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Verkehr

Gratis-Busse stoßen auf Skepsis

In Regensburg schütteln Experten den Kopf über die Idee der Regierung. Stattdessen wollen viele einen attraktiveren ÖPNV.
Von Wolfgang Ziegler

Kürzere Taktzeiten, niedrigere Tarife und emissionsfreie Fahrzeuge seien wichtiger als ein kostenloser ÖPNV sagen Regensburger Politiker und Verkehrsexperten. Foto: Gruber
Kürzere Taktzeiten, niedrigere Tarife und emissionsfreie Fahrzeuge seien wichtiger als ein kostenloser ÖPNV sagen Regensburger Politiker und Verkehrsexperten. Foto: Gruber

Regensburg.Purer Aktionismus oder sinnvolle Initiative? Die Meinungen über den Vorschlag der Bundesregierung, Busse und Bahnen im Kampf gegen die Luftverschmutzung in den Städten künftig kostenlos fahren zu lassen, stößt in Regensburg auf ein geteiltes Echo. Von „verspätetem Faschingsscherz“ ist ebenso die Rede wie von einer „tollen Idee“. Einig sind sich Politiker und Verkehrsexperten allerdings hinsichtlich der Bedeutung des Themas. Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) muss attraktiver werden, heißt es unisono.

Regensburgs Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, die die Überlegungen aus Berlin gegenüber unserem Medienhaus als „sehr unkonkret“ bezeichnet, würde vom Bund gerne wissen, „wie er was finanzieren will“. Sie erachtet Fördermittel als sinnvoller, mit denen kürzere Taktzeiten, niedrigere Tarife und die Anschaffung emissionsfreier Fahrzeuge realisiert werden könnten. „Wenn es gelingen soll, Menschen in größerer Zahl zu einer regelmäßigen Nutzung des ÖPNV zu bewegen, ist ein noch besseres Angebot erforderlich“, sagt sie.

Die ÖDP lobt den RVV

Freie-Wähler-Stadtrat Ludwig Artinger, der gleichzeitig als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke und damit der Regensburger Verkehrsbetriebe fungiert, spricht von einem „frommen Wunsch, der mein Vorstellungsvermögen übersteigt“. Denn gegenwärtig würden allein innerhalb des Regensburger Verkehrsverbundes 43 Millionen Euro pro Jahr durch den Ticketverkauf erlöst. „Bundesweit hochgerechnet ergibt das eine gigantische Summe“, sagt er. Aber nun müsse man erst einmal sehen, „was an Substanz nachkommt“. Momentan handle es sich bei dem Vorschlag um „eine Luftblase, die nicht mit Milliarden gefüllt ist“.

Kostenlos Busfahren? Das sagen die Regensburger!

Zwei Herzen schlagen bei dem Thema in der Brust von CSU-Fraktionsvorsitzendem Dr. Josef Zimmermann. Natürlich begrüße er jede Maßnahme, die Regensburg vor dem Verkehrsinfarkt bewahre, der auf die Stadt zukomme, sagt er im Interview. Mit der kompletten Kostenfreiheit von Bussen und Bahnen will sich Zimmermann dennoch nicht anfreunden. Selbst ein umweltfreundlicher ÖPNV verbrauche Energie, und die sollte einen Wert haben. Aber man könnte beispielsweise darüber nachdenken, die Tarifzone 1 kostenlos anzubieten oder an Wochenenden grundsätzlich die gesamte Bevölkerung gratis fahren zu lassen.

Kostenlose Busse und Bahnen lehnt auch der Kreisvorsitzende des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), Wolfgang Bogie, ab. „Das ist nicht zielführend“, sagt er – und spricht sich zunächst einmal für eine Vereinheitlichung der verschiedenen Tarifsysteme in Deutschland aus. „Das ist alles zu kompliziert“, so Bogie. Er schlägt eine bundesweit geltende Kilometerpauschale vor, mit der die Kosten für Nahverkehrsfahrten ermittelt werden könnten.

Eine generelle Umjustierung in der Verkehrspolitik – und in der Folge in der Steuergesetzgebung – hält ÖDP-Stadtrat Benedikt Suttner für notwendig. Er freut sich über den Vorstoß der Bundesregierung, „damit Bewegung in den ÖPNV kommt“. Ihn kostenlos anzubieten, ist für Suttner kein Problem. „Wenn das klar geregelt ist, werden sich Finanztöpfe finden“, sagt er. Grundsätzlich müsse der ÖPNV viel attraktiver werden, was der Regensburger Verkehrsverbund (RVV) nach seinen Worten bereits verinnerlicht habe. „Da ist schon viel Umdenken erfolgt.“

Mehrkosten durch Kostenfreiheit

Das hört Josef Weigl, RVV-Chef und Geschäftsführer der Gesellschaft zur Förderung des Öffentlichen Personennahverkehrs im Landkreis Regensburg (GFN) mit 50 Regionalbuslinien und 280 Bussen, sicher gern. Er plädiert im Gespräch mit unserer Zeitung dafür, den ÖPNV kontinuierlich auszubauen, ihm – in vielerlei Hinsicht – Vorrang einzuräumen und seine Qualität zu verbessern. Das sei besser als über einen kostenlosen ÖPNV nachzudenken, sagt er. Der in fünf Städten angedachte Test eines kostenlosen Systems sei zwar legitim, und die Grundrichtung stimme, zunächst gelte es aber, für den ÖPNV eine ordentliche Finanzausstattung zu schaffen.

Ähnlich argumentieren die Geschäftsführer der Regensburger Verkehrsbetriebe (RVB), Manfred Koller und Olaf Hermes. Auch sie halten eine „pauschale Umsonst-Leistung“ für das falsche Instrument. Vielmehr sollte ihrer Meinung nach die Attraktivität des ÖPNV gegenüber dem Individualverkehr gesteigert werden. „Dies gelingt dann, wenn man mit Bussen schneller unterwegs ist als mit dem eigenen Auto“, sagt Koller. Durch einen kostenlosen ÖPNV befürchtet Hermes zudem eine Kostenexplosion – wegen einer dann notwendigen Regulierungsbehörde als Aufsichtsinstanz, Mehrausgaben für Investitionen in die Infrastruktur und zusätzlichen Fahrzeugen für die Busflotte.

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Das sagen die Regensburger

  • Stefanie Goehr:

    „Ich habe kein Problem damit, für mein Busticket zu bezahlen. Das ist immer noch billiger als mit dem Taxi zu fahren.“

  • Florian Geiger:

    „Ich denke vor allem für die Innenstadt macht ein kostenloser Nahverkehr Sinn, weil er die Umwelt entlastet.“

  • Christina Loder:

    „Ein besserer Ansatz wären günstige Familientarife. Kostenloser Nahverkehr ließe sich schwer stemmen.“

  • Thomas Kommer:

    „Kostenloser Nahverkehr wäre eine gute Sache. Damit würden viele Autos aus der Stadt draußen bleiben.“

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