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Gesundheit

Grippe-Epidemie: 80 Fälle täglich

Die Influenza breitet sich auch in Regensburg explosionsartig aus. Eine Impfung bietet keinen Schutz gegen den Virus-Stamm.
Von Wolfgang Ziegler

Das Gesundheitsamt verzeichnet „eine deutliche Influenza-Aktivität“. Seit Anfang des Jahres wurden 654 Fälle erfasst. Fotos: Gambarini/dpa/Landratsamt
Das Gesundheitsamt verzeichnet „eine deutliche Influenza-Aktivität“. Seit Anfang des Jahres wurden 654 Fälle erfasst. Fotos: Gambarini/dpa/Landratsamt

Regensburg.Regensburg schnieft, keucht und hustet – schon seit einigen Wochen hat eine Grippe-Welle die Stadt fest im Griff. Wie viele Menschen sie genau erwischt bzw. bereits erwischt hat, lässt sich nur schwer sagen, weil die Influenza – so der medizinische Begriff der „echten“ Grippe oder Virusgrippe – nicht meldepflichtig ist. Nur wenn Hausärzte oder Internisten Abstriche machen, wird dies festgehalten. Und daraus resultieren stark erhöhte Fallzahlen, wie Leitender Medizinaldirektor Dr. Matthias Pregler, der Leiter des Regensburger Gesundheitsamtes, gegenüber unserem Medienhaus sagte: „Seit Anfang Februar sind es bis zu 80 Fälle täglich.“ Es handle sich um eine deutliche Influenza-Aktivität, so der Mediziner.

Das geht auch aus der aktuellen Statistik des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen hervor. Am Freitag meldete es oberpfalzweit 329 Fälle. In ganz Bayern wurden seit Jahresanfang 8808 Influenza-Infektionen registriert, besonders im Februar ist die Tendenz stark steigend – von 2470 in der fünften Kalenderwoche auf 2870 nur eine Woche später.

Für eine Impfung ist es jetzt in der Regel aber zu spät. „Bis die wirkt, vergehen 14 Tage“, so Dr. Pregler. Deshalb sollte man sich nach seinen Worten grundsätzlich im Herbst einer Grippeschutzimpfung unterziehen und diese jedes Jahr wiederholen. Gegenwärtig ließen sich viel zu wenige Menschen immunisieren, sagt er. Seiner Schätzung nach seien es höchstens 30 bis 40 Prozent. Ob man aktuell noch prophylaktisch aktiv werden wolle, sollte man sich genau überlegen. Ratsam könnte es eventuell für schwangere Frauen und ältere Menschen sein.

Heuer grassiert Influenza B

Ob eine Impfung in diesem Jahr überhaupt Sinn macht, stellt der Infektologe am Universitätsklinikum Regensburg, Prof. Dr. Bernd Salzberger, in Frage. Die explosionsartige Ausbreitung der Grippe sieht er nämlich in dem grassierenden Virus-Stamm begründet. Während in früheren Jahren meist zwei Arten der Influenza A zirkuliert seien, trete heuer die B-Variante auf, von der es ebenfalls zwei Typen gebe, sagte er im Interview. „Und ausgerechnet die Form, mit der drei Viertel der Grippekranken in Deutschland infiziert ist, wird mit der aktuellen Dreifach-Impfung nicht bekämpft“, so Prof. Salzberger. Eine Immunisierung mit dem grundsätzlich ebenfalls vorhandenen Vierfach-Impfstoff würde zwar die aktuelle B-Variante erfassen, werde aber von den wenigsten Kassen übernommen. Hintergrund sei, dass dieses Serum nur von einem einzigen Hersteller produziert werde und das federführende Robert-Koch-Institut dessen Einsatz aus diesem Grund bereits im Mai vergangenen Jahres abgelehnt habe. Man wollte das Monopol nicht unterstützen.

So kann man sich schützen

  • Die Handhygiene

    ist ein einfacher und effektiver Schutz gegen jede Art von Infektionen. Die Hände sollten mehrmals am Tag für 20 bis 30 Sekunden mit Wasser und Seife gewaschen werden – um alle Keime zu beseitigen, auch in den Fingerzwischenräumen. Danach sollte man – zumindest in allen öffentlichen Toiletten – Einmalhandtücher benutzen. Desinfektionsmittel sind nicht unbedingt notwendig.

  • Das Händeschütteln

    sollte man ebenso vermeiden wie unsaubere bzw. ungewaschene Hände zum Gesicht zu führen. Andernfalls können Erreger leicht von den Fingern auf die Schleimhäute von Mund, Nase und Augen gelangen und die Infektion auslösen.

  • Menschenansammlungen

    – vor allem in geschlossenen Räumen wie etwa Konzertsälen oder Bussen – eröffnen eine hohe Chance, sich ein Grippevirus einzufangen.

  • Lüften

    von Räumlichkeiten, in denen sich mehrere Menschen aufhalten, etwa Büro- oder Konferenzräume, hilft dabei, die erregerhaltigen Tröpfchen vom Husten und Niesen in der Luft zu reduzieren.

  • „Husten-Etikette“

    ist generell zu empfehlen: Man sollte nicht in die Hand, sondern in die Ellenbogenbeuge oder ein Taschentuch husten.

  • Bewegung

    an der frischen Luft ist immer ratsam, schadet in Zeiten von Grippe-Epidemien aber, wenn Personen bereits infiziert sind. Dann führt eine sportliche Betätigung zu einer erhöhten Belastung des ohnehin geschwächten Körpers.

  • Wechselduschen

    und Saunagänge härten den Körper ab und machen ihn weniger anfällig für Infekte. Mit nassen Tüchern auf der Heizung kann man zudem die Raumluft befeuchten, denn Heizungsluft trocknet die Schleimhäute aus und macht sie anfälliger für Viren.

Auch für den Regensburger Hausarzt und Infektologen Dr. Franz Audebert ist der Virus-Stamm des Pudels Kern. „Wir stehen vor dem Problem, dass heuer der Impfstoff nur unzureichend wirkt. 75 Prozent der Viren werden davon nicht erfasst“, sagte er unserer Zeitung. Und die Kostenübernahme der eigentlich notwendigen Vierfach-Impfung durch die Krankenkassen sei nur bei Risikopatienten wie Immungeschwächten, Schwangeren und Älteren gewährleistet.

Mediziner rät zu (Hand-)Hygiene

Ob die Epidemie schon ihren Höhepunkt erreicht hat, wagte Dr. Audebert nicht zu sagen. Dennoch sprach er sich dagegen aus, sich jetzt noch impfen zu lassen. „Wenn wir in die Epidemie reinimpfen, kann dies problematisch sein“, sagte er uns. Möglicherweise seien die Patienten schon infiziert, bekämen am nächsten Tag Fieber und würden dies dann zu Unrecht auf die Impfung schieben. Stattdessen rät er dazu, auf die (Hand-)Hygiene zu achten und Massenveranstaltungen zu meiden.

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