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Notfall

Gerettet: Kätzchen mit Kämpferherz

Ein Tierhasser schoss fünf Mal auf Spakus. So einen brutalen Fall von Tierquälerei hatten die Ärzte noch nie.
Von Katharina Eichinger

Katze Spakus durfte die Tierklinik am Mittwoch mit Kragen verlassen. Foto: Matthes
Katze Spakus durfte die Tierklinik am Mittwoch mit Kragen verlassen. Foto: Matthes

Regensburg.Diesen schwarzen Freitag werden Uschi und Heinz Rehberg so schnell nicht vergessen: Ihre Katze Spakus wurde von einem Tierhasser mehrfach angeschossen. Die Tat ist an Brutalität kaum zu überbieten. Am Sonntag wurde der Vierbeiner in der Tierklinik Haslbach operiert, am Mittwoch durfte er mit seinen Besitzern nach Hause gehen.

Eine Stunde lang entfernten Malgorzata Bielecki, Oberärztin für Chirurgie, und ihr Team zwei von fünf Projektilen aus Spakus’ Körper. Eines davon saß genau in der Wirbelsäule der Katze, drückte auf das Rückenmark und lähmte den Schwanz und die Hinterbeine der schwarzen Katze. Auch aus dem Hals mussten die Ärzte ein Projektil bei der Operation entfernen. Dieses Geschoss befand sich nicht tief im Körper von Spakus. Die Ärzte fürchteten, dass das Projektil wandert, sagt Eva Matthes, Leiterin der Tierklinik Haslbach.

Drei Projektile bleiben im Körper

Ein Projektil steckte in Spakus Wirbelsäule, zeigt das CT. Foto: Matthes
Ein Projektil steckte in Spakus Wirbelsäule, zeigt das CT. Foto: Matthes

Die Ärzte entschieden sich dafür, erst einmal nur diese beiden Geschosse zu entfernen, da sie später noch zu Komplikationen führen könnten. „Unser Plan ist, die Kugeln zu entfernen, wenn Spakus wieder richtig fit ist“, sagt Matthes. Dass die Projektile im Körper der Katze verbleiben, ist nicht ungewöhnlich. „Sie sind eigentlich steril“, sagt die Klinikleiterin. Das liege daran, dass die Geschosse mit einer sehr hohen Geschwindigkeit fliegen und die Temperatur an deren Oberfläche sehr hoch ist.

Immer wieder kommen Tiere in die Tierklinik, in deren Körper die Ärzte ältere Sprengkörper finden. Meist handle es sich dabei um Zufallsbefunde bei Straßenhunden, die von Tierschutzorganisationen aus dem Ausland nach Deutschland gebracht werden. Einen so heftigen Fall hatten die Mediziner allerdings noch nicht.

Eine Stunde lang wurde Spakus operiert. Foto: Matthes
Eine Stunde lang wurde Spakus operiert. Foto: Matthes

„Wir sind sehr optimistisch, dass die Lähmung ganz weggeht“, sagt Matthes. „Das kann drei Monate dauern.“ Das macht auch die Besitzer überglücklich: „Wir wussten nicht, ob wir die Operation machen oder Spakus gleich einschläfern lassen sollen“, sagt Frauchen Uschi Rehberg. „Aber das war schon richtig.“

Die Ärzte in der Tierklinik raten immer zur Behandlung, bevor man ans Einschläfern seines Haustiers denkt. Nur vom Ansehen könne man nicht beurteilen, wie die Chancen stehen, sagt Matthes. Man wisse nicht, wie gravierend innere Verletzungen sein können.

Ein Kragen soll verhindern, dass Spakus sich ihre Wunden aufkratzt. Foto: Matthes
Ein Kragen soll verhindern, dass Spakus sich ihre Wunden aufkratzt. Foto: Matthes

Am vergangenen Freitag war die Katze nicht mehr bei ihren Besitzern in Blaibach im Landkreis Cham aufgetaucht. Normalerweise war Spakus nie so lange weg. Als Uschi Rehberg sie auf ihrem Grundstück fand, zog sie ein Bein nach und blutete. Gemeinsam mit ihrem Mann Heinz brachte sie sie zum Tierarzt. „Erst dachten wir, sie wurde angefahren, doch der Tierarzt meinte: Sie hat gerauft“, sagt Uschi Rehberg. Dann entdeckten sie die Projektile im Bauch und im Kopf der Katze – und brachten sie nach Haslbach.

Die Ärzte entschieden, Spakus erst am Sonntag zu operieren. „Die Katze war in einem zu schlechten Allgemeinzustand“, sagt Malgorzata Bielecki, die das Tier eine Stunde lang operiert hat. „Das Risiko war zu groß, sie so lange in Narkose zu versetzen.“ Nach dem Eingriff hat sich Spakus’ Allgemeinzustand deutlich gebessert, auch die Lähmung an den Hinterbeinen ist geringer geworden. Jetzt muss Spakus einen Kragen tragen und zur Physiotherapie.

Besitzer setzen Belohnung aus

Die Brutalität der Tat schockiert die Besitzer: „Die Schüsse kamen alle von einer anderen Richtung“, sagt Uschi Rehberg. Sie wisse nicht, ob die Täter vielleicht zu zweit waren, oder ob eine Falle aufgestellt wurde. Möglicherweise ging der erste Schuss auch in den Kopf. „Sie wäre ja sonst weggelaufen“, ist sich Rehberg sicher. „Das wissen wir erst, wenn man den kriegen würde.“ Die PI Bad Kötzting ermittelt, seit Mittwoch werden die Projektile ausgewertet.

Andere Tierfreunde unterstützen die Rehbergs. Insgesamt ist eine Belohnung von 1800 Euro für Hinweise auf den Täter ausgesetzt. Dafür kommen der Tierfreundekreis Bad Kötzting, zwei Privatpersonen und die Besitzer auf. Den Großteil – nämlich 1000 Euro – übernimmt die Tierschutzorganisation Peta. Auch Fremde haben sich gemeldet: Sie wollen sich an den Operationskosten beteiligen. Uschi Rehberg schätzt, dass die verschiedenen Behandlungen von Spakus etwa 3000 Euro kosten werden. „Sowas tut gut. Obwohl mir natürlich lieber wäre, es wäre nichts passiert“, sagt Rehberg.

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