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Urteil

Fußballprofi muss ins Gefängnis

Ein 36-Jähriger aus Albanien wollte in Regensburg als Trainer arbeiten. Dabei wurde er in Rauschgiftgeschäfte verwickelt.
Von Marion von Boeselager

Der Angeklagte (Mitte) mit seiner Anwältin Iris Nickl und dem Dolmetscher. Foto: mov
Der Angeklagte (Mitte) mit seiner Anwältin Iris Nickl und dem Dolmetscher. Foto: mov

Regensburg.In der Hoffnung auf eine bessere Zukunft in Regensburg ließ sich ein Profi-Fußballer aus Albanien zu illegalen Machenschaften hinreißen. Das brachte ihm jetzt vor dem Schöffengericht eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten wegen Beihilfe zum Rauschgifthandel in nicht geringer Menge ein. Das Gericht unter Vorsitz von Richter Dr. Wolfhard Meindl ging in seinem Urteil nicht davon aus, dass der bis dahin unbescholtene 36-jährige Familienvater nach Deutschland einreiste, um hier Rauschgifthandel zu betreiben. Die große Menge der heißen Ware ließ jedoch keine Bewährungsstrafe mehr zu: Die Anklageschrift umfasste ein angebahntes Geschäft von drei Kilo Kokain zu 45 000 Euro, das jedoch nicht zustande kam. Außerdem war der 36-Jährige an einer Lieferung von zehn Kilo Marihuana und 500 Gramm Heroin für über 33 000 Euro beteiligt.

„...wie die Jungfrau zum Kind“

„Der Angeklagte rutschte in die Sache hinein wie die Jungfrau zum Kind“, sagte Meindl in seiner Urteilsbegründung. Wie berichtet hatte der in seiner Heimat angesehene Fußballer vom Ex-Präsidenten eines Regensburger Fußballclubs das Angebot erhalten, für diesen als Trainer zu arbeiten. Der Präsident wollte sich auch um die Abwicklung der dafür erforderlichen Formalitäten kümmern. „Das war mein Traum“, sagte der 36-Jährige vor Gericht unter Tränen. Mit dem Umzug nach Regensburg wären auch deutlich bessere Ausbildungs- und Jobchancen für seine Kinder verbunden gewesen.

„Der Angeklagte rutschte in die Sache hinein wie die Jungfrau zum Kind.“

Richter Dr. Wolfhard Meindl

Doch dann forderte ihn sein Mentor, bei dem der Albaner zunächst auch wohnte, auf, als Helfershelfer bei Drogengeschäften mit niederländischen Lieferanten mitzuwirken. Aus Dankbarkeit und aus Angst um die ihm in Aussicht gestellte Aufenthaltserlaubnis machte der Familienvater mit. Dabei, so sein von Verteidigerin Iris Nickl vorgetragenes Geständnis, „war ihm klar, dass es um Drogen ging.“ Er fungierte als Fahrer zu Verhandlungen in den Niederlanden und zählte und verwahrte das Geld für das Heroin- und Marihuana-Geschäft in Regensburg.

Polizei fädelte Drogendeals ein

Doch der Ex-Präsident und ein von ihm betriebenes Lokal im Stadtosten standen schon länger im Visier der Ermittler. Die Polizei fädelte die beiden großen Rauschgiftgeschäfte ein und schickte mehrere V-Männer als Scheinkunden vor. Nach der Übergabe von Geld und Drogen, wobei der Angeklagte mitwirkte, wurden der Ex-Fußballpräsident, der Angeklagte und weitere Mittäter verhaftet.

Zu Lasten des Angeklagten fiel die große Menge der Drogen ins Gewicht. Zu seinen Gunsten wertete das Gericht seinen vergleichsweise geringen Tatbeitrag und die kurze Dauer seiner Zugehörigkeit zu der Drogenorganisation. Außerdem floss in das Strafmaß die Tatsache ein, dass der Angeklagte sich dem Ex-Fußballpräsidenten gegenüber verpflichtet sah.

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Urteil nach Menge

  • Wirkstoff:

    Bei Drogendelikten ist die Strafe von der Wirkstoffmenge abhängig.

  • Einstufung:

    Bei einer geringen Menge wird die Tat als Vergehen, bei einer nicht geringen als Verbrechen behandelt.

  • Ahndung:

    Bei ersterem kommt noch eine Geldstrafe in Betracht, bei letzterem eine Freiheitsstrafe ab einem Jahr.

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