mz_logo

Regensburg
Montag, 21. Mai 2018 25° 1

Berufe

Gastgeber verzweifelt gesucht

In der Gastronomie herrscht Personalnot. Das Image der Branche ist schlecht. Eine Regensburger Expertin kämpft dagegen an.
Von Wolfgang Ziegler

„Traumjobs statt Underdogs“ ist eine Werbekampagne für Berufe in der Gastronomie und Hotellerie überschrieben. Fotos: dpa

Regensburg.Das bayerische Hotel- und Gastgewerbe hat ein Problem – ein hausgemachtes. In den nächsten zehn Jahren können bis zu 8000 Stellen nicht mehr mit qualifiziertem Personal besetzt werden – viermal so viele wie schon heute. Das geht aus dem jüngsten Fachkräftemonitor der Industrie- und Handelskammern im Freistaat hervor. Die Gründe: Arbeit zu Zeiten, in denen andere Menschen ihre Freizeit genießen, und eine Einkommenssituation, die mit den Möglichkeiten in der Industrie nicht Schritt halten kann. Tourismusverbände und Branchenkenner raten Gastgebern, gegenzusteuern: Mehr Investitionen in die Weiterbildung, flexiblere Arbeitszeitmodelle und pfiffige Ideen sollen zu einem Imagewandel der Branche führen.

Zahlen und Fakten zur Stellensituation in der Gastronomie:

Video: Simone Grebler

Diesen Weg will auch die neue Geschäftsführerin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (BHG), Bezirk Oberpfalz, Ulrike Watzl, beschreiten. „Unsere Branche ist so abwechslungsreich wie kaum eine andere“, sagte sie im Gespräch mit unserem Medienhaus. Es sei ein Irrglaube, dass man in der Gastronomie und der Hotellerie nur abends und an den Wochenenden ran müsse. Jede Altenpflegerin und jede Krankenschwester sei zu diesen „ungünstigen Zeiten“ mehr belastet als Mitarbeiter in Restaurants und Hotels. Auch die Verdienstmöglichkeiten seien nicht schlechter als in anderen Branchen, wirbt sie. „Die Entlohnung in den meisten Betrieben liegt selbst für Aushilfen schon heute deutlich über dem gesetzlichen Mindestlohn.“ Und ein guter Koch bringe es durchaus auf 3500 bis 4000 Euro brutto monatlich.

Branche hat ein Imageproblem

Ulrike Watzl ist die neue Bezirksgeschäftsführerin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes. Foto: Dehoga

Dennoch muss Ulrike Watzl einräumen, dass derzeit fast jeder Betrieb in der Oberpfalz Personalbedarf habe. „Die Problematik zieht sich durch – von einfachen Jobs wie Küchenhilfen und Aushilfsbedienungen bis zu qualifizierten Stellen wie Hotelfachleuten oder Küchenmeister“, sagt sie. Es gebe einfach viel zu wenige Interessenten. Ursachen dafür sieht die BHG-Geschäftsführerin unter anderem in der demografischen Entwicklung – „es gibt zu wenig Kinder“ – und in dem Bild, das die Branche in der Öffentlichkeit abgebe. „Wir haben, abgesehen von Sterne-Gastronomie und Fernsehköchen, ein ernsthaftes Imageproblem.“ Genau an diesem Punkt will Ulrike Watzl ansetzen. Sie habe sich auf die Fahnen geschrieben, die Branche als jung und modern darzustellen. Der Slogan „Traumjobs statt Underdogs“, mit dem eine Werbekampagne der Eckert-Schulen für den Beruf des Hotelbetriebswirts überschrieben sei, treffe genau den Nerv der Ausbildungsoffensive, die sie in den nächsten Wochen starten wolle.

„Wir haben, abgesehen von Sterne-Gastronomie und Fernsehköchen ein ernsthaftes Imageproblem.“

Ulrike Watzl, Geschäftsführerin des BHG

Mit ihrer Aktion wollen die Privat-Schulen in Regenstauf jungen Leuten die Furcht vor der Gastronomie nehmen, wie Marketing-Leiterin Andrea Radlbeck im Interview mit unserer Zeitung sagte. Oftmals hätten sie – und ihre Eltern als „Berater“ – noch ein antiquiertes Bild von der Branche im Kopf. Sowohl die Arbeitgeber als auch die Arbeitsbedingungen hätten sich aber geändert. „Kreative Gastronomen haben viele pfiffige Ideen, die sie in trendigen Modellen umsetzen“, sagte sie. Längst gebe es flexible Arbeitszeiten, die nichts mehr mit unbezahlten Überstunden als Selbstverständlichkeit zu tun hätten. Dies sei nach den Worten von Andrea Radlbeck aber auch notwendig. „Hochwertige Lokale brauchen qualifizierte Kräfte“, lautet ihr Credo. Schüler und Studenten seien zwar als Aushilfen notwendig, um Spitzen abzufangen und Lücken zu schließen. Auf lange Sicht gehe aber nichts über eine fundierte Ausbildung.

Pfiffige Ideen kreativer Köpfe

Eine, die zu den kreativen Köpfen gehört, ist Stefanie Thiele, Mitinhaberin des Ristorante „Papageno“ in der Regensburger Keplerstraße und der Uni-Pizzeria „Unikat“. Ihre Mitarbeiter könnten beispielsweise den digitalen Dienstplan über eine eigene App einsehen, darüber auch Urlaub beantragen und Wunsch-Arbeitszeiten anfragen. „Man muss den Mitarbeitern das Leben leichter machen und ihnen ermöglichen, soziale Kontakte zu pflegen – auch abends und an Wochenenden“, sagte sie uns. Das Berufsbild sei „abschreckend genug“. Wenn man den Leuten nicht entgegenkomme, möchte die Arbeit bald keiner mehr machen.

„Wir würden Lehrlinge ausbilden, wenn wir welche bekämen.“

Mathias Reichinger, Gastwirt

Wenig bis keine Probleme hat – ganz entgegen des Trends – Gastwirt Mathias Reichinger von der Kult(gast)- stätte „Kneitinger“. „Wir würden Lehrlinge ausbilden, wenn wir welche bekämen“, sagte er uns. Andererseits kann er mit der Situation gut leben, weil die Fluktuation im „Mutterhaus“ äußerst gering sei und er Auszubildenden auch nicht viel bieten könne. „Lehrlinge würden bei uns zu wenig lernen. Dafür sind wir zu bayerisch. Da ist nicht die hohe Schule gefragt.“

Mehr Nachrichten aus Regensburg lesen Sie hier.

Aktuelles aus der Region und der Welt gibt es über WhatsApp direkt auf das Smartphone: www.mittelbayerische.de/whatsapp

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht