop ist und wofür man es braucht.

Außerdem hatten die Kinder die Möglichkeit, einen Krankenwagen von innen genauer zu erforschen. Auch die Klinikclowns und eine Hüpfburg sorgten für gute Laune. Stärken konnten sich die Teddyeltern bei Getränken und Kuchen im sonnigen Garten der Klinik St. Hedwig, denn so ein Krankenhausbesuch kann ganz schön anstrengend sein.

Am Ende des Tages waren alle Stofftiere verarztet, die Teddyeltern glücklich und das Organisationsteam zufrieden - ein gelungener Samstagnachmittag für alle Beteiligten. Und das Ziel der Aktion wurde auf jeden Fall erreicht: Angst vorm Arztbesuch hat nach diesem aufregenden Tag sicher kein Kind mehr.

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Teddyklinik in vielen Städten bekannt

  • Anfang:

    Entstanden ist die Idee einer Teddyklinik vor einigen Jahren in Schweden. Seitdem hat sie sich immer weiter in Europa und auch in Deutschland verbreitet. Inzwischen findet in vielen größeren Städten mindestens einmal im Jahr eine Teddyklinik statt.

  • Beispiele:

    Die Berliner Charité, die Unikliniken in Tübingen, Magdeburg und Bonn behandeln Stofftiere. In Mainz gibt es zudem eine der ersten Teddyzahnkliniken, die in Zusammenarbeit mit den Zahnmedizinstudenten entstand und sich großer Beliebtheit erfreut.

  • Schirmherrschaft:

    In Regensburg fand das Projekt zum ersten Mal 2006 statt und erfreut sich seitdem großer Beliebtheit. Die Teddyklinik steht unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. H. Segerer, Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendmedizin St. Hedwig.

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