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Geschichte wird zukunftsfähig

Dr. Thomas Feuerer ist der neue Mann an der Spitze des Historischen Vereins. Er will auch jüngere Leute ins Boot holen.
Von Angelika Lukesch

  • Dr. Thomas Feuerer will den Historischen Verein für Oberpfalz und Regensburg auch für jüngere Leute attraktiv machen. Foto: altrofoto.de
  • Der Historische Verein für Regensburg und Oberpfalz hat sich für den Erhalt der Carl Anselm Allee eingesetzt. Foto: Klein

Regensburg.Beim Historischen Verein für Oberpfalz und Regensburg ist eine Ära zu Ende gegangen und das nächste Zeitalter beginnt. Dr. Thomas Feuerer (48) löst Dr. Martin Dallmeier (71) an der Spitze des Vereins ab. Dr. Dallmeier hatte den Verein fast 24 Jahre lang geleitet. Diesen Stab- und Generationswechsel will Dr. Feuerer „moderieren und gestalten“. Er weist auf den hohen Altersdurchschnitt bei den Mitgliedern des Vereins hin und warnt vor einem demografisch bedingten Mitgliederschwund. „Deswegen ist es mein wichtigstes Ziel, den Historischen Verein auch für jüngere Leute attraktiv zu machen, um damit seine Zukunftsfähigkeit zu sichern“, sagt Dr. Feuerer.

Fasziniert von Geschichte

Geschichte ist seine Leidenschaft: Er ist seit zwölf Jahren Kulturreferent des Landkreises Regensburg, Kreisheimatpfleger, Heimatpfleger von Hemau, Mitglied im Ortskuratorium Regensburg. Auch ist er als fachlicher Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde im Landkreis tätig sowie als Vorsitzender der DOLINA Stiftung für Landeskunde. An der Universität Regensburg erfüllt er Lehraufträge. Dr. Feuerer hat zwei abgeschlossene Studiengänge (katholische Theologie/Geschichte sowie Historische Bauforschung). Seitdem er ein kleiner Bub war, ist der gebürtige Nittendorfer von Geschichte fasziniert. Studienreisen nach Griechenland und Italien in seiner Kindheit hätten ihn tief geprägt, erzählt Dr. Feuerer. Bereits kurz nach dem Abitur 1989 trat er dem Historischen Verein bei. „Warum, kann ich gar nicht mehr genau sagen“, sagt er. Er habe wohl Kontakt zur „einschlägigen Szene“ bekommen wollen. Bei seinem Vorgänger Dr. Dallmeier war es ähnlich: „Schon als Kind wollte ich Archivar werden, obwohl ich damals nicht wusste, was dies genau ist … Die Bewahrung der Erinnerung an die dunklen Zeiten der deutschen Geschichte und deren Weitergabe an die junge Generation war für mich ab einem gewissen Alter einer der Eckpunkte, um dazu beizutragen, dass sich solche schrecklichen Dinge nicht mehr wiederholen dürfen.“

Für seine eigene Amtszeit hat Dr. Feuerer große Ziele: „Mir geht es vor allem darum, die Menschen für den Wert und die Schönheit der sie umgebenden Welt zu sensibilisieren, ihnen dafür die Augen zu öffnen. Denn nur was man wirklich mit seiner ganzen Geschichte kennt, kann man auch schätzen, bewahren und vernünftig weiterentwickeln. Wir leben in einer Zeit, in der sich ein unglaublicher gesellschaftlicher Wandel vollzieht, vielleicht schneller und tiefgreifender als jemals zuvor in der Menschheitsgeschichte. Dass dieser Prozess nicht in einen totalen kulturellen Bruch mündet, sondern halbwegs organisch vonstattengeht, das ist mir ein sehr großes Anliegen.“ Auch will er dem Historischen Verein mehr Präsenz in der Öffentlichkeit verschaffen. Das große kulturelle Angebot des Vereins soll bekannter werden. „Ein anderes, für mich persönlich sehr wichtiges Thema ist die praktische Denkmalpflege. Vor allem im ländlichen Raum haben es Baudenkmäler ja nach wie vor sehr schwer. Hier würde ich auch gerne neue Akzente in der Vereinsarbeit setzen“, kündigt Dr. Feuerer an.

Dr. Dallmeier schied mit der beruhigenden Gewissheit aus seinem Amt, „dass die Nachfolge geregelt ist, dass eine jüngere Generation die künftigen Aufgaben besser lösen können wird als wir Alten. Ich denke gerade ganz aktuell an die Probleme des Datenschutzes und der Digitalisierung allgemein.“ Als er kurz nach der Wende den Vorsitz übernommen hatte, war es eines seiner wichtigsten Anliegen, „die bisherigen Grenzen in Mitteleuropa auf dem Feld der Völkerverständigung insbesondere unter Historikern und Archivaren zu überbrücken.“

Das Stadtbild erhalten

Stolz ist Dr. Dallmeier darauf, dass der Verein in seiner Zeit „einige den Denkmalschutz aushebelnde oder das Stadtbild direkt zerstörende Projekte, vor allem in Regensburg, zu verhindern versucht hat, zum Beispiel das Kongresszentrum beziehungsweise das Hotel im Schloss St. Emmeram, die Zerstörung des Schlossparks, der Carl Anselm Allee oder des Ostentorturms, die neue Donaubrücke, die Zerstörung des Zanthauses (Schnupftabakfabrik)“.

Manchmal sei man auch gescheitert, aber unter dem Strich könne man doch sagen, dass diese privaten Vereins- und andere bürgernahen Institutionen ihren Beitrag durch ihre Arbeit dazu geleistet haben, dass Regensburg 2006 UNESCO-Welterbestadt geworden ist. Denn manche Planungen der Stadtverwaltung und von Investoren seien für dieses Ziel mehr als kontraproduktiv gewesen.

Der neue Vorsitzende des Historischen Vereins blickt optimistisch in die Zukunft. „Ich würde mich freuen, wenn der Verein auch bei seinem 200-jährigen Jubiläum im Jahr 2030 noch eine mitgliederstarke, generationenübergreifende und in der Gesellschaft fest verwurzelte Gemeinschaft von geschichtsbewussten und geschichtsinteressierten Menschen aus Regensburg und der ganzen Oberpfalz ist“, lautet die Hoffnung von Dr. Feuerer.

Dr. Martin Dallmeier hat den Verein 24 Jahre geleitet.

Der Geschichte verpflichtet

  • Verein:

    Der Historische Verein für die Oberpfalz und Regensburg wurde 1830 mit 171 Mitgliedern in Regensburg gegründet. Er hat heute 973 Mitglieder.

  • Zeitschrift:

    Seit 1831 gibt der Verein eine wissenschaftliche Zeitschrift „Die Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg“ heraus (bisher 150 Bände).

  • Vorsitz:

    Der erste Vorsitzende war der Regensburger Diplomat und Geschichtsschreiber Christian Gottlieb Gumpelzhaimer (1766-1841).

  • Aufgabe:

    Die Erforschung der Geschichte der Oberpfalz und der Stadt Regensburg ist Hauptzweck des Vereins. Auch zählt es zu seinen Aufgaben, das historische Wissen über diese Region zu verbreiten.

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